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DHB-Team im Finale: "Man muss sich kneifen lassen"

Sport - DHB-Team im Finale: "Man muss sich kneifen lassen"

Das DHB-Team besiegt im EM-Halbfinale Norwegen in einem engen Spiel.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.01.2017, 22:59

Die Nachrücker Kai Häfner und Julius Kühn waren die Helden im Halbfinalthriller gegen Norwegen (34:33 nach Verlängerung). Im Finale der 12. Handball-EM trifft das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson auf Spanien (Sonntag, 17.30 Uhr/ARD).

Als alles besprochen werden sollte, der dritte Einzug in ein EM-Finale nach 2002 und 2004, war der Held verschwunden. Kai Häfner, 26, Profi der Recken Hannover, war nach dem Halbfinal-Thriller gegen Norwegen (34:33 nach Verlängerung) zur Dopingprobe ausgelost worden, wie auch der Wetzlarer Jannik Kohlbacher, der es mit Humor nahm („Ich bin für den Recall nominiert worden“).
 

Häfner hatte in der riesigen Tauron Arena von Krakau also Zeit, zur Ruhe zu kommen. Doch auch nach der Dopingprobe konnte der Linkshänder die entscheidenden Momente nur stammelnd referieren. „Fünf Sekunden vor Schluss hatte ich den Ball in der Hand, da hab‘ ich gedacht, ich muss das Tor machen“, erzählte Häfner. Was nach Schlusspfiff passierte, dafür gebe es keine Worte. „Dafür gibt es keinen Ausdruck, es war einfach nur schön. Dafür trainiert man jeden Tag, es ist irgendwie ein großer Traum, man muss sich kneifen lassen.“

Nachrücker mit 10 Treffern

Wohl wahr. Wer vorausgesagt hätte, dass dieser Kindergarten-Kader, mit dem die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) in die EM gestartet war, tatsächlich in ein Finale gegen Spanien einziehen würde – er wäre verspottet worden. Schließlich fehlten vier wichtige Profis, und vor dem entscheidenden Hauptrundenspiel gegen Dänemark (25:23) mit Steffen Weinhold und Christian Dissinger (Kiel) zwei weitere.
 
Und dann reisen zwei Nachrücker an, die in einem EM-Halbfinale zu entscheidenden Akteuren avancieren: Neben Häfner auch Julius Kühn vom VfL Gummersbach, der mit sehr rustikalen Mitteln und brachialen Rückraumwürfen den Ball in der zweiten Halbzeit fünfmal in die Maschen drosch. Zusammen kamen beide Novizen, die wie 14 weitere deutsche Handballer in Polen ihr EM-Debüt feierten, gegen Norwegen auf zehn Treffer.

Probleme im Rückraum

„Heute hat man wieder gesehen, dass jeder einzelne Spieler wichtig ist“, sagte Rechtsaußen Tobias Reichmann, der einzige Legionär des deutschen Teams (er spielt in Kielce), der zehn Tore aus zehn Versuchen erzielt hatte. „Es war ein Beleg dafür, dass wir nur als Einheit funktionieren“, sagte der 27-jährige. „Ich freue ich, dass wir auf dieser Basis am Sonntag weiter Geschichte schreiben können.“

Das Bemerkenswerte an diesem Sieg war, dass die deutsche Mannschaft ihr hohes Niveau der letzten Spiele nicht ganz hatte abrufen können, jedenfalls hatte der deutsche Rückraum um Regisseur Martin Strobel (Balingen) und Steffen Fäth (Wetzlar) enorme Probleme mit der Defensive der Skandinavier. Aber sie kämpften sich dann mit großer Moral durch die vielen spielerischen Krisen, die sie in den dramatischen 70 Minuten von Krakau durchlitten.

Als Außenseiter gegen Spanien

„Das war ein sehr, sehr schwerer Test für uns“, rekapitulierte Bundestrainer Dagur Sigurdsson diese große mentale Herausforderung. „Norwegen war ein starker Gegner. Ich bin unglaublich stolz, dass wir dieses Finale erreicht haben.“ Warum die Unbeschwertheit und Lockerheit in diesem Halbfinale ein bisschen gefehlt habe? Das habe vielleicht mit der Tatsache zu tun, dass einige Spieler vielleicht realisierten, dass bei diesem Turnier Großes passiere, spekulierte Sigurdsson. Dass sie langsam aufwachen aus diesem Traum.
 
Andererseits, so Sigurdsson, sei die Ausgangslage als Außenseiter gegen die Spanier äußerst komfortabel. Verlor seine Team gegen die Iberer doch das EM-Auftaktspiel in Breslau recht deutlich mit 29:32-Toren. Aber die Frage, ob sein Team nun nichts mehr zu verlieren habe, da EM-Silber und die WM-Qualifikation für 2017 sicher sei, die verstand der 42-jährige nicht: „Wir können noch alles verlieren! Das ist ein Finale!“

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