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Prächtige Perspektiven

Sport - Prächtige Perspektiven

Die Belastung für Profi-Fußballer ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, das Verletzungsrisiko größer geworden. Eine Entzerrung des Spielplans ist derzeit nicht in Sicht - im Gegenteil.

Beitragslänge:
6 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.12.2016, 17:10

Die deutsche Nationalmannschaft setzt die Vorgaben von Joachim Löw schneller um als gedacht. Im ersten WM-Qualifikationsspiel gelingt in Norwegen ein 3:0, und der Bundestrainer wirkt endlich wieder zufrieden.

Auch am Morgen danach ist die Großwetterlage über Oslo stabil gewesen. Mit strahlendem Sonnenschein wartet die ebenso verzückende Kapitale zwischen Fjord und Fjell auf, die nicht nur deutsche Anhänger in bester Erinnerung behalten werden die nebenbei noch das touristische Vollprogramm mit Besuch an der Holmenkollen-Schanze oder Streifzug durch den Vigelandspark absolvierten.

Wie Popstars

Als die deutschen Fußballer nach der erfolgreich erledigten Pflichtaufgabe – einem ungefährdeten 3:0 (2:0) zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen Norwegen - kurz vor Mitternacht aus dem Ullevaal-Stadion kamen, mussten sie sich wie Popstars fühlen, so laut kreischten die am Absperrgitter drängelnden Kids, nur um vielleicht ein Autogramm oder ein Selfie zu erhaschen.

So oft macht ein Weltmeister eben nicht Station in Norwegen, wo die deutsche Nationalmannschaft das erste Signal auf dem Weg zur WM 2018 in Russland gesetzt hat. „Die Mannschaft wollte, ich wollte – das war doch ein guter Auftritt“, befand Doppeltorschütze Thomas Müller mit einem schelmischen Grinsen, der zugleich versicherte: „Wir sind jetzt keine Lobhudler, die uns jetzt nur noch auf die Schultern klopfen.“

Müller trifft wieder

Doch allein sein zielgerichteter Auftritt mit dem wegweisenden 1:0 (15.) und dem späteren 3:0 (60.) wirkte wie das Kontrastprogramm zur teils zu komplizierte (Müller-)Spielweise während der Euro. „Da hatte er das Pech an den Füßen. Und dann hat er gegen Italien einen Elfmeter verschossen. Das hat schon an ihm genagt. Dieses Spiel hat ihn erleichtert“, meinte Joachim Löw. „Es ist ja wieder WM-Zeit, WM-Qualifikation. Da trifft er sowieso regelmäßig“, fügte der Bundestrainer grinsend an.

Seit Oktober 2015 hatte der 26-Jährige eine ungewöhnliche Torflaute bei der Nationalmannschaft beklagt und war ausgerechnet bei der EM in ein Formloch gefallen. „Du kannst dich vorbereiten, du kannst dranbleiben, manchmal hat man Glück und trifft eine richtige Entscheidung“, erklärte Müller. Er habe nie an seiner grundsätzlichen Qualität im Abschluss gezweifelt, berichtete der Bayern-Star noch, der nur beim Abgang beinahe in den falschen Bus gestiegen wäre. Es blieb sein einziger Fauxpas an diesem Spätsommerabend in Oslo: Das Münchner Unikum ging aus der einseitigen Begegnung als Musterschüler hervor, der die eingeforderten Abschlussqualitäten unter Beweis stellte. „Die Effizienz und Konsequenz hat gestimmt. Wir waren im Strafraum immer präsent, hatten immer drei Spieler, die den Abschluss wollten“, befand der Bundestrainer, der daraus „die Themen für die nächsten zwei Jahre“ ausmacht.

Tor-Premiere für Kimmich

Joshua Kimmich
Joshua Kimmich

Letztlich ist auch beim 56-Jährigen angekommen, dass es wie bisweilen bei der EM-Endrunde in Frankreich wenig bringt, wenn der Ball zwar unendlich zirkuliert, aber die Gier und das Durchsetzungsvermögen zum Torerfolg fehlt. Insofern schien Löws Botschaft angekommen, weil Mesut Özil oder Toni Kroos häufiger in die Schnittstellen passten, auch wenn gerade Mario Götze mit den Bällen nicht immer viel anzufangen wusste.

Aber die Entschlossenheit, mit der Joshua Kimmich beim 2:0 (45.) seine Torpremiere im DFB-Dress feierte, übertünchte auch dies. „Die Mannschaft hat das souverän gestaltet. Wir hatten eine gute Raumaufteilung und Zug zum Tor“, sagte Löw, „es war klar, dass wir das Tempo nicht bis zum Schluss hoch halten können.“

Aber vielleicht ganz gut, dass es noch Steigerungsmöglichkeiten gibt. In den Heimspielen gegen Tschechien (8. Oktober) in Hamburg und Nordirland in Hannover (11. Oktober) könnte die deutsche Nationalelf mehr gefordert werden. „Tschechien hat die besseren Fußballer und mehr Erfahrung, das wird der hartnäckigste Gegner“, glaubt Löw. Doch bei der Nullnummer gegen die Nordiren verbreitete auch der EM-Teilnehmer nicht viel Furcht. Alles spricht dafür, dass Deutschland recht frühzeitig seine Russland-Reise für die Mission-Titelverteidigung planen kann, sollte in einem Monat der norddeutsche Heimspiel-Doppelpack siegreich enden.

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