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Keller und der Spagat von DFB und DFL

Wie stark wird der neue DFB-Präsident?

Bei der heutigen Generalversammlung der Deutschen Fußball Liga und der Sitzung der DFB-Amateurverbände werden in der Fußball-Führungselite wichtige Weichen gestellt. Fritz Keller stellt sich als DFB-Chefkandidat vor.

Fritz Keller (l.) und Reinhard Rauball
Der designierte DFB-Präsident Fritz Keller (l.) und der scheidende DFL-Chef Reinhard Rauball beim Spatenstich der DFB-Akademie in Frankfurt.
Quelle: imago

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass sich heute in Berlin zwischen zwei nicht einmal einen Kilometer entfernt liegenden Hotels zwei komplexe Handlungsstränge vermengen: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) gibt sich mit dem lange feststehenden Abschied des 72-jährigen Rauball als Liga-Präsident auf der Generalversammlung eine neue Führungsstruktur, in der ihr Geschäftsführender Vorsitzender Christian Seifert als Sprecher des Präsidiums noch mächtiger wird. Und in der kurioserweise sein Stellvertreter Peter Peters gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der DFL-GmbH und damit Seiferts Chefkontrolleur werden soll.

Gleichzeitig stellt der DFB in der Hauptstadt beim Treffen der Regional- und Landesverbände die Weichen, um ihren monatelang sehr geheim gesuchten Präsidentschaftskandidaten für den DFB-Bundestag am 27. September in Frankfurt zu nominieren - und damit im Grunde bereits eine neue Struktur abzusegnen, in der ihr Oberhaupt deutlich entmachtet wird. "Der DFB-Präsident wird zum Sekretär", kommentierte die "Süddeutsche Zeitung" süffisant die tektonischen Verschiebungen im Machtapparat des größten deutschen Sportverbandes.

Wohl keine Kampfabstimmung

Entmachtung des DFB-Präsidenten

Tatsächlich hatte der DFB-Vizepräsident Rainer Koch kürzlich eher beiläufig erwähnt, dass der 13. Präsident in der DFB-Geschichte beispielsweise bei der Nationalmannschaft mal gar nicht mehr mitreden soll.

Die beschnittene Richtlinienkompetenz bedeutet auch, dass der designierte neue DFB-Präsident Fritz Keller künftig zwar Gespräche führen, Entscheidungen vorbereiten und Aufsicht führen soll – aber das Präsidium entscheidet kollegial. Somit sollen Interessenskonflikte und Alleingänge verhindert werden.

Nicht nochmal ein Imageschaden

In den Vorschlägen der vielen DFB-Satzungsänderungen, die zum Teil von der DFL angestoßen wurden, steht klar, dass der wirtschaftliche vom ideellen Bereich abgekoppelt wird. Die Geschäftsführung der DFB GmbH hält also auf einmal die Strippen in der Hand, wenn es ums große Geld geht. Aber sollte nicht in heiklen Kardinalfragen ein präsidiales Oberhaupt das Sagen haben, das sich ethisch und moralisch für seine Entscheidungen rechtfertigen muss?

Es scheint ein bisschen so, dass vor allem die DFL partout keinen Vorfall mehr will, der dem deutschen Fußball, und damit indirekt auch dem Profibetrieb, einen Imageschaden zuführt. Der Verband muss unter dem Fritz-Walter-Patenkind Keller einen immensen Vertrauensverlust bekämpfen und den Graben zwischen Profis und Amateuren wenigstens ein bisschen schließen. Die Verhandlungen um den neuen Grundlagenvertrag 2023 könnten zur Zerreißprobe werden.

Keller muss Profiliga hinter sich bringen

Der immer noch nicht aufgearbeitete WM-Skandal 2006 unter Wolfgang Niersbach, die vielen von Reinhard Grindel betretenen Fettnäpfchen, der sich an seinem Amt schlicht übernahm und gewiss nicht nur über die Annahme einer Goldenen Uhr aus der Ukraine stolperte, haben zu mehr als nur einem Augenrollen bei DFL-Boss Seifert geführt. Das Problem: Einen solch professionellen Chef hat der DFB nicht gefunden. Auch Fritz Keller tickt vollkommen anders, könnte aber für das entstandene Anforderungsprofil eine gute Lösung sein, wenn er seine bisweilen cholerischen Anfälle zügelt.

Wichtig wird sein, dass der wertetreue Hoffnungsträger Keller gleich den mächtigen Profibetrieb hinter sich bringt. Rauball hätte nicht bereits das zweite Mal den schlingernden DFB interimsmäßig durch eine schwere Führungskrise steuern können, wenn er nicht nach einem Leitsatz gehandelt hätte, der in keiner Satzung stand, wie er kürzlich verriet: "Keine Beschlüsse gegen die Belange der Liga." Dafür ist sie zu gewichtig geworden, weil in weiten Teilen der Gesellschaft inzwischen die 36 Lizenz- und nicht die 25.000 Amateurvereine als erster Repräsentant des deutschen Fußballs gelten. Auch wenn sie es gar nicht sind.

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