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Mark Nzeocha - der "Acht- bis Zehn-Sekunden-Athlet"

Deutsche im US-Sport | American Football

Der Vater und Freunde von Mark Nzeocha wollten einst, dass er Fußball spielt. Doch der Aschaffenburger hatte andere Pläne - und probierte es mit American Football. Nun ist er der derzeit einzige aktive Deutsche in der NFL.

18. August 2018: Mark Nzeocha (San Francisco 49ers) im Spiel der NFL gegen Houston Texans
Mark Nzeocha (San Francisco 49ers)
Quelle: imago images / ZUMA Press

Wenn Mark Nzeocha seinem Job in der National Football League nachgeht und auf sein Arbeitsumfeld schaut, gleicht das mitunter dem Blick auf eine entgegenkommende Büffelherde. Der gebürtige Ansbacher spielt bei den San Francisco 49ers im Special Team. Die Aufgabe dieser Einheit ist es, der eigenen Offensive oder Defensive eine möglichst gute Position auf dem Feld zu erkämpfen.

Harter Kampf ums Ei

Für Außenstehende mag es wie ein wildes Umherrennen von 22 Kraft-Klotzen aussehen, wenn der Punter den Football tief in die gegnerische Hälfte drischt - und dann der Punt-Returner der anderen Mannschaft bestrebt ist, das Ei möglichst weit zurückzutragen.

Dabei versuchen seine zehn Mitspieler, ihm den Laufweg frei zusperren - während die Akteure des anderen Teams alles unternehmen, um zum Punt-Returner vorzudringen und ihn zu Boden zu reißen. “Da geht’s schon zur Sache, das ist ein körperbetontes Spiel”, sagt Nzeocha im Gespräch mit zdfsport.de.

Den Laufweg lesen

Er bezeichnet sich als "Acht- bis Zehn-Sekunden-Athlet". Doch seine Rolle ist weitaus kompakter als nur auf den Gegner zuzurennen und ihn irgendwie zu stoppen. Zwar habe "jeder so seine Linie, auf der er spielen muss", erklärt Nzeocha. Aber es komme eben auch darauf an, den Laufweg des ballführenden Spielers zu lesen.

"Wenn beispielsweise ein Vorblocker auf dich zukommt, musst du wissen, wo deine Mitspieler sind, damit du den Vorblocker so blocken kannst, dass der gegnerische Returner dann in die Richtung deiner Teamkollegen läuft", so Nzeocha.

Einen ganz großen Augenblick hatte der aktuell einzige aktive deutsche NFL-Profi (Jakob Johnson und Equanimeous St. Brown sind verletzt) im ersten Saisonspiel gegen die Tampa Bay Buccaneers, als er zunächst einen Pass des gegnerischen Quarterbacks abfing und später einen Punt blockte.

Kein großer Freund des runden Leders

Dass Nzeocha heute in der NFL spielt, hat womöglich ein wenig mit seiner Sturheit als Jugendlicher zu tun. Vater Chris kam einst aus Nigeria nach Deutschland - und brachte seine Liebe für Fußball mit. Auch Marks Freunde waren große Fans des runden Leders. Er hingegen hatte andere Pläne. "Ich wollte Rebell sein, was anderes ausprobieren."

So stand er als 13-Jähriger eines Tages in Rothenburg ob der Tauber bei den Franken Knights auf dem Football-Feld. Nzeocha lernte nicht nur dort sich durchzusetzen, sondern auch daheim. Und das war womöglich sogar noch etwas schwerer als im Verein.

Er ist einer von vier Jungs. Und bei Steve, Paul, Eric und Mark Nzeocha gab es vor allem einen Sport: American Football. "Im Garten ging’s richtig zur Sache. Ohne Schulterpolster, Voll-Tackle, einfach alles", erinnert sich Mark und lacht. Er war nicht das einzige Football-Talent der Familie. Auch sein jüngster Bruder Eric schaffte es in die NFL, war in Tampa Bay aber nicht über den Trainings-Kader hinausgekommen.

Kurze Karrieren

Die durchschnittliche Karriere eines NFL-Profis dauert nach Angaben der Spielergewerkschaft NFLPA 3,3 Jahre. Nzeocha spielt schon seine fünfte Saison. Während der Linebacker in seinen zwei Jahren bei den Dallas Cowboys - auch aufgrund einer Knieverletzung - nie richtig in Tritt kam und nur sieben Partien absolvierte, hat der 1,90 Meter große und 108 Kilo schwere Bayer seit seinem Wechsel zu den San Francisco 49ers im September 2017 nur drei Begegnungen verpasst.

Und trotzdem ist es für den 29-Jährigen immer noch etwas Spezielles, sonntags vor bis zu 100.000 Menschen in Amerikas Arenen zu laufen und seiner Arbeit nachzugehen. "Wenn ich vor jedem Spiel an der Außenlinie stehe, die Nationalhymne höre und mich im Stadion umschaue, habe ich jedes Mal Schmetterlinge im Bauch", sagt Nzeocha.

Die Playoffs erreicht

Im Gegensatz zu den Vorjahren wird er die Nationalhymne in dieser Saison mindestens einmal mehr hören. Die 49ers haben erstmals seit dem verlorenen Super Bowl 2013 wieder die Playoffs erreicht. Und sie zählen mit zu den Titelfavoriten. Doch Nzeocha schaut noch nicht auf einen möglichen Super Bowl am 2. Februar in Miami. Dazu, sagt er, sei der Weg noch viel zu weit.

Erstmal geht es für ihn und die Goldhosen darum, sich mit einem Sieg im letzten Hauptrundenspiel am Sonntagabend (Montag, 2.20 Uhr MEZ) bei den Seattle Seahawks eine gute Ausgangsposition für die eine Woche später beginnende K.o.-Runde zu sichern.

25 Millionen TV-Zuschauer

Da es für beide Teams noch um viel geht, hat die NFL die Partie zu ihrem Vorzeigespiel gemacht, dem "Sunday Night Game". Während am Nachmittag mehrere Spiele gleichzeitig stattfinden, gibt es am Abend nur diese eine Begegnung zwischen Seattle und San Francisco. Bis zu 25 Millionen Zuschauer werden einschalten.

Deutsche Super-Bowl-Sieger

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