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Sport - Den Fokus finden

Mindestens drei Monate muss der Bayern-Profi wegen einer Adduktorenverletzung pausieren. Die Verantwortlichen bei der Nationalmannschaft hoffen, dass er bis zur EM wieder fit ist.

Beitragslänge:
1 min
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Video verfügbar bis 24.01.2017, 19:22

Die EM-Kandidaten von Joachim Löw treffen sich in München. Der Bundestrainer will bis zum Start der EURO 2016 in Frankreich, dass bei der Nationalmannschaft wieder Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit in den Mittelpunkt rücken.

Der Termin im Hilton Hotel am Tucherpark in München ist nicht-öffentlich. Aber für Joachim Löw ungemein wichtig. Für diesen Montag (25.01.2016) bat der Bundestrainer schließlich in der bayrischen Landeshauptstadt zum Blitzbesuch, um sein Personal neben den angesetzten Pflichtterminen für die DFB-Sponsoren auf den Fahrplan bis zur EM 2016 (10. Juni – 10. Juli) einzustimmen. Dabei geht es Löw allerdings nicht nur um den zeitlichen Rahmen, sondern auch um die passende Haltung fürs nächste Turnier.

„Wir haben nur noch ein halbes Jahr, da müssen jetzt alle noch ein paar Prozent drauflegen“, erklärte der 55-Jährige am Rande des Bundesliga-Rückrundenauftakts Hamburger SV – FC Bayern (1:2). Der Ruhm der Weltmeisterschaft in Brasilien zählt nichts mehr, wenn sich im kommenden Sommer in zehn französischen Spielorten erstmals 24 Teams um den Europameistertitel streiten. „Wir haben zu lange gebraucht, um in Schwung zu kommen“, räumte der Bundestrainer rückblickend ein.

31 Spieler im erweiterten Kreis
Seine Forderung: „Ich sage auch, dass wir uns auf jeden Fall um einiges steigern müssen. Wir müssen schon ein bisschen die Schrauben anziehen.“ Die Nachlässigkeiten, die sich wie ein roter Faden durch die teils mühselige EM-Qualifikation zogen, hatte Löw im Nach-WM-Jahr 2015 beinahe großmütig geduldet, doch für den Rest der Saison sieht es anders aus. „Jetzt müssen wir aufpassen, dass wir im zweiten halben Jahr die richtige Konzentration für die Nationalmannschaft aufbringen.“

Holger Badstuber im DFB-Trikot
Holger Badstuber im DFB-Trikot Quelle: imago

Der DFB hat 31 Spieler gelistet, die vor allem wegen den Marketingaktivitäten zusammenkommen – der Kreis derer, mit denen Löw für die EM plant. Sein konsequenter Umgang mit der Causa Kevin Großkreutz, dem er wegen seiner ständigen Fehlzeiten bei Galatasaray Istanbul wenig professionelles Verhalten vorwarf und deshalb nicht berufen will, ließ bereits Rückschlüsse auf die Auswahlmethodik zu. Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit müssen zwangsläufig wieder an erster Stelle stehen.

Badstuber bleibt ein Kandidat

Auch bei den nächsten Testspielen am 26. März in Berlin gegen England und drei Tage später in München gegen Italien wird Löw ganz genau hinsehen. Gut möglich, dass dann bereits wieder Holger Badstuber eine Einladung erhält. Der von immensem Verletzungspech geplagte Innenverteidiger will Löw „nicht unter Druck setzen“, gleichwohl sei der 26-Jährige mit „seinem guten Stellungsspiel und seiner guten Spielauslösung“ immer ein Kandidat. Die Nominierung der 23 Akteure erfolgt dann am 31. Mai; zwei Tage nach dem Benefiz-Länderspiel in Augsburg.  Der finale EM-Test soll am 4. Juni in Gelsenkirchen gegen das erstmals qualifizierte Ungarn stattfinden.

Alternativen braucht der Bundestrainer in allen Mannschaftsteilen: Das ergibt sich allein aus dem erweiterten Teilnehmerfeld, das zu einem zusätzlichen Achtelfinale führt, für das sich die besten vier von sechs Gruppendritten qualifizieren. Will heißen: Die Vorrunde, in der Deutschland auf die Ukraine (12. Juni),  Polen (16. Juni) und Nordirland (21. Juni) trifft, ist deutlich entwertet. Der Fokus muss darauf liegen, die Kräfte ab der K.-o.-Runde zu bündeln.

Es gibt 17 neue Leitlinien

„Man muss sich fragen, welchen Sinn diese Aufstockung macht. Die Belastbarkeit der Spieler hat Grenzen“, sagte DFB-Sportdirektor Hansi Flick beim DFB-Wissenschaftskongress im kritischen Unterton. Der enge Löw-Vertraute glaubt, dass es bei der EM zuvorderst darauf ankomme, „Lösungsmöglichkeiten gegen kompakt verteidigende und defensiv stehende Gegner zu finden.“ Der Mut zur Individualität müsse noch stärker gefördert werden, da auf dem Platz immer weniger Zeit und Raum zur Verfügung steht. Das können die Nationalspieler auch in einer gesonderten Spieler-App erkennen, mit denen ihnen Datenmaterial und Videosequenzen übermittelt werden.

Interessant vor diesem Hintergrund, dass die sportliche Leitungsebene in der Verbandszentrale kürzlich eine „Spielauffassung“ (Flick) verabschiedet hat, die für alle Nationalmannschaften bis in den U-Bereichen bindend ist und nun auch in Schriftform besteht. „Wir wollen aktive, selbstbewusste Spieler, die noch mehr Eins-gegen-Eins-Situationen lösen können“, erklärte Flick, „diese Leitsätze haben wir heruntergebrochen und für unseren Weg als Leitplanken verabschiedet. Auf dieser Straße können sich die Spieler dann frei und kreativ bewegen.“ Insgesamt wären das 17 Leitlinien, die auch die A-Nationalmannschaft beträfen. Alles, damit der vierfache Weltmeister Deutschland ein Trendsetter im Weltfußball bleibt.

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