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Der traurigste Tag des FC Barcelona

Vorgänge rund um das Unabhängigkeitsreferendum treffen den Klub ins Herz

Der Tag des Referendums in Katalonien ist ein schwieriger für den FC Barcelona: Spiel vor leeren Rängen, Rücktritt mehrerer Vereinsfunktionäre und ein weinender Gerard Piqué. Bei einer schmutzigen Trennung von Spanien droht Bedeutungsverlust.

Der FC Barcelona posiert im leeren Stadion vor dem Spiel gegen Las Palmas in Trikots mit den katalanischen Farben.
Der FC Barcelona posiert im leeren Stadion vor dem Spiel gegen Las Palmas in Trikots mit den katalanischen Farben. Quelle: imago

Sergio Busquets wechselte für das Interview extra sein Trikot und streifte sich das mit den rot-gelben Längsstreifen Kataloniens über. Solidarität mit seinem Land, das viele als Nation bezeichnen, andere jedoch nur als Region, und das wegen dieser Differenzen einen schwarzen Sonntag erlebte. Hunderte Verletzte durch Polizeigewalt während eines verbotenen Unabhängigkeitsreferendums an den Schulen Kataloniens sorgten auch für die Frage: Kann man an so einem Tag Fußball spielen?

Man sollte, befand der spanische Verband, und lehnte Barças Antrag auf eine Verlegung der Partie gegen Las Palmas ab. Aus Protest gegen die Entscheidung ließ der Klub dann die Stadiontore zu. „Wir sind besorgt und in tiefer Trauer“, erklärte Präsident Bartomeu, „das soll die Welt sehen." Spiel vor leeren Rängen. „Es war nicht angenehm“, sagte Busquets zurückhaltend, aber seine Stimme verriet Erregung.

Teile der Klubführung forderten Boykott

Die hatten auch Vizepräsident Carles Vilarrubí und zwei weitere Führungskräfte verspürt und waren nach der entscheidenden Präsidiumssitzung kurzerhand von ihren Ämtern zurückgetreten – aus Empörung darüber, dass Barça nicht ohne Rücksicht auf die Konsequenzen (also Punktabzug) das Spiel ganz boykottierte. Auch im Team gab es Stimmen, denen das am liebsten gewesen wäre, darunter jene von Gerard Piqué.

„Die schlimmste Erfahrung meines Lebens“ nannte der die Prügelorgien gegen unbewaffnete Bürger, die in den Schulen abstimmen wollten. Als er über seine Landesleute sprach, brach der sonst so coole Verteidiger in Tränen aus. „Ich bin Katalane und fühle mich als Katalane. Heute bin ich stolzer denn je auf die Menschen hier ...“

„Wenn ich ein Problem bin, verlasse ich die Nationalelf“

Schluchzend leitete er auf das Thema Nationalelf über: „Von mir aus kann ich weiter für sie spielen, weil ich glaube, dass in Spanien viele Leute überhaupt nicht einverstanden sind mit dem, was heute passiert ist. Aber wenn mich der Trainer oder jemand in der Verbandsführung für ein Problem hält, dann trete ich eben zur Seite.“

Am heutigen Montag trifft sich die Auswahl von Julen Lopetegui, am Freitag geht es in Alicante gegen Albanien. Seit Jahren wird Piqué bei Heimspielen ausgepfiffen, weil er den Leuten nicht spanisch genug vorkommt. Zermürbt von den Anfeindungen hat er seinen Rücktritt für die Zeit nach der WM 2018 bereits eingereicht.

Puyol, Xavi und Guardiola pro Referendum

Nun stimmte er ebenso wie sein ehemaliger Abwehrpartner und Ex-Barça-Kapitän Carles Puyol in dem von der spanischen Zentralregierung wüst bekämpften Referendum ab. Xavi Hernández, katalanischer Spielmacher von Spaniens goldenen Zeiten, erklärte sich aus seinem derzeitigen Arbeitsort Katar ebenso solidarisch wie der ehemalige Barça- und Bayerntrainer Pep Guardiola aus Manchester. Über das Verhalten anderer aktueller spanischer Nationalspieler aus Katalonien wie Busquets, Jordi Alba oder Borussia Dortmunds Marc Bartra ist nichts bekannt.

Am späten Sonntagabend erklärte Kataloniens Präsident Carles Puigdemont, die Bevölkerung habe sich das Recht auf einen eigenen Staat erstritten. Kommt es wirklich zur Abspaltung, warten auf Barça noch viele komplizierte Sitzungen. Schwierige Gesetzeslage Spaniens Ligachef Javier Tebas hat oft betont, dass nur eine Änderung des spanischen Sportgesetzes einen Verbleib von Klubs aus einem unabhängigen Katalonien ermöglichen würde. Bei einer schmutzigen Scheidung wäre so ein Entgegenkommen aber kaum wahrscheinlich. Dann würde sich der fünffache Champions-League-Sieger in einem kleinen Championat mit Klubs wie Lokalrivale Espanyol, Girona, Tarragona oder Reus wiederfinden; und wäre international wohl bald nicht mehr konkurrenzfähig.

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