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Amateure im Abseits

DFB-Amateurkongress in Kassel

Wenn der Deutsche Fußballbund (DFB) seine Basis zum dritten Amateurkongress nach Kassel einlädt, geht es auch um das Vereinsleben der Zukunft. Vom alten, auf Gemeinsamkeit basierenden Verein, haben sich viele Mitglieder entfernt.

DFB-Logo an der DFB-Zentrale
Es geht um die Basis beim DFB-Amateurkongress in Kassel.
Quelle: Arne Dedert / dpa

Wer etwas über das Kräfteverhältnis zwischen Profi- und Amateursport im deutschen Fußball erfahren will, sollte sich die Schlagzeilen vor dem heute in Kassel beginnenden 3. Amateurkongress des DFB angucken. "Jogi Löw kommt eigens für Kongress der Amateurfußballer nach Kassel", titelt etwa die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine", als sei es eine besondere Ehre für den Kongress, den Bundestrainer zu empfangen - und nicht umgekehrt.

Aufgaben wachsen - Engagement sinkt

Im Schatten der Diskussionen um die Nationalmannschaft und der als mangelhaft erkannten Nachwuchsarbeit, hat der Amateurfußball Probleme angehäuft, die tief in die Gesellschaft hineinwirken. Die Zahl der aktiven Fußballer im Kinder- und Jugendbereich geht seit Jahren zurück. Gleichzeitig wird es für die Vereine immer schwerer, qualifizierte, ehrenamtliche Jugendleiter sowie Schiedsrichter zu gewinnen.

Heute wird der Verein hauptsächlich als Dienstleister betrachtet.
Peter Warnecke, Vorsitzender Bremer Sportverein

Im gleichen Maße wie das Engagement sinkt, wachsen die sozialpolitischen Aufgabenstellungen, besonders beim Thema Integration. "Das traditionelle Vereinsdenken war davon geprägt, dass Ältere sich um Jüngere kümmern und alle zusammen das Verständnis haben, an einer gemeinsamen Sache zu arbeiten", sagt Peter Warnecke, der seit fünfzehn Jahren als Vorsitzender den Bremer Sportverein (BSV) leitet, gegenüber zdfsport.de. "Das geht genauso verloren wie gegenseitiger Respekt und gemeinsame Verantwortung. Heute wird der Verein hauptsächlich als Dienstleister betrachtet."

Vielfältige Gründe

Wie sehr das Vereinsleben immer noch von Engagement und Identifikation abhängig ist, schildert Warnecke anhand von zwei Beispielen. "Es kommt zum Beispiel kaum jemanden mehr in den Sinn, auch mal durch die Kabine zu wischen, bevor die bezahlte Reinigungskraft kommt. Als Verein sind wir aber neben den Mitgliedsbeiträgen auf die gemeinsame Arbeit an der Pflege unserer Anlagen angewiesen." Außerdem sei es außerordentlich schwer, an den Wochenenden Fahrdienste zu organisieren, wenn das Engagement der Eltern fehle.

Die Gründe für das Zerbröckeln herkömmlicher Vereinsstrukturen sind vielfältig. Ein Grund hängt laut Warnecke damit zusammen, dass die meisten Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die heute den Großteil der Jugendmannschaften bilden "das Vereinsleben nicht von früh auf kennen" würden und daher nicht gelernt hätten "was ein Verein bedeutet."

Finanzierung im Fokus

Außerdem nähme die Bedeutung von Ehrenamtlichkeit insgesamt ab und es gäbe heute zahlreiche Alternativ-Angebote zum Vereinsleben. Zusätzlich erschwerten die Ganztagsschulen die Vereinsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, da sie einen Großteil der früheren Freizeit in Beschlag nähmen.

Auf dem Amateurkongress sollte es um die Finanzierung des Amateurfußballs gehen.
Peter Warnecke, Vorsitzender Bremer Sportverein

Diese Probleme treffen viele Vereine in einer Situation, in der sie chronisch unterfinanziert sind. "Auf dem Amateurkongress sollte es um die Finanzierung des Amateurfußballs gehen", sagt Peter Warnecke deshalb. "Es sind ja keine Unsummen, die gebraucht werden - man sollte darüber nachdenken, ob sich die gutverdienenden Bundesliga-Vereine daran stärker beteiligen können. Schließlich profitieren sie ja auch von der Nachwuchsarbeit, die an der Basis geleistet wird."

Gewünschte Aufbruchstimmung

Mit diesem Wunsch steht Warnecke nicht allein - die Kritik vieler Vereinsvertreter, dass zu wenig Geld vom Grundlagenvertrag zwischen dem DFB und der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei den Amateuren landet, wird sicher auch in Kassel eine Rolle spielen.

Beim letzten Kongress 2013 wurde der sogenannte Masterplan verabschiedet, der die Säulen Kommunikation, Entwicklung des Spielbetriebs und Vereinsservice beinhaltet. Nun sollen "gemeinsam Lösungen und Handlungsempfehlungen zur Stabilisierung und Stärkung der Basis" verabschiedet werden.

Wenn der Kongress tatsächlich, wie von DFB-Vizepräsident Rainer Koch angekündigt "Aufbruchstimmung verbreiten" will, sollte er den Amateurvereinen Perspektiven bieten, wie sie ihre gesellschaftspolitischen Aufgaben zukünftig erfüllen können, ohne dass diejenigen, die die Strukturen aufrechterhalten, aus Überforderung aufgeben. Da nützen genauso wenig wie im Profibereich Beschwörungen alter Tugenden. Sondern nur solide finanzierte Qualifizierungs- und Betreuungsangebote für alle, die heute das Vereinsleben prägen.

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