Zwischen Titeltraum und Titeltrauma

Von "Bayer 04 Sturzflug" zum Meisterkandidaten

Die Wunderknaben des Werksclubs sind die Winterhelden 2009/2010. Leverkusen ist spitze und kann es bis zum Ende der Saison bleiben. Altmeister Jupp Heynckes (64) und seine Kinderriegel sind "Herbstmeisterschaft"!

Leverkusener Spieler jubeln
Leverkusener Spieler jubeln Quelle: ap

"Zwei-Tor-Küken" Kroos

Bayer hat das Kunststück vollbracht, eine komplette Hinrunde ohne Niederlage geblieben zu sein. Bravo, Bayer! Das gelang in der Bundesligageschichte erst zwei Klubs: Dem HSV 1982/83 und den Bayern 1988/89. Trainer der Münchner damals? Jupp Heynckes. Der älteste Coach der Liga hat nun den Neunten der Vorsaison, "Bayer 04 Sturzflug", zu schwindelfreien Gipfelstürmern gemacht.


Besonders beeindruckend ist die Anzahl der aufgestellten Bestmarken: Die meisten Treffer erzielt (35), mit Stefan Kießling den besten Top-Knipser in den eigenen Reihen (zwölf Tore) und hinter der besten Abwehr der Liga (nur 13 Gegentreffer) steht Nationalkeeper René Adler, der mit neun "Zu-Null-Spielen" ebenfalls auf Rekordkurs ist.

Eine weitere Symbolfigur des Höhenflugs ist Toni Kroos. Der mit 19 Jahren Jüngste im Team spielte eine überragende Hinserie und legte einen bemerkenswerten Auftritt im "aktuellen sportstudio" hin, nachdem er zuvor erstmals doppelt getroffen hatte in der Liga. Das "Zwei-Tor-Küken" Kroos hat alle Anlagen, Nationalspieler zu werden. Ob die Bayern-Leihgabe zurück nach München geht oder bei Bayer bleibt, wird sich im Frühjahr 2010 entscheiden.

Etikett "Vizekusen" endgültig ablegen


Egal für welchen Klub er künftig spielen wird, der Edeltechniker kann jedes Spitzenteam bereichern. Seine Spielweise ist eine Mischung aus den Qualitäten von Mehmet Scholl, Bernd Schneider und Sebastian Deisler. Ich bin sicher: Kroos hat eine große Zukunft vor sich. Und Leverkusen kann eine großartige Vorrunde in der Rückrunde veredeln. Wenn die seit Monaten fehlenden Rolfes, Helmes und Augusto zurückkehren, wird Bayer noch stärker sein.

17 Herausforderungen wurden bereits gemeistert, 17 weitere Prüfungen stehen noch an. Von der Bezeichnung Titelanwärter haben sie sich längst verabschiedet, denn wer seit zehn Spieltagen ganz oben steht, zählt zwangsläufig zu den Topfavoriten.

Die Titelhoffnung in Person ist Jupp Heynckes. Seit seinem Comeback bei den Bayern im Frühjahr hat er keine Bundesliga-Begegnung mehr verloren. "Don Jupp" hat eine Supermannschaft (Friedrich, Castro, Barnetta spielen eine Klasse besser als in der Vorsaison) geformt, die Rudi Völler erfolgreich zusammengestellt und mit dem überragenden Neuzugang Hyypiä wasserdicht gemacht hat.

Bayer zaubert und verzaubert die Liga

Die bislang Unbesiegbaren sind zur Hälfte Meister. Doch Bayer beendete schon einmal eine Vorrunde auf Platz eins. Aber am Ende der Saison 2001/2002 standen sie als trauriger Zweiter da und verloren zudem sowohl Pokal- als auch Champions-League-Finale. Damals entwickelte sich das Etikett "Vizekusen".


Nun ist die Chance groß, das Image des ewigen Zweiten und das Titeltrauma endgültig zu besiegen. Denn Bayer, im DFB-Pokal ausgeschieden und international nicht vertreten, kann sich ganz auf die Meisterschaft konzentrieren: "Vom Titel möchte ich nicht sprechen", meint der Meister der Zurückhaltung, Jupp Heynckes: "Unser Ziel ist ein Platz für den internationalen Wettbewerb!" Exakt solche Formulierungen kennt man noch von einem anderen Trainer aus der Vorsaison: Felix Magath, der spätere Wolfsburger Meistermacher.

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