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Das Wunder von Krakau

Sport - Das Wunder von Krakau

Deutschlands Handballer haben ihren sensationellen Auftritt bei der EM mit Gold gekrönt. Das junge Team von Trainer Dagur Sigurdsson setzte sich im Finale mit 24:17 (10:6) gegen Spanien durch.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.01.2017, 21:45

Die deutsche Handballnationalmannschaft demontiert im Finale Spanien mit 24:17 (10:6)-Toren und holt zum zweiten Mal den EM-Titel. Das ist angesichts der vielen Ausfälle eine der größten Sensationen in der Handballgeschichte und könnte eine neue Ära begründen.

Als Carsten Lichtlein, der Kapitän der deutschen Handballnationalmannschaft, um 19:37 Uhr die goldene Schale hochreckte und die Mannschaft von Dagur Sigurdsson ihm zujubelte, da schüttelten viele deutsche Fans in der riesigen Tauron Arena von Krakau immer noch ungläubig die Köpfe. „Ischt das gerade wirklich passiert?“, fragte ein Fan aus dem Schwäbischen, ihm standen Tränen in den Augen.

EM-Titel trotz Verletzungspech

Ja, diese Mannschaft, die von vielen Verletzungsausfällen geplagt war und sich entschloss, alle Widrigkeiten einfach zu ignorieren, hatte tatsächlich just die 12. EM in Polen gewonnen, den zweiten EM-Titel nach 2004 - die knapp 15.000 Fans in Krakau und Millionen an den deutschen TV-Geräten waren gerade Zeuge eine der größten Sensationen in der Geschichte des Handballs geworden. „Ich bin einfach nur stolz auf dieses Team“, stammelte Lichtlein, der letzte Weltmeister von 2007 in dieser Mannschaft. „Mir fehlen einfach die Worte.“

„Wir haben in diesem Turnier einfach eine Welle erwischt und haben heute unfassbar gut verteidigt, mit einem sensationellen Torhüter Andreas Wolff dahinter“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Ich möchte allen für Ihren Einsatz danken, auch den verletzten Spielern, die uns auf diesem Weg begleitet haben, und dem Team, das dahinter steckt.“

Erst Sofa, dann Turnier

Hallenhandballer Kai Häfner
Kai Häfner wurde nachnominiert.

Wer kannte Finn Lemke aus Magdeburg, Julius Kühn aus Gummersbach oder Kai Häfner aus Hannover, der dem spanischen Keeper Arpad Sterbik respektlos sieben Tore einschweißte und bester Schütze war? Wer kannte Andreas Wolff, den Keeper aus Wetzlar, der mit zahlreichen Glanzparaden und einer Sensationsquote von 48 Prozent den Grundstein für den Sieg gelegt hatte? „Vor sieben Tagen lag ich noch auf dem Sofa“, sagte Häfner, der erst am Montag angereist war, um den verletzten Kapitän Steffen Weinhold zu ersetzen. Mit einem Mal haben sie sich auf die Bühne des großen Handballs katapultiert.

Die junge deutsche Mannschaft (Durchschnitt 24,6 Jahre) hatte die Fachwelt schon vorher mit ihrem Lauf in Polen nachhaltig beeindruckt. „Wie die deutsche Mannschaft hier bei der Europameisterschaft aufgetreten ist, mit welch hoher Kultur und mit welchem Tempo sie spielt, das hätte man sich vor zwei Jahren nicht vorstellen können“, sagt Francois-Xavier Houlet, 46, der Experte aus dem Land des Olympiasiegers Frankreich.

Mannschaft mit Potenzial

„Diese Mannschaft hat das Potenzial in den nächsten sechs bis acht Jahren ganz oben mitzuspielen“, sagt Houlet, der einst in Gummersbach als Profi sein Geld verdiente. „Das ist die Mannschaft für die Medaillen auch für die nächsten Jahre“, glaubt der spanische Keeper Arpad Sterbik.

Einen Teil ihrer Zukunft hat die Mannschaft leichter gestaltet. Mit dem Einzug in das Finale sicherte sie sich bereits das Ticket für die WM 2017 in Frankreich - und mit dem EM-Titel ist die Mannschaft bereits für das olympische Handballturnier von Rio de Janeiro qualifiziert. Das ist ein großer Vorteil, weil das DHB-Team so wertvolle Wochen in der Vorbereitung gewinnt.

Neue Handball-Ära möglich

Houlet ist nicht der einzige Experte, der staunt. Die Fachwelt schwärmte von der Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson, die als krasser Außenseiter nach Polen angereist war, weil sie auf vier verletzte Stammspieler verzichten musste. Und die im Laufe des Turniers mit Weinhold und Christian Dissinger (beide THW Kiel) zwei weitere Stützen verlor und, allen Widrigkeiten trotzend, einfach gegen Dänemark und Norwegen weitersiegte. Und nun auch gegen Spanien.

Dieses Handballwunder, es wird noch lange nachhallen - auch weil der größte Teil der Profis noch lange weiterspielen wird. Gut möglich, dass am Sonntag in Krakau eine neue Ära des Handballs begründet wurde.

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