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Marcel Hacker: Pause für die Psyche

Sport - Marcel Hacker: Pause für die Psyche

Dem Deutschland-Achter gelang am Beetzsee bei der Europameisterschaft ein gelungener Auftakt ins Olympia-Jahr. In Rio wird Gold anvisiert.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.05.2017, 08:24

Der ehemalige Einer-Weltmeister genießt das Rudern im Zweier und will im Kampf um die Olympianominierung mit seinem Partner Stephan Krüger am Wochenende beim Weltcup in Luzern (So., ab 10.15 Uhr im zdfsport.de-Livestream) die jungen Verfolger Lars Hartig und Tim-Ole Naske abschütteln.

Nicht mehr der schnellste deutsche Einer-Ruderer zu sein, hat auch seine Vorteile. "Alles ist ein bisschen relaxter, psychisch nicht so extrem." So sieht das Marcel Hacker, der deutlich länger als ein Jahrzehnt der unangefochtene und immer etwas unberechenbare Frontmann der deutschen Skuller war. Er lieferte geniale, aber auch völlig verkorkste Rennen ab und gab sich gern ein wenig schnodderig.

Inzwischen ist Hacker 39 Jahre alt und noch immer ein Bär von einem Ruderer. Doch im vergangenen Jahr hängte ihn der zwölf Jahre jüngere Stephan Krüger beim internen Kräftemessen des Deutschen Ruder-Verbandes (DRV) im Frühjahr ab – und seitdem ist alles anders.

Der Plan steht

Denn Krüger, seit 2009 erfolgreicher Zweier-Spezialist, wollte gar nicht von seinem Recht als Sieger gebrauch machen und in den Einer wechseln. Er holte sich lieber Hacker als mächtigen Antrieb in den Zweier. Und der ließ sich tatsächlich zähmen, tat sich doch so eine Möglichkeit für ihn auf, es nicht nur zum fünften Mal zu Olympischen Spielen zu schaffen, sondern wohlmöglich auch noch eine Medaille, vielleicht gar die goldene zu gewinnen.

Im vergangenen Jahr wurden Krüger und Hacker auf Anhieb Europameister und WM-Vierte, in diesem Jahr folgte Platz zwei bei der EM. Mit Blick auf Olympia sagt Marcel Hacker: "Wer bei den Medaillen mitmischen will, muss um Gold kämpfen. Dann ist alles möglich." Soweit also der Plan.

Duell alt gegen jung

Aber auch in diesem Frühjahr gab es ein internes Kräftemessen der deutschen Einer-Ruderer. Und da Hacker krankheitsbedingt nicht antreten konnte und sich direkt hinter dem zweitplatzierten Krüger mit dem 25 Jahre alten Lars Hartig ein Zweierfahrer einreihte, dessen Partner Tim-Ole Naske sich ebenfalls für das Finale qualifiziert hatte, dann aber verletzt passen musste, sind Krüger/Hacker plötzlich nicht mehr unbedingt die rechnerisch beste deutsche Zweierbesatzung. Deshalb müssen sie sich beim Ruderweltcup am Wochenende auf dem Rotsee in Luzern nicht nur der internationalen Konkurrenz stellen, sondern auch den jungen Teamkollegen.

Ein spektakuläres Duell? Ein forscher Angriff der Jugend auf die erfahrenen Altstars? Krüger war 2009 schon mal Weltmeister im Zweier. Hacker gewann 2000 in Sydney Bronze im Einer, wurde 2002 Weltmeister, 2003 und 2006 Zweiter und 2013 Dritter. Aber Marcus Schwarzrock, Cheftrainer der deutschen Ruderer, will das so nicht verstanden wissen. Dieses Duell sei "keine große Sache", sagt er. Lediglich "eine Chance, sich zu präsentieren" für die Youngster. Immerhin eine Chance, bei der es um die Olympiafahrkarte geht. Marcel Hacker sagt: "Da ist ein bisschen Stimmung drin, aber wir lassen uns nicht verrückt machen."

Standortbestimmung Luzern

Ansonsten sollen die deutschen Ruderer in Luzern überprüfen, wie sie gut zwei Monate vor dem Beginn der Olympischen Spiele im internationalen Vergleich dastehen. Zwei bis vier Medaillen, davon eine bis drei in Gold – so laute das Ziel für Rio, sagt Schwarzrock. Anders als noch vor vier Jahren wird der DRV aber nur in zehn der 14 olympischen Bootsklassen vertreten sein. Nicht dabei sind unter anderem beide Einer – das gab es seit 1952 nicht mehr.

Was sich tragisch anhört, nennt Schwarzrock Strategie. "Wenn wir in drei Bootsklassen Fünfter, Sechster und Vierter werden, nutzt uns das nichts", sagt der Cheftrainer. "Es wird nun mal nach Medaillen abgerechnet." International habe die Breite in der Leistungsspitze enorm zugenommen, dadurch sei es keiner Nation gelungen, sich in allen Bootsklassen für Rio zu qualifizieren. Die Briten kommen auf zwölf Boote, dann folgen Deutschland und Neuseeland mit jeweils zehn Fahrkarten.

Kein Wehmut bei Hacker

Und Marcel Hacker, die deutsche Einer-Legende - verspürt er Wehmut bei dem Gedanken, dass kein deutscher Einer in Rio starten wird? Er sagt: "Warum sollte ich? Ich sitze jetzt in einer anderen Bootsklasse, das haben andere zu verantworten." Seine von den vielen Jahren im Einer geschundene Psyche hat Pause. Nur sein Körper muss noch ackern. Im Gleichklang mit dem "Vorturner", wie Hacker seinen Zweierpartner und Schlagmann Krüger nennt.

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