Zweiter Frühling mit 21

Sabine Lisicki zielt auf die Weltspitze

Mit 19 war Sabine Lisicki schon die Nummer 22 in der Tennis-Weltrangliste. Dann kamen das Verletzungspech und der Absturz um fast 200 Plätze. Jetzt, mit 21, kämpft sich das Talent zurück an die Weltspitze und steht zur Zeit auf Rang 27.

Es steht nicht schlecht um das deutsche Damen-Tennis. Neben Sabine Lisicki (27.) befinden sich aktuell mit Andrea Petkovic (11.) und Julia Görges (16.) drei Spielerinnen unter den Top 30 der Welt. Die Dürreperiode, die auf die Ära Steffi Graf folgte, scheint überwunden. Vor allem die Art und Weise wie Lisicki auftritt, beeindruckt die Fachwelt.

Mit Power und Flexibilität zum Erfolg


Die Berlinerin spielt äußerst kraftvoll und verfügt über einen enorm harten Aufschlag, der nicht selten die 200 Stundenkilometer-Grenze übertrifft. Von der Grundlinie schlägt sie druckvoll präzise Bälle und kann so aus fast jeder Position punkten. Die Chinesin Li Na hat in Wimbledon am eigenen Leib erfahren, wie Lisickis "Urgewalt" sie in Runde zwei aus dem Turnier fegte. "Sie hat aufgeschlagen wie ein Mann", klagte Li Na nach dem Match.

Aber die 21-Jährige kann auch anders. Sie spielt "schlaues Tennis", sagt Fed-Cup-Trainerin Barbara Rittner. Tempowechsel, lange Bälle, Stoppbälle - Lisicki ist vielseitig. Die ehemalige Nummer 1 der Welt, Lindsay Davenport, sieht in ihr sogar "eine echte Bedrohung für die Spielerinnen in der Weltspitze". Rittner und Davenport stehen mit ihrer Meinung nicht alleine da.

Die Nummer 1 im Visier


Nick Bollettieri, in dessen Tennis-Akademie in Florida Lisicki trainiert, sagt über die deutsche Hoffnung, dass "Sabine die Gene eines Champions hat." Es sei nur eine Frage der Zeit, "wann sie die Nummer 1 sein wird", schwärmt Bollettieri. Vater Richard Lisicki, der seine Tochter ebenfalls trainiert, bewundert die mentale Stärke: "Sabine kann etwas, was nur wenige können: einen Spielstand ausblenden und immer nur den nächsten Punkt wie einen Matchball spielen. Sie spielt bei 0:5 genauso wie bei 5:0."

Hartnäckige Verletzung überwunden


Sabine Lisicki weiß um ihre Fähigkeiten und ist nicht minder selbstbewusst. "Ich habe mal als junge Spielerin gesagt, dass es mein Ziel ist, die Nummer eins zu werden. Dabei bleibe ich. Ich halte es für möglich, eines Tages an der Spitze der Weltrangliste zu stehen. Dafür arbeite ich", erklärt die aktuelle Nummer 27 der Welt.
Dieses Jahr in Wimbledon lässt die Powerfrau ihren Worten Taten folgen, schafft es als erste deutsche Frau seit Steffi Graf ins Halbfinale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt. Erst dort kann sie gestoppt werden. Gegen Maria Scharapowa unterliegt Lisicki in zwei Sätzen. Unglücklich, denn es ist mehr drin gewesen. Lisicki beginnt stark, geht 3:0 in Führung. Doch dann schleichen sich mehr und mehr Fehler in das Spiel der Deutschen ein. Am Ende verliert sie 4:6 und 3:6.


Dennoch ist die Berlinerin mit Wohnsitz in Florida glücklich. Dass sie in Wimbledon so auftreten kann, ist nicht selbstverständlich. Nach einer Knöchelverletzung 2009 fängt sie zu früh wieder mit Tennis an, ist übereifrig. Die Folge: 2010 knickt Lisicki mit demselben Knöchel wieder um, eine Operation ist unumgänglich. Die Verletzung ist hartnäckig, Lisicki muss monatelang pausieren, spielt in dem Jahr kaum Turniere. "Ich musste neu laufen lernen", sagt sie und freut sich über ihr Wimbledon-Ergebnis.

Kämpferin mit Vernunft

Lisicki hat aus ihrer Verletzung gelernt. Sie kann ihren Körper nicht zu Hochleistungen zwingen, wenn er noch nicht bereit dazu ist. Mit der neuen Einstellung kommt auch der Erfolg. Von Platz 218 kämpft sich Lisicki wieder an die Weltelite heran. "Ich bin schon immer eine Kämpferin gewesen", sagt sie. "Eine, die nie, nie, nie aufgibt."

Deutsche Tennisspielerin Sabine Lisicki im Duell mit Maria Sharapova (RUS)
Tennis, Wimbledon, London, Sabine Lisicki Quelle: dpa


Und so trainiert sie nach der OP immer mit dem Ziel vor Augen, das Comeback zu schaffen. Sie bekommt einen Spezialgips, mit dem sie schwimmen kann, macht Krafttraining, um den Muskelabbau nicht zu groß werden zu lassen. Trotzdem übereilt Lisicki beim Heilungsprozess nichts. Der Übereifer ist der Vernunft gewichen. Die 21-Jährige hat gelernt, dass man mit Geduld weiter kommt und will nun ihr Comeback erfolgreich gestalten. Wimbledon hat gezeigt, dass sie auf einem guten Weg ist.

Am Samstag ist Sabine Lisicki von 23 Uhr an zu Gast im "aktuellen sportstudio" bei Moderator Wolf-Dieter Poschmann.

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