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Das trügerische Torfestival

Bundestrainerin Jones trotz Kantersieg auf Bewährung

Der zweistellige Kantersieg gegen die Färöer (11:0) der deutschen Frauen-Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation hilft Steffi Jones nur bedingt. DFB-Präsident Reinhard Grindel verlangt von der Bundestrainerin in einem Monat eine Leistungssteigerung im Testspiel gegen Frankreich. Da arbeitet jemand nur noch auf Bewährung.

 v.l. Rannva Biskopsto Andreasen, Alexandra Popp und Asla Johannesen
v.l. Rannva Biskopsto Andreasen, Alexandra Popp und Asla Johannesen Quelle: dpa

War das wirklich das gewinnbringende Grinsen, das Steffi Jones eigentlich als ihr natürliches Markenzeichen bei sich trägt wie andere ihren Talisman? Irgendwann während des Torfestivals gegen die Färöer begann auch die Bundestrainerin zu lächeln, aber richtig authentisch wirkte das Gute-Laune-Gesicht nicht. Und vielleicht wusste die 44-Jährige auch schon, dass ihr am Dienstagnachmittag ein 11:0 (6:0) gegen einen nicht einmal drittklassigen Gegner in der WM-Qualifikation nicht weitergeholfen hatte. Im Gegenteil.

Der Sieg nach Treffern von Alexandra Popp (12. und 45. +1), Tabea Kemme (15./27.), Babett Peter (30.), Kathrin Hendrich (33.), Lina Magull (48.) sowie der Vierfach-Torschützin Hasret Kayikci (63./75./83./89.) war eine Selbstverständlichkeit gegen die Repräsentanten aus dem Nordmeer.

Erstmals schickten die Färöer mit ihren rund 50.000 Einwohnern – und 350 gemeldeten Fußballerinnen über 18 Jahre - überhaupt eine Auswahl in die WM-Qualifikation. Entsprechend überfordert wirkte der Novize. Das alles sah auch DFB-Präsident Reinhard Grindel, der nach langer Abstinenz diesmal eine völlig einseitige Begegnung verfolgte.

Grindel stellt Forderungen

Immerhin wusste der Verbandschef das Gebotene vor der Minuskulisse von 2207 Augenzeugen in Großaspach richtig einzuordnen. „Das ist kein Maßstab“, konstatierte der 56-Jährige bereits zur Halbzeitpause und wählte dann ungewohnt deutliche Worte: Man habe leider feststellen müssen, das die Leistungen in der WM-Qualifikation „nicht besser, sondern schlechter“ geworden sind.

Man müsse nun „sehr genau hinschauen die nächsten Spiele“. Grindel erwartet konkret, dass zum Jahresabschluss gegen Frankreich (24. November) eine echte Besserung eintritt. „Wir brauchen ein Gefühl dafür, dass wir uns spielerisch so steigern, dass wir die Qualifikation schaffen können.“

Jones bleibt äußerlich ruhig

Jones tat später so, als sei alles ganz normal – auch die unmissverständlichen Aussagen Grindels. „Es ist schön, dass er heute da war und uns unterstützt. Für uns alle ist klar, dass wir uns für die WM qualifizieren müssen. Wir haben es selbst in der Hand.“ Doch so sicher ist es nicht, dass die gebürtige Frankfurterin bis Ende der Qualifikation im Amt bleibt.

Der Leistungsvergleich gegen den WM-Ausrichter 2019 auf der Bielefelder Alm wird zum Lackmustest für die DFB-Frauen. So groß sind die Zweifel an der Arbeit von Jones und ihrem Assistenten Markus Högner also schon, dass ein Freundschaftsspiel über den Fortgang entscheidet. Bei näherer Betrachtung macht das halbe Ultimatum durchaus Sinn: Das entscheidende Rückspiel auf Island findet erst am 1. September 2018 statt. Soll es ein Großreinemachen beim Trainerteam geben, dann könnte ein Dreivierteljahr inklusive Vorlauf mit dem SheBelievesCup im Februar genutzt werden.

Es gibt zu wenig Konstanten

Die Verbandsspitze ist unverändert in großer Sorge – und ihr missfällt, dass es weder beim Personal (erneut sieben Neue in der Startelf) noch beim System (diesmal 4-4-2 mit flacher Vier) wirkliche Konstanten gibt. Dazu kommen mentale Blockaden bei der Mannschaft, die schon bei der EM im Spielaufbau verkopft, im letzten Drittel wenig zielstrebig agierte – und hinten bei jedem Konter anfällig geworden ist. Deutschland hat den Status als Führungsnation binnen eines Jones-Jahres verspielt.

Die Plattform einer WM-Endrunde sei in ihrer Wertigkeit für die Frauen noch ungleich größer als für die Männer, verdeutlichte Grindel: „Wann haben wir mal acht bis zehn Millionen, die zugucken. Das ist die WM - vor allem in einem Nachbarland. Das Entscheidende ist, dass wir uns für die WM qualifizieren.“ Der oberste Dienstherr spricht der sportlichen Leitung vielleicht auch deshalb kein uneingeschränktes Vertrauen mehr aus, weil ab 1. Januar 2018 beim DFB die neue Organisationsstruktur greift.

Dann ist Oliver Bierhoff, der bisherige Manager der A-Nationalmannschaft, für alle Auswahlteams und alle Maßnahmen rund um die Nationalmannschaften der Männer und Frauen verantwortlich. Meint es der 49-Jährige wirklich ernst damit, in all seinen Zuständigkeiten Weltniveau herzustellen, wäre das Ergebnis einer unvoreingenommenen Analyse in der weiblichen Sparte hochspannend. Insofern hat Grindel geschickt taktiert. Leidtragende ist eine Bundestrainerin, die nun mindestens einen Monat auf Bewährung arbeitet – aber das Leid hat sie sich selbst mit eingebrockt.

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