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Der Sigurdsson-Hype

Sport - Der Sigurdsson-Hype

Nationaltorwart Andreas Wolff outet sich als Angsthase. Die Furcht vor Gespenstern habe ihn einmal so weit getrieben, dass er Team-Kollege Jannik Kohlbacher bat, bei ihm im Gästezimmer zu übernachten.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.02.2017, 23:37

Eine Flut von Terminen absolvierte Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach dem EM-Titel. Ein Genuss ist das für den Isländer nicht. Er konzentriert sich vor den Spielen gegen Dänemark und Österreich (Sonntag, 15.30 Uhr, live im ZDF) lieber auf sein Kerngeschäft: das Coachen.

Es gab sie zwischendurch: Momente, in denen Dagur Sigurdsson zur Ruhe kam. Einen dieser Momente erlebte der Handball-Bundestrainer in seiner Heimatstadt Reykjavik, als er die DVD des historischen Sieges im EM-Endspiel gegen Spanien (24:17) einwarf und noch einmal mit seinen Eltern und Brüdern ansah. "Ganz entspannt mit isländischem Ton und genügend Getränken haben wir geschaut", hat Sigurdsson dem Berliner Kurier berichtet. "Da habe ich das Spiel und den Triumph erst genießen können. Beim Finale war ich ja viel zu sehr unter Hochspannung."

Unzählige Auftritte, noch mehr Termine

Aber diese ruhigen Minuten waren selten für den Isländer, der am 3. April, wenn sein Team in Gummersbach im Testspiel gegen Österreich antritt (15.30 Uhr, live im ZDF), seinen 43. Geburtstag feiert. Die Wochen nach dem EM-Titel erschienen Sigurdsson wie in einem Rausch, weil ein Termin denn nächsten jagte. "So viele Telefonate, so viele Interviews, so viele TV-Auftritte – ich kann das nicht mehr zählen", sagt Sigurdsson.

Da war ja nicht nur die Party in der Max-Schmeling-Halle, in der 8000 Fans den Europameister empfingen. Sigurdsson war auch zu Gast im "aktuellen sportstudio" des ZDF, bei stern.tv (RTL), er diskutierte beim Sport1-Stammtisch "Doppelpass", wo er lapidar mitteilte, dass er ja nur dasitze, "weil ich ein paar Spiele gewonnen habe". Er saß in einer Talkshow des Pay-TV-Senders Sky und erzählte, weshalb ihm Pep Guardiola gefalle. Auch beim ZDF-Morgenmagazin nahm er auf der Couch Platz.

Auf den Spuren von Heiner Brand

Hinzu kamen zahlreiche Radio- und Zeitungsinterviews, auch für die Medien seiner Heimat stand er zur Verfügung. Sigurdsson ist so neben Torwart Andreas Wolff in nur wenigen Wochen zum aktuell bekanntesten Gesicht des deutschen Handballs mutiert. Nie seit dem WM-Titel von 2007, den Trainer Heiner Brand personifizierte, war eine Handballfigur derart präsent wie Sigurdsson.

Dabei ist der frühere Regisseur (215 Länderspiele) kein "Mann des Smalltalks", wie er über sich selbst sagt. Die Medientermine finde er "nicht super", hat er dem Magazin "HANBDALL inside" gebeichtet. "Aber das gehört zu meinem Job. Da bin ich locker." Große Reden zu schwingen entspricht einfach nicht dem lakonischen Naturell des Isländers.

"Dagur ist kein Blender"

Sigurdsson sei jemand, "der lieber gar nichts sagt, als politisch korrekt zu sein", erklärt Wolfgang Gütschow, der den Bundestrainer schon als Handballprofi gemanagt hat. "Er hat den Durchblick, sowohl im Leben als auch im Sport", weiß er. "Vor allem lässt er seinen exponierten IQ nicht raushängen. In über 20 Jahren habe ich ihn noch nie schlecht über jemanden reden hören. Dagur ist kein Blender, er konzentriert sich immer auf das Wesentliche und redet nicht um den heißen Brei."

Sigurdsson selbst betont, dass er an seinem Alltag in Berlin nichts ändern wolle. Ja, er werde zwar häufiger auf der Straße erkannt. Aber er wolle weiterhin morgens die Brötchen beim Bäcker holen und die Termine in der Hauptstadt mit der S-Bahn absolvieren. Und natürlich sei er froh, dass er sich vor und während der Länderspiele gegen Dänemark in Köln (1. April) und gegen Österreich wieder seinem Kerngeschäft widmen kann.

Kein Ende des Rummels in Sicht

So zahlreich sind die Anfragen inzwischen, dass eine Agentur aus Hamburg sie vorsortieren muss. Große Nachfrage besteht nun auch bei Unternehmen, die von Sigurdsson wissen wollen, wie man ein Team so führt und organisiert, dass es, obwohl aus der Versenkung kommend, einen solch wundersamen Erfolg wie bei der EM in Polen feiern kann. Sieht nicht danach aus, dass es bald wieder ruhig um Sigurdsson werden wird.

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