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Deutscher Minimalismus

Die Frauen-Nationalmannschaft fährt gegen Spanien im zweiten WM-Gruppenspiel den zweiten 1:0-Sieg ein. Der Turnierstart ist geglückt, aber Steigerung zwingend nötig.

Sara Däbritz erzielt das 1:0 gegen Spanien.
Sara Däbritz grätscht gegen Spanien den Ball über die Linie zum 1:0-Sieg.
Quelle: reuters

Melanie Leupolz gehört mittlerweile schon zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Frauenfußball. Im mittlerweile fast berühmten Eier-Pferdeschwänze-Werbespot zeigt sie anfangs drei, dann acht Finger, rot lackierte Nägel natürlich, um jedem zu verdeutlichen, wie viele Europameistertitel Deutschland schon gewonnen hat.

Natürlich haben wir fußballerisch einen höheren Anspruch.
Melanie Leupolz

Mit den Grundrechenarten kennt sich die 25-Jährige also gut aus, weshalb sie nach dem hart erkämpften Arbeitssieg gegen Spanien in Valenciennes, dem zweiten 1:0 bei dieser Frauen-WM, eine einfache Formel bemühte. „Wenn wir jedes Spiel 1:0 gewinnen, werden wir Weltmeister. Das würde ich sofort unterschreiben“, sagte Leupolz gegenüber zdf-online. Gleichzeitig räumte sie ein: „Wir sind nicht 100 prozentig zufrieden. Natürlich haben wir fußballerisch einen höheren Anspruch.“

Schweren Einstieg gemeistert

Aber warum soll den Frauen nicht jener Minimalisten-Modus vergönnt sein, den die Männer in den 80er,  90er und sogar noch in den 2000erJahren bei einer WM gerne zum deutschen Markenzeichen erhoben: auch mit 1:0-Siegen weit zu kommen. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea wurschtelte sich eine Mannschaft unter Teamchef Rudi Völler mal mit drei 1:0-Siegen bis ins WM-Finale.

Wir haben es selbst in den Füßen, uns nun als Gruppenerster durchzusetzen.
Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg

Nun sind solche Quervergleiche wenig nützlich, aber selbst Martina Voss-Tecklenburg blickte lieber aufs gelungene große Ganze als einzelne Schwachstellen, als die zeitweise patschnass geregnete Bundestrainerin im Stade du Hainaut erleichtert sagte: „Wir wussten, wie schwer dieser Einstieg ins Turnier wird. Darauf können wir aufbauen. Wir haben es selbst in den Füßen, uns nun als Gruppenerster durchzusetzen.“

Der Dreierblock steht besser

Ihr Team muss sich auch gegen Südafrika in Montpellier (Montag 18 Uhr) ohne Dzsenifer Marozsan behaupten, denn der fußballerische Fixpunkt ist wegen eines lädierten Mittelzehs mindestens für die Vorrunde, aber vermutlich auch noch für ein Achtelfinale weggebrochen.

Zu Recht stellte Voss-Tecklenburg zwei Aspekte des spielerisch vor allem erste Halbzeit arg unrunden Auftritts heraus: Zum einen hat sich der Dreierblock mit der viel Ruhe ausstrahlenden Torhüterin Almuth Schult, und den verbesserten Innenverteidigerinnen Sara Doorsoun und Marina Hegering gefunden, zum anderen sind die vielen Positionswechsel positiv, um auf Leistungsschwankungen ohne Auswechslungen zu reagieren.

Die Mentalität stimmt

Giulia Gwinn kann ohnehin rechts oder links, vorne oder hinten die Seite ackern, Lena Sophie Oberdorf rückte während des Spiels ins Zentrum und Kapitänin Alexandra Popp von der Sturmmitte ins defensive Mittelfeld, das sie zumeist auch beim VfL Wolfsburg beackert. Das ist zwar nicht ihre Lieblingsposition, „aber wenn ich der Mannschaft damit helfe, mache ich das gerne.“

Und dann kommt noch ein dritter Aspekt hinzu, den die Matchwinnerin Sara Däbritz herausstellte - und der sich in ihrer Grätsche zum Siegtor (42.) widerspiegelte: „Das war fußballerisch nicht das Beste, aber wir haben eine absolute Willensleistung, absolute Laufbereitschaft und absoluten Kampfgeist gezeigt.“ Die 24-Jährige ist auf bestem Wege, sich mit ihrer Haltung zu einer einsatzfreudigen Anführerin aufzuschwingen, die vor vier Jahren noch die diesmal nicht nominierte Simone Laudehr gab, die nach ihrer Nicht-Berücksichtigung für diese WM kürzlich aus dem Nationalteam zurücktrat.

Lernprozesse im Laufe der WM

Voss-Tecklenburg vertraute am Donnerstag einer Startelf, in der nur Lena Goeßling (33 Jahre), Popp (28), Schult (28) und eben Däbritz schon mal eine WM erlebt haben. Die 51-Jährige setzt darauf, dass die Erfahrungsprozesse beim Rest während des Turniers schnell genug gehen – und das keine individuellen Aussetzer passieren, die diese Tour de France für die deutschen Fußballerinnen vorzeitig stoppen. „Wir brauchen gar nicht so nervös zu sein. Es ist jetzt zweimal gut gegangen - nun muss der nächste Schritt kommen."

Die sehr fokussiert wirkende Cheftrainerin bereitet sich auf eine längere Frankreich-Reise vor. Auch Montpellier im Süden Frankreichs nahe an der Mittelmeerküste soll nur eine Durchgangsstation bleiben. Voss-Tecklenburg: „Wir haben schon mal einen sehr komplizierten Einstieg in die WM gelöst. Die sechs Punkte nimmt uns keiner mehr weg.“ Sollte heißen: Mehr Kunst ist wohl erst zu erwarten, wenn die Pflicht erfüllt ist.

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