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In der Stierkampfarena mit Rafael Nadal

Tennis - Davis Cup

Am Freitag beginnt das Davis-Cup-Duell mit Spanien und es gibt dabei zwei wichtige Fragen: Wie fit ist Rafael Nadal und hält Alexander Zverev dem Erwartungsdruck stand?

Alexander Zverev
Wenig Vorbereitungszeit, aber viel Rückhalt aus der Familie: Deutschlands Nummer eins Alexander Zverev Quelle: usa today sports

Über mangelnden Rückhalt braucht sich Alexander Zverev wirklich nicht zu beklagen. Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft muss ab Freitag zwar auswärts in Valencia ran, doch für Alexander Zverev ist eigentlich immer und überall ein Heimspiel. Denn mit angereist nach Spanien ist der gesamte Zverev-Clan: Mutter Irina, Vater Alexander Senior, Bruder Mischa (dieses Mal nicht nominiert) und - ganz wichtig - der Pudel Lövik. Seit Jahren reist das Familien-Unternehmen Woche für Woche gemeinsam auf der Tennis-Tour. Zuhause ist eben da, wo sie alle zusammen sind. Und ein wenig Nestwärme kann der 20 Jahre alte gebürtige Hamburger dieser Tage gut gebrauchen. "Ich bin hier ganz sicher nicht der Favorit", meinte Zverev im Vorfeld des Davis-Cup-Viertelfinales.

Die Zeit rennt

Eigentlich braucht Zverev als Nummer vier der Welt nicht tief zu stapeln, doch die Vorzeichen vor diesem wichtigen Wochenende sind tatsächlich eher durchwachsen. Zwar ging Zverevs Formkurve mit dem Finaleinzug am vergangenen Wochenende beim Masters in Miami wieder nach oben, doch im Endspiel machte Zverev "mehr Fehler, als im gesamten Turnier" und verlor. Den Rückschlag muss Zverev erst einmal verdauen. Zudem kostete ihn das zweieinhalbstündige Match viel Kraft, hinzu kamen die Reisestrapazen und die minimale Vorbereitungszeit für den Belagwechsel von Hartplatz auf Sand. "Ich reise am Dienstag an, trainiere am Mittwoch, mache Donnerstag ganz wenig und habe dann also anderthalb Tage Zeit, um mich auf ein Sandplatz-Match gegen einen Top-20-Spieler vorzubereiten", meinte Zverev am Sonntag in Miami. Und dann hat er auch noch Auslosungspech, er muss am Freitag bereits um 11:30 Uhr das Eröffnungsmatch gegen Spaniens Routinier David Ferrer bestreiten. Die Zeit rennt also.

Zugute kommt der deutschen Mannschaft um Kapitän Michael Kohlmann jedoch, dass auch hinter Spaniens Superstar Rafael Nadal ein großes Fragezeichen steht. Zwar spielt der 16-malige Grand-Slam-Sieger am Freitag das zweite Einzel gegen Philipp Kohlschreiber (Bilanz 14:1 Siege für Nadal). Doch der 31 Jahre alte Mallorquiner musste seit zwei Monaten mit Problemen am Hüftbeuger pausieren. Und auch die gebremsten Trainingseinheiten in Valencia überzeugten Kohlmann nicht restlos, dass Nadal richtig fit ist. Umso mehr wird es auf eine starke Kollektivleistung für die Deutschen ankommen. "Ich glaube, dass meine Mannschaft gut vorbereitet ist. Wir haben das Gefühl, dass wir mal dran sind", sagte Kohlmann: "Alle wollen Teil dieses Teams sein. Ich weiß nicht, wann wir das zuletzt in dieser Form in Deutschland hatten." Selten bis gar nicht lautet die Antwort darauf - Zwist gab es immer. Doch es ist auch ein großes Verdienst Kohlmanns, dass er in seiner Amtszeit die traditionellen Störgeräusche und Streitereien eindämmen konnte.

Erinnerungen an 2009

Nun hat er mit Zverev, Kohlschreiber, Jan-Lennard Struff, Tim Pütz und Maximilian Marterer ein Quintett beisammen, das es in der Stierkampfarena mit den favorisierten Spaniern aufnehmen will. "Wir sind die Außenseiter", meinte Boris Becker, der Head of Men's Tennis im Deutschen Tennisbund, "aber das waren wir gegen Australien auch. Wenn unsere Mannschaft komplett ist, sind wir stark." Sie müssen es sein, besonders vor der imposanten Kulisse in Valencia. 2009 spielten die Deutschen bereits einmal in einer Stierkampfarena, in Marbella.

Damals warf Kapitän Patrik Kühnen zwei Neulinge in die aufgeheizte Atmosphäre des Rings und sie verbrannten sich. Mischa Zverev erinnert sich noch heute an das "extreme Erlebnis" als eine "heftige Nummer", die ihn nachhaltig geprägt hat. Der Vorteil: Der jüngere Bruder Alexander profitiert heute von dieser Erfahrung und kann sich besser auf die aufgeladene Stimmung in Valencia vorbereiten. Einer war 2009 im Hexenkessel der Stierkampfarena dagegen völlig in seinem Element: Philipp Kohlschreiber. Der inzwischen 34-Jährige spielte damals den Davis Cup seines Lebens. Er liebte die feindselige Atmosphäre, sie stachelte ihn zu Höchstleistungen an. Zittern wird Kohlschreiber also sicher nicht vor den 10.000 spanischen Fans, die vor allem ihren "Rafa" siegen sehen wollen. Zuletzt plagten Kohlschreiber jedoch immer wieder Verletzungen, allein auf seinen Routinier kann sich Kohlmann also nicht verlassen bei der Punktejagd für das erste Halbfinale seit elf Jahren. Umso mehr muss er hoffen, dass Erholung und etwas Nestwärme Alexander Zverev rechtzeitig wieder in die Spur bringen.

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