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Deutsche Chaoten in Prag "eine Katastrophe"

WM-Qualifikation: Tschechien - Deutschland

Fußballerisch sind viele Wünsche offengeblieben, als die deutsche Nationalmannschaft mit dem 2:1-Arbeitssieg in Tschechien die weiße Weste in der WM-Qualifikation wahrte. Doch der Aufreger in Prag war ein ganz anderer: Deutsche Chaoten sorgten für mächtig Ärger im DFB-Team.

Deutsche Fans im Prager Eden-Stadion
Deutsche Fans im Prager Eden-Stadion

Mats Hummels, der in der 88. Minute nach einem Freistoß von Toni Kroos das Siegtor geköpft hatte, verspürte hinterher in den Katakomben der Eden-Arena so gar keine Lust, über die sportlichen Geschehnisse zu sprechen.

Sieg-Heil-Rufe

Deutlich kritisierte er als einer der Wortführer im deutschen Team das Verhalten deutscher Zuschauer. "So einen Schmarrn brauchen wir auf gar keinen Fall bei unseren Spielen. Das sind keine Fans, das sind Krawallmacher, Hooligans, die haben nichts mit Fußballfans zu tun."

Offenbar hatten die Protagonisten auf dem Rasen viel besser als die 18.100 Zuschauer auf den Rängen mitbekommen, dass aus einer Gruppe von rund 200 Anhängern eben nicht nur die obligatorischen Schmähungen gerufen wurden, sondern auch Sieg-Heil-Rufe erklangen.

Keine Grüße an die Fans

Ganz bewusst gingen die deutschen Akteure denn auch nicht zur deutschen Ecke, wofür es nach Spielschluss dann wieder die nächsten Beschimpfungen setzte. "Egal, was man macht - es ist falsch", sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Hummels redete Klartext: "Eine Katastrophe, ganz schlimm."

Möglicherweise handelte es sich um gewaltbereite Wirrköpfe aus Dresden - jedenfalls deutete Timo Werner an, diese Klientel käme wohl aus einer Stadt, die "nicht so weit entfernt" liege. Diese Gruppe, die sich direkt neben dem für Auswärtsfans vorgesehenen Block positionierte, hatte die Eintrittskarten laut Bierhoff nicht über den DFB erhalten: "Einen Fanblock haben wir geordert, beim anderen lief der Ticketverkauf nicht über uns." So konnten Problemfans ins Stadion gelangen, die schon rein optisch dem rechten Spektrum zuzuordnen waren.

Schweigeminute gestört

Die Störer waren schon vor dem Anpfiff kaum zu überhören gewesen. Sie brüllten ihre Parolen in beide Nationalhymnen hinein, während der Schweigeminute für zwei verstorbene tschechische Fußballfunktionäre pöbelten sie.

"Die Leute, die rufen, dass gewisse andere Institutionen den Fußball kaputt machen, machen ihn selber kaputt. Deswegen müssen wir schauen, dass man die aus dem Fußball rauskriegt", erklärte Hummels. Auch Julian Brandt wollte sich klar abgrenzen: "Wenn Gesänge mit nationalsozialistischem Hintergrund erklingen, dann gibt es keinen Hintergrund, dass wir das noch unterstützen, indem wir da hingehen."

DFB-Präsident lobt die Spieler

Es gab andere Zeiten in der Länderspielhistorie, da umschifften Nationalspieler diese Themen lieber - insofern sprachen solche Stellungnahmen für einen Reifeprozess innerhalb der DFB-Elf.

DFB-Präsident Reinhard Grindel lobte denn auch das "feine Gespür, das die Mannschaft gestern Abend bewies". Die Spieler hätten sich "eindeutig vom Verhalten eines Teils der deutschen Zuschauer in Prag distanziert, indem sie nach Abpfiff nicht mehr wie sonst üblich in die Kurve gegangen ist, um sich für die Unterstützung zu bedanken", erklärte Grindel am Samstag.

Löw kündigt Veränderungen an

Sportliche Fortschritte forderte Bundestrainer Joachim Löw, der am Freitagabend erklärte, er habe von den ganzen Vorfällen nichts mitbekommen. Für das nächste WM-Qualifikationsspiel am Montag gegen Norwegen werde er die Mannschaft auf jeden Fall verändern ("es gibt den ein oder anderen Wechsel"), von seinen Offensiv-Experimenten will er aber nicht abrücken.

"Der Schlüssel für uns in der Qualifikation ist in den meisten Fällen: Wie spielen wir nach vorne, wie konsequent sind wir, was machen wir für Laufwege", sagte Löw, der in taktischer Hinsicht einen Crashkurs fährt, wenn es dem fußballerischen Fortkommen dient.

Zwei Zehner

Diesmal stellte der Bundestrainer hinter den beim Confed-Cup erprobten Doppelsturm mit Werner und Lars Stindl noch zwei Zehner (Mesut Özil und Thomas Müller) auf, um die Offensive anzukurbeln. Dumm nur: Zahlenmäßig war das offensive Zentrum zu gut besucht und die defensive Zentrale zu schlecht besetzt.

Oftmals sah sich Toni Kroos bei den vielen Ballverlusten einer Übermacht des konternden Gegners ausgesetzt. Gegen ein stärkeres Kaliber als Tschechien hätte das in einer Blamage enden können. Doch vom System ohne Netz und doppelten Boden mag der Offensivliebhaber Löw nicht lassen.

"Ich weiß nicht, ob man gegen Norwegen die Doppelsechs unbedingt braucht. Gegen so eine defensive Mannschaft kommt man dann weniger vorwärts." Hörte sich an, als lasse sich Löw in Stuttgart erneut  auf solch ein "wildes Spiel" wie in Prag ein, wie es Hummels beschrieb, und das ihm aber aus ganz anderen Gründen als "Quali-Spiel der schlechteren Sorte" in Erinnerung bleiben wird.

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