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Grindel: "Muss kein Erstligaspieler gewesen sein"

Sport - Grindel: "Muss kein Erstligaspieler gewesen sein"

Mit 54 Jahren tritt Reinhard Grindel die Nachfolge von Wolfgang Niersbach als DFB-Präsident an. Dabei warten jede Menge schwierige Aufgaben beim kriselnden DFB.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.04.2017, 20:58

Reinhard Grindel fühlt sich für seine schwierige Aufgabe beim DFB bestens gewappnet. Im Gespräch mit Katrin Müller-Hohenstein glaubt der neue DFB-Präsident auch die Interessen von Profis und Amateuren gleichermaßen wahren zu können.

Der neue starke Mann beim DFB

von Frank Hellmann

Auf den neuen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel wartet immens viel Arbeit. Der bisherige Schatzmeister gerät in schwierige Spannungsfelder.

Glänzende Lackschuhe, dunkler Anzug und weißes Hemd gelten gemeinhin nicht als geeignet, um in einer Turnhalle mal eben gegen den Ball zu treten. Reinhard Grindel wird sich allerdings daran gewöhnen müssen, dass dies wohl häufiger sein Outfit sein wird, wenn er im Fußball mitmischt.

Grindel hautnah

So wie gerade erst vor wenigen Tagen in der Sporthalle des TSV Schott Mainz, als der Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erschien, um 150 Schülerinnen und Schülern aus sieben Mainzer Grundschulen das so genannte DFB-Paule-Schnupper-Abzeichen zu überreichen.


Was der zweifache Familienvater zur Übergabe der Ansteckpins erklärte, wird er vermutlich noch häufiger sagen: „Mich freut besonders, dass die Kinder heute nicht mit ihrem iPhone oder iPad gespielt haben, sondern ein bisschen Lust auf Fußball bekommen haben.“ Und dabei gab es den Doppelpass mit dem DFB-Chef inklusive.

Typischer Quereinsteiger

Wer ist der Mann, auf den sich im vergangenen Herbst bereits die Regional- und Landesverbände festgelegt haben und der zur zwölften Führungsfigur in der langen DFB-Historie aufgestiegen ist.


Grindel ist der typische Quereinsteiger, der sich einst in den Vorstand des Rotenburger SV in seiner niedersächsischen Heimat wählen ließ, um seine Leidenschaft für den Fußball prägender auszuleben. Seine Tätigkeitsfelder waren zuvor die Medien und die Politik. Nach seinem juristischen Saatsexamen arbeitete er lange als Journalist, war u.a. Studioleiter fürs ZDF in Berlin und Brüssel, ehe er 2002 als CDU-Bundestagsabgeordneter für den Landkreis Rotenburg antrat und in den Bundestag einzog. Tatkraft und Ehrgeiz aus seiner journalistischen und parlamentarischen Zeit sind unbestritten.

Grindel der neue starke Mann

Grindel gilt als einer, der die Dinge gerne selbst im Griff hat. Er tritt meinungs- und durchsetzungsstark auf – die prägnante Formulierung ist ihm nicht fremd. Weil er Macht und Mechanismen der Medienbranche bestens kennt, hat es der neue DFB-Chef im Vorfeld des Bundestags vermieden, programmatische Interviews zu geben. Die Delegierten sollten  persönlich erfahren, wo Grindel die inhaltlichen Schwerpunkte setzen möchte. Einer davon wird die EM-Bewerbung 2024 sein, die der künftige Chef eingedenk des Interesses aus Skandinavien nicht mehr als Selbstläufer ansieht.

Doch mindestens ebenso wichtig dürfte es ein, den vor fünf Wochen vorgestellten und seitdem auf der DFB-Homepage abrufbaren Freshfields Report nicht als das Ende des Skandals um die WM-Vergabe 2006 zu begreifen. Dafür sind noch zu viele Fragen offen und nicht alle Verantwortungen klar benannt. Gelangt das neue Oberhaupt da noch in ein Minenfeld?

Der Profibetrieb muckt auf

Auf alle Fälle muss Grindel das ewige Spannungsfeld zwischen Amateuren und Profis besser ausloten. Der bisherige Interimspräsident Reinhard Rauball, der zusammen mit Vizepräsident Rainer Koch bisher die Geschäfte führte, hat eine Bestätigung Grindels im November beim ordentlichen Bundestag indirekt an die Bedingung geknüpft, bitte die Belange der Profiklubs zu berücksichtigen.

Das könnte von einer Reform des DFB-Pokals bis zu einer Umstrukturierung des Verbandes PLACEHOLDERmit eigener GmbH und Aufsichtsrat gehen. „Natürlich gibt es unterschiedliche Interessenslagen, aber das Verhältnis zur Liga empfinde ich aktuell als ausgesprochen gut“, sagte Grindel nun. „Ich bin sicher, dass es weiterhin eine vertrauensvolle und enge Zusammenarbeit geben wird.“ Das wird sich indes erst zeigen, wenn der neue Grundlagenvertrag unterschrieben ist.

Viel Überzeugungsarbeit ist zu leisten

Grindel weiß selbst, dass er noch dicke Bretter bohren muss, um speziell die Protagonisten der Bundesliga vorbehaltlos hinter sich zu bringen. Die Vorteile, die sich sein Vorgänger Wolfgang Niersbach durch sein jahrelanges Netzwerk verschaffte, kann er gar nicht so schnell aufholen.

Grindel hat die vergangenen Wochen viele Hintergrundgespräche geführt und den einzelnen Abteilungen in der Verbandszentrale bereits Antrittsbesuche abgestattet. Manch einer wunderte sich über sein Fachwissen und seine Vorschläge auch in den Bereichen, die nicht das ganz große Rampenlicht versprechen.

Zu Gast auch beim Frauenfußball

Für Grindel war es selbstverständlich, nicht nur Länderspiele, Champions-League-Partien und Bundesliga-Begegnungen der Männer zu besuchen, sondern sich auch beim Frauen-EM-Qualifikationsspiel Deutschland – Kroatien in Osnabrück oder in der Women’s Champions League beim 1. FFC Frankfurt blicken zu lassen. Dass er sich dabei fast unerkannt und mitunter unbehelligt durch eine Vereinsgaststätte bewegen konnte, dürfte allerdings bald der Vergangenheit angehören.

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