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Mutige Sonderbotschafterin aus Syrien

Yusra Mardini zu Gast im aktuellen sportstudio

Yusra Mardini hat in ihrem Leben schon einiges erlebt. Flucht aus Syrien, Teilnehmerin bei den Olympischen Spielen, Treffen mit Barack Obama und Papst Franziskus. Am Samstagabend ist sie zu Gast bei Dunja Hayali.

Yusra Mardini
Eine Schwimmerin mit einer besonderen Geschichte: Yusra Mardini
Quelle: imago/Future Image

Yusra Mardini wächst in Damaskus auf. Schon in jungen Jahren beginnen sie und ihre ältere Schwester Sarah mit dem Schwimmsport. Yusra ist so schnell, dass sie auch an internationalen Wettkämpfen teilnimmt. Doch der Bürgerkrieg in Syrien bleibt allgegenwärtig. Ein Erlebnis beim Training, als sie nur knapp einem Bombenangriff entgeht, lässt in ihr den Gedanken reifen, die syrische Hauptstadt zu verlassen. Die Geschwister beschließen 2015, gemeinsam zu fliehen und den Bürgerkrieg hinter sich zu lassen.

Im Schlauchboot nach Lesbos

Doch ihre Flucht verläuft alles andere als reibungslos. Auf der Überfahrt von der türkischen Küste aus Richtung Griechenland setzt der Motor des Schlauchbootes plötzlich aus und 20 Insassen kämpfen im offenen Meer ums Überleben. Yusra, ihre Schwester und zwei weitere Männer springen ins Meer und halten das überfüllte Boot knapp drei Stunden lang auf Kurs, bis der Motor kurz vor der Küste der griechischen Insel Lesbos endlich wieder anspringt. Damit retten sie den restlichen Insassen das Leben.

Ihre Flucht führt sie von Lesbos aus weiter über die Balkanroute bis nach München und von dort nach Berlin, wo sie heute ihren Lebensmittelpunkt hat. "Es war sehr schwer, meine Heimat zu verlassen", erzählt die 20-Jährige im ZDF, das mache sie manchmal "sehr traurig".

In Berlin beginnen die Geschwister wieder mit dem Schwimmen. Eher zufällig wird der Sportverein Wasserfreunde Spandau 04 auf die syrischen Mädchen aufmerksam und lässt sie mittrainieren. "Schwimmen ist das Wichtigste in meinem Leben", erzählt Yusra auf ihrer Homepage. Ihrer großen Leidenschaft hat sie es dann auch zu verdanken, dass sie an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen darf.

Der Traum von Olympia

Denn das olympische Komitee nominiert ein staatenloses Team aus Geflüchteten - unter ihnen die Syrerin. Sie startet beim olympischen Schwimmwettbewerb über einhundert Meter Schmetterling. Sie wird Erste im Vorlauf, schafft es später nicht ins Finale. Ihre Auftritte bei den Sommerspielen machen sie dennoch weltweit bekannt und zu einem Gesicht der globalen Flüchtlingskrise.

Yusra Mardini beim olmypischen Vorlauf über einhundert Meter Schmetterling.
Yusra Mardini beim olmypischen Vorlauf über einhundert Meter Schmetterling.
Quelle: imago/Annegret Hilse

So endet ihr Weg auch nicht nach Olympia. Die couragierte 20-Jährige wird die jüngste Botschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks. "Ich habe jetzt eine Rolle, Menschen zu inspirieren, weil sehr viele auf mich schauen", betont sie immer wieder. 2016 erhält Mardini gemeinsam mit Sara den Bambi der Kategorie "Stille Helden". In Rom überreicht sie selbst wenig später den "Millenium-Bambi" an Papst Franziskus höchstpersönlich. Auch Barack Obama trifft sie. Der ehemalige US-Präsidenten ist von der Syrerin beeindruckt, da sie so vielen Kindern durch ihr Durchhaltevermögen und ihren Mut ein Vorbild sei.

Flüchtlingshilfe endet im Gefängis

Yusra Mardini bei einer UN-Konferenz in Genf 2017.
Yusra Mardini bei einer UN-Konferenz in Genf 2017.
Quelle: imago/Kyodo News

Sara Mardini wendet sich aufgrund einer Verletzung, die sie auf der Flucht davongetragen hat, vom Schwimmsport ab und engagiert sich für Flüchtlinge in Griechenland. Das wird ihr Ende August zum Verhängnis. Sie wird wegen des Verdachts auf Menschenschmuggel, Spionage und Geldwäsche festgenommen. "Eine absurde Anklage", sagt Yusra. Ihre Schwester soll Migranten bei ihrer illegalen Einreise nach Europa verholfen haben. Ihr drohen bis zu 25 Jahre Haft. Sie sitzt fast einhundert Tage in einem Athener Gefängnis, bis ihr Antrag auf Haftentlassung Anfang Dezember bewilligt wird. "Egal was passiert ist, ich vertraue meiner Schwester. Und ich weiß, dass sie immer nur gute Absichten hatte, anderen Menschen zu helfen", sagt Yusra. Sara ist nun auch in Berlin und hat angefangen zu studieren.

Yusra will ihrer Schwester weiterhin helfen. Sportlich hat sie sich zudem ein ambitioniertes Ziel gesteckt. "An Olympischen Spielen teilzunehmen war mein Traum, seitdem ich ein kleines Mädchen war." Einmal ging dieser Traum bereits in Erfüllung, doch warum sollte dies der mutigen Syrerin nicht noch ein zweites Mal gelingen? Tokio 2020 hat sie bereits fest im Visier.

Sport | das aktuelle sportstudio - Sendung am 12. Januar

Die Themen: Handball-WM, Fußball, Wintersport und aktuelle Meldungen des Tages. Gast im Studio: Yusra Mardini. Moderation: Dunja Hayali

Videolänge:
16 min
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