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DFB-Perspektivkader auf Confed-Cup-Mission

Fußball - Confed Cup in Russland

Zweimal hat die deutsche Nationalmannschaft bisher am Confed Cup teilgenommen. Die Expedition nach Mexiko geriet 1999 zum Desaster, der WM-Testlauf 2005 im eigenen Land war hingegen eine Erfolgsgeschichte. Daran erinnert sich Joachim Löw vor der Russland-Mission in diesem Jahr.

Joachim Löw und Spieler am 10.06.2017
Joachim Löw und Spieler Quelle: dpa

Bundestrainer Joachim Löw gehörte nicht zu denjenigen, die vor dem Abflug nach Russland noch einen Abstecher in die Long Island Summer Lounge in Frankfurt unternahmen. Eine der beliebtesten Event-Locations der Main-Metropole, wo sich auf dem Dach eines Parkhauses das Gefühl des Sommers atmen lässt. Eine kleine Abordnung um Torwart Kevin Trapp und Weltmeister Matthias Ginter hatte sich am Mittwochabend dorthin begeben, ehe die deutsche Delegation am Donnerstagmorgen nach Sotschi flog. Und dort ist die Atmosphäre ja gar nicht viel anders.

Mehr Chance als Risiko

An der russischen Riviera startet für den Weltmeister mit seinem nur 21-köpfigen Aufgebot der Confederations Cup, das Hotel liegt nur knapp zwei Kilometer von der Strandpromenade entfernt, von den meisten Zimmern ist das Fisht-Stadion zu entdecken, das Herzstück der Olympischen Winterspiele 2014. Dass der einst schon von Diktator Josef Stalin zu alten Sowjet-Zeiten wertgeschätzte Ferienort am Schwarzen Meer nun für Confed Cup und WM 2018 in den Blickpunkt rückt, ging nur, weil die Arena eigens noch einmal umgebaut wurde.

Dort bestreitet der Weltmeister nun sein Auftaktspiel gegen Australien (Montag, 17 Uhr MESZ/live ZDF). Einen Fehlstart sollte sich die recht unerfahrene DFB-Auswahl nicht leisten, um nicht drei Tage später gegen Südamerika-Meister Chile in Kasan (Do., 20 Uhr/ARD) unnötig unter Druck zu geraten. Sonst könnte nach dem letzten Gruppenspiel gegen Kamerun (So., 25. Juni, 17 Uhr/ZDF), dann wieder in Sotschi, schon alles vorbei sein.

2005 soll ein Beispiel sein

„Ich sehe beim Confed Cup überhaupt kein Risiko – ganz im Gegenteil“, sagt Löw. Klare Zielvorgaben gibt es insofern nur, dass der Bundestrainer seinen Perspektivkader internationale Erfahrung sammeln lassen möchte. Wenn nur drei, vier Spieler herauskommen, die den Etablierten nächsten Sommer Druck machen können oder nach einer Einwechslung in einem entscheidenden K.o.-Spiel Impulse setzen, ist alles gut. „Irgendwann mal - vielleicht nächstes Jahr bei der WM oder bei der EM in drei Jahren – wird dieser Confed Cup in Russland für manche Spieler wahnsinnig wichtig und hilfreich sein.“

Die WM sei eben „kein Schnupperkurs für junge Spieler“ – wohl aber dieser Testlauf. Gerne verweist der 57-Jährige dabei auf die Beispiele Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski, die tatsächlich 2005 bei der Generalprobe im eigenen Land ihr Profil schärfen konnten. Die deutsche Elf um den damaligen Anführer Michael Ballack sog damals bereits die besondere Stimmung auf, die in deutschen Stadien herrschte.

Die Mission in Mexiko war 1999 ein Reinfall

An das 2:3 im Halbfinale gegen Brasilien, damals in Nürnberg, erinnert Löw erst wieder, als nun das WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino (7:0) an gleicher Stelle stattfand. Und mit 4:3 nach Verlängerung im kleinen Finale gegen Mexiko endete der Confed Cup damals aus deutscher Sicht versöhnlich. Teamchef Jürgen Klinsmann lobte den besonderen Charakter seiner Mannschaft, die in Unterzahl reüssierte. Schlussendlich entstand ein stimmungsvolles Bild einer Generalprobe mit vollen Stadien, unterhaltsamen Spielen und vielen Toren.

Sechs Jahre zuvor hatte es noch völlig anders ausgesehen. Zum Confed Cup 1999 in Mexiko schickte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Auswahl eigentlich nur, um die WM-Bewerbung für 2006 nicht zu gefährden. Sowohl die Liga als auch die Spieler hatten wenig Lust auf die Mission in Mittelamerika, die Ex-Trainer Erich Ribbeck gerade erst wieder anlässlich seines 80. Geburtstags in der Rückschau als „Todeskommando“ beschrieb.

2017 gibt es großes Potenzial

Als amtierender Europameister war Deutschland zur Teilnahme verpflichtet, aber Ribbeck musste mitten in der Sommervorbereitung mit Nachrückern wie Ronald Maul, Horst Heldt oder Heiko Gerber auskommen und nach Niederlagen gegen Brasilien (0:4) und USA (0:2) war alles vorbei. Doch 2017 sollte sich solch ein Szenario nicht wiederholen. Löws Assistenztrainer Marcus Sorg war bei einem gemeinsamen Teamabend mit A-Nationalmannschaft und U21 fürwahr beeindruckt, „wie viel Potenzial der deutsche Fußball bietet“. Soll heißen: Eine Blamage wie 1999 scheint ausgeschlossen. Eine Erfolgsgeschichte wie 2005 ist aber auch noch nicht garantiert.

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