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Paralympics: Hoffen auf ein großes Fest

Sport - Paralympics: Hoffen auf ein großes Fest

"Es wird in Rio sicherlich für uns Athleten nicht so komfortabel wie in London, aber die Vorfreude auf die Spiele ist groß", so Jochen Wollmert, Paralympics-Athlet im Tischtennis.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.08.2017, 08:00

155 deutsche Paralympics-Starter machen sich am Mittwoch auf den Weg nach Brasilien – ohne Medaillenvorgaben, aber mit dem festen Willen, trotz der Negativ-Meldungen aus Rio mit ihren Leistungen zu einem Sportfest beizutragen. Der Chef de Mission hofft, damit auch das Publikum anzustecken.

Wenn die deutsche Mannschaft für die Paralympics (7. - 18. September) am Frankfurter Flughafen von Bundespräsident Joachim Gauck nach Rio de Janeiro verabschiedet wird, ist neben Vorfreude auch ein wenig Skepsis im Gepäck. Die Nachrichten vom Zuckerhut verheißen kein ungetrübtes Vergnügen.

Fahrer gesucht!

DBS-Präsident Julius Beucher (li.) und Klaus Quade, Chef de Mission
DBS-Präsident Julius Beucher (li.) und Klaus Quade, Chef de Mission Quelle: dpa

„Die Rahmenbedingungen werden sicher nicht einfacher werden als bei den Olympischen Spielen, aber das sehen wir als Herausforderung, mit der wir zurechtkommen müssen“, sagte der Chef de Mission, Karl Quade, vor dem Abflug gegenüber zdfsport.de.

Wegen massiver Finanzprobleme sind kurz vor der Eröffnung Einsparungen bei Personal, Transport und den Freiwilligen verkündet worden, die von den Teamleitungen viel Improvisationsgeschick verlangen. „Wir suchen gerade Fahrer für unsere Autos und andere Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen. Wir hoffen auch, dass wir noch ein paar Volonteers haben“, meinte Organisationsprofi Quade, der schon zum elften Mal die deutsche Paralympics-Mannschaft anführt.

Zielstrebig und vielfältig

Wesentlich erfreulicher sind die Aussichten beim Blick auf die deutsche Mannschaft, die nach dem Ausschluss des russischen Teams auf 155 Sportler vergrößert wurde. Damit ist das Team noch größer als in London vor vier Jahren (151) und stellt Athleten in 17 der 22 paralympischen Sportarten.

„Es ist eine sehr zielstrebige Truppe mit vielfältigen Charakteren. Da sind Alphatiere dabei und andere, die nicht so im Vordergrund stehen“, so Quade. „Die Rahmenbedingungen sind natürlich andere als bei Einzelveranstaltungen, deshalb wird es unsere Aufgabe sein, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass alle auf den Sport fokussiert sind und sich nicht ablenken lassen.“

Topleistung ohne Medaillenkorridor

Markus Rehm nimmt Prothese ab
Markus Rehm Quelle: dpa

Zu den bekanntesten Namen in der Mannschaft zählen Weitspringer Markus Rehm und Leichtathletin Marianne Buggenhagen, die seit den Spielen in Atlanta 1992 zehn Goldmedaillen und jede Menge weitere Auszeichnungen in unterschiedlichen Disziplinen errungen hat.

Im Unterschied zu den Olympischen Spielen wird die deutsche Mannschaft nicht mit einer Medaillenvorgabe nach Rio geschickt. „Wir fahren zu einer Spitzensportveranstaltung, da sollen Topleistungen abgeliefert werden“, sagt Quade. „Es gibt aber keinen Medaillenkorridor - für uns ist das Ziel, dass die Sportlerinnen und Sportler im Rahmen ihrer Bestleistungen agieren. Wenn sie das schaffen, ist das völlig in Ordnung, egal welcher Platzt dann dabei herauskommt.“

London hat vorgelegt

Da 75 Prozent aller Entscheidungen bei der Leichtathletik, beim Schwimmen und beim Radsport fallen, haben die Leistungen in diesen Kerndisziplinen einen großen Einfluss auf das Gesamtergebnis. „ Wir haben aber das Glück, dass wir sehr breit aufgestellt sind und in fast allen Sportarten mit guten Chancen nach Rio fahren“, sagt Quade. Dazu zählt auch das Parakanu, das erstmals bei den Paralympics vertreten ist. Hier hat Edina Müller gute Aussichten, die in London bereits die Goldmedaille im Rollstuhlbasketball gewann.

Von der Atmosphäre in London schwärmt Kanutin Müller immer noch: „Wir Athleten haben uns sehr willkommen gefühlt. Die Sportbegeisterung der Leute hat sich genauso auf die Paralympics übertragen. Was die Gleichbehandlung mit den Olympischen Spielen angeht, hat London vorgelegt.“

Hoffnung auf tolles Fest

Nach den Erfahrungen bei den Olympischen Spielen wird Rio es wahrscheinlich schwer haben, an dieses London-Feeling, das viele Sportler und Disziplinen nachhaltig beflügelt hat, anzuknüpfen. Karl Quade bleibt trotzdem optimistisch, zumal der Kartenverkauf angezogen hat.

„Ich hoffe, dass wir eine schöne Eröffnungsfeier haben und diese Stimmung dann in die nächsten Wettkampftage mit hinübergenommen werden kann“, sagte der Teamchef. „Und ich hoffe auch immer noch darauf, dass die Bevölkerung mehr positive Stimmung in die Stadien bringt, als sie das bei den Olympischen Spielen gemacht hat und dass es trotz der vermeintlich kritischen Rahmenbedingungen ein tolles Fest wird.“

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