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VfL Wolfsburg: Wie im falschen Film

Fußball-Bundesliga: 32. Spieltag

Abstiegskampf statt Aufschwung: Der VfL Wolfsburg rennt wie in der Vorsaison hohen Zielen hinterher. Verein, sportliche Leitung und Spieler dribbeln an der Realität vorbei. Genau daran ist Sportdirektor Olaf Rebbe gescheitert.

Niedergeschlagene Wolfsburger Spieler
Wie verhext: Der VfL Wolfsburg läuft seinen Ansprüchen hinterher.
Quelle: imago

In der Wahrnehmung von Olaf Rebbe war nicht alles schlecht. Kleine Schritte nach vorne – so hatte der Sportdirektor des VfL Wolfsburg immer wieder eine Entwicklung beschrieben, die in Wirklichkeit eine Stagnation ist. Dass Rebbe auf der Zielgeraden der Saison freigestellt und die Trennung von ihm am Freitagabend besiegelt wurde, ist die logische Konsequenz einer verfehlten Personalpolitik und eines missglückten Umbruchs.

Dass der vom Volkswagen-Konzern großzügig finanzierte Verein statt gehobenem Fußball wieder nur eine Hauptrolle im Abstiegskampf spielt, gehört zu den bundesweit größten Enttäuschungen der Saison 2017/18.

Talfahrt seit 2015

Olaf Rebbe
Olaf Rebbe
Quelle: Swen Pförtner; dpa

Die Suche nach den Ursachen beginnt bei Rebbe und findet ihre Fortsetzung in einer Mannschaft, die sich weiterhin im falschen Film wähnt. Eigentlich will der VfL eine große Nummer sein. Neulich, also 2015, waren sie noch Pokalsieger, Vizemeister und Jäger von Seriensieger Bayern München.

Die Wolfsburger hatten 2016 um ein Haar sogar das Kunststück vollbracht, Real Madrid aus der Champions League zu kicken. „Aber seit der Niederlage gegen Madrid“, findet Maximilian Arnold, „geht es bei uns mehr nach hinten als nach vorne.“ Eigentlich strotzt der agile Mittelfeldspieler vor Selbstvertrauen. Inzwischen ist auch Arnold so verunsichert, dass ihm mitunter die einfachsten Dinge misslingen.

Seltsame Lethargie

Der Spielerkader des VfL Wolfsburg ist durch einen grundsätzlichen Fehler belastet. Er ist in dem Glauben zusammengestellt worden, dass die Niedersachsen für Besseres als den Kampf um den Klassenerhalt in Frage kommen. Jetzt den Schalter umzulegen und statt schön zu kombinieren die Ärmel hochzukrempeln, fällt der Mehrheit der Profis sichtlich schwer.

Daniel Didavi zum Beispiel ist ein begnadeter Könner. Schon im Vorjahr, als Wolfsburg die Klasse nur über den Umweg der Relegationsspiele gegen Eintracht Braunschweig hatte halten können, wollte er seine Kollegen wachrütteln. Aber immer wieder verfällt das Team in eine seltsame Lethargie. Die Mentalität, um mutig und als Vorbild voranzugehen, besitzt kein VfL-Spieler. Auch die Auftritte von Didavi unterliegen Schwankungen, über die sich selbst der stets positiv denkende Cheftrainer Bruno Labbadia nur wundern kann.

Lücke in der Geschäftsführung

Dem VfL Wolfsburg fehlt eine Art Gallionsfigur. Ein starker Mann, an dem sich alle aufrichten können und der fachlich überzeugt. Im Vorjahr erfüllte Mario Gomez diese Rolle als Typ und Torjäger. In diesem Jahr hat er den VfB Stuttgart frühzeitig zum Klassenerhalt geschossen, während die Unruhen in Wolfsburg kein Ende nehmen. Sich drei Spieltage vor Saisonende vom Sportdirektor zu trennen ist kurios und wirkt verzweifelt. Parallel dazu ist gerade versucht worden, die nur noch rudimentär besetzte Geschäftsführung durch Horst Heldt zu verstärken. Der aktuelle Sportdirektor von Hannover 96 erhält aber keine Freigabe, um eine elementare Lücke in Wolfsburg schließen zu können.

Seit der Demission des früheren Geschäftsführers Klaus Allofs Ende 2016 fehlt es in der Führungsetage des VfL an der nötigen Fachkompetenz. Eine starke Persönlichkeit ist nicht in Sicht. Der Löwenanteil der Hoffnung wird beim dritten Trainer in dieser Saison abgeladen. „Der Druck auf das Team ist riesengroß“, gesteht Labbadia. Von sieben Partien seit seinem Amtsantritt wurde nur eine gewonnen. Selbst der im Abstiegskampf erfahrene Labbadia hat es nicht geschafft, die VfL-Spieler bei der Ehre zu packen.

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Videolänge:
16 min
Datum:

Der 32. Spieltag

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