Zurückhaltendes Alphatier

Nürnbergs Coach Hecking steht nicht gern im Rampenlicht

Er ist kein Lautsprecher. Er sucht nicht das Scheinwerferlicht. Das Scheinwerferlicht findet ihn auch nur selten. Trotzdem gehört Dieter Hecking zu den erfolgreichen Trainern der Liga, die mit ihrer Arbeit im Verein viel leisten.

Dieter Hecking
Dieter Hecking Quelle: imago

Spricht man von erfolgreichen, modernen jungen Trainern in der Bundesliga, fallen häufig die gleichen Namen: Jürgen Klopp, Thomas Tuchel, Robin Dutt, Mirko Slomka - die neue Generation der Fußballlehrer. Dieter Heckings Erfolg mit Nürnberg bleibt da beinahe im Verborgenen. Hecking arbeitet lieber jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit. Große Auftritte und große Sprüche vermeidet er gerne.

Abseits des Fokus'

"Ich brauche kein Image und muss auch nicht ständig im Fokus stehen", sagte Hecking kürzlich in einem "kicker"-Interview. Nach außen ist er zurückhaltend, innerhalb des Vereins aber dominant. Co-Trainer Dirk Bremser bezeichnet Hecking als "Alphatier". "Ich dulde andere Meinungen, die Entscheidungen aber will ich treffen", bekennt Hecking dazu.

2010 rettete er den Verein vor dem Abstieg, 2011 beendete Nürnberg die Saison auf einem beachtlichen sechsten Platz. Aktuell ist das Team in der Liga 13., unteres Mittelfeld. Im DFB-Pokal bezwang man unter der Woche Zweitligist Erzgebirge Aue. Klingt nicht erwähnenswert, betrachtet man aber die Umstände, unter denen Hecking arbeitet, ist das dennoch beachtlich.

Glückliches Händchen für Talente

Verletzungsbedingt muss der Kader beinahe jedes Mal neu zusammengestellt werden. Gegen Aue, beispielsweise, fehlte etwa ein Drittel der Mannschaft. Trotzdem gelingt es Dieter Hecking Woche für Woche ein neues Team zusammenzusetzen. Vor allem sein Händchen für junge Spieler ist dabei auffällig. Das Budget des Vereins stets im Auge, pflegt der 47-Jährige einen engen Kontakt zu den Nachwuchsmannschaften des "Clubs".

Guter Draht zur Jugend

Günther Jonczyk, Dieter Hecking, Timothy Chandler
Günther Jonczyk, Dieter Hecking, Timothy Chandler Quelle: imago


Der aktuelle Nürnberger Kader ist der drittjüngste der Liga, mit einem Durchschnittsalter von gerade einmal 24 Jahren. Hecking brachte schon Talente wie Ilkay Gündogan, Philipp Wollscheid, Timothy Chandler oder Robert Mak auf die große Bundesliga-Bühne.
Der Coach schont außerdem die finanziellen Ressourcen des Vereins durch die rege Nutzung von jungen Leihspielern. So kamen zum Beispiel die Talente Mehmet Ekici (jetzt Werder Bremen) und Julian Schieber (VfB Stuttgart) auf Leihbasis. Beide wurden von Hecking weiter aufgebaut, bekamen viel Spielpraxis und wurden zu gefragten Bundesligaspielern geformt.

Und er schafft es, trotz seiner autoritären Art die jungen Akteure zu erreichen. Hecking scheint eine gute Mischung aus Distanz und Nähe gefunden zu haben. Er hält bewusst Abstand zu den Spielern, ist kein Kumpeltyp. Aber er ist immer für den Einzelnen ansprechbar, sei es bei privaten oder sportlichen Problemen. Öffentliche Anerkennung will Hecking für seine Leistung nicht. Er weiß, dass er in Trainerkreisen für seine gute Arbeit respektiert wird. Und das reicht ihm schon an Rampenlicht.

Am Samstag ist Dieter Hecking von 23 Uhr an zu Gast im "aktuellen sportstudio" bei Moderator Sven Voss.

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