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Schalter schnell umlegen

Sport - Schalter schnell umlegen

Bastian Schweinsteiger zeigte sich zu Tränen gerührt über den Abschied, den ihm der DFB und die Zuschauer in Mönchengladbach beim Testspiel gegen Finnland bereitet hatten. PS: Endstand 2:0

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.09.2017, 09:23

Die Tränen von Bastian Schweinsteiger bei seinem Abschied sorgen nicht nur für Rührung auf den Rängen. Sportlich gewinnt Bundestrainer Joachim Löw aus dem 2:0 gegen Finnland nur wenige Erkenntnisse – und muss nun die Sinne für die am Sonntag beginnende WM-Qualifikation schärfen.

Eigentlich sollte die Reportertraube, die sich gegen Mitternacht um Bastian Schweinsteiger versammelte, die letzte Menschenansammlung im Bauch des Borussia-Parks gewesen sein. Noch einmal trug der äußerst würdevoll verabschiedete Anführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Mönchengladbach vor, welche „tiefe Dankbarkeit“ und „besonderes Gefühl“ seinen Körper durchströmt hatte – bei diesem 2:0 zu Schweinsteigers Abschied gegen Finnland, das eigens zu seiner tränenreichen Abschiedszeremonie umfunktioniert worden war.

Tiefe Dankbarkeit

Und auch Joachim Löw nutzte die Pressekonferenz, um ein letztes Dankeschön an den mit 32 Jahren in Ehren ergrauten Weggefährten zu richten: „Der Basti und auch der Lukas Podolski sind die Konstanten gewesen in meiner Amtszeit. Mir sind die Bilder der zwölf Jahre noch einmal durch den Kopf gegangen. Ich glaube, ohne ihn wären die durchgängigen Erfolge nicht möglich gewesen. Er hat die Mannschaft sehr geprägt.“

Löw wählte also die Vergangenheitsform. Und für den Blick in die Zukunft war es vielleicht das richtige Zeichen, dass  Mediendirektor Uli Voigt dann noch zum Schluss Mario Götze an die stählerne Absperrung in der Mixed Zone schob. Wieder handelten die ersten Fragen über die Emotionen rund um den verabschiedeten Kapitän, wobei der Finaltorschütze von Rio de Janeiro den bemerkenswerten Einwand beisteuerte: „Vielleicht geht es mir auch mal so.“

Mario Götze beim Training der Nationalmannschaft (Archivbild)
Mario Götze beim Training der Nationalmannschaft Quelle: reuters

Götze hat mit 24 Jahren (und 57 Länderspielen) zumindest noch viel vor sich, um dem deutschen Fußball ähnlich viel zu geben wie der am Ende von allen geliebte „Basti“. Etwa schon am Sonntag ein WM-Qualifikationsspiel in Norwegen (20.45 Uhr), das schwieriger werden könnte als allgemein erwartet. „Wir tun gut daran, dort gleich Punkte zu sammeln“, empfahl Götze, der trotz fehlender Einsatzzeiten bei seinem neuen und alten Arbeitgeber Borussia Dortmund ziemlich sicher auch in Oslo zum Einsatz kommt.

2 Olympia-Helden dürfen heim

Mit Kevin Volland (Mittelhandbruch: Zwei Wochen Pause) wird der zweite im Kader verbliebene Stürmer am Samstag den Lufthansaflug 342 von Düsseldorf nach Oslo nicht antreten, und auch dem Olympia-Fahrer Niklas Süle (sehr solider Auftritt) wird die Heimreise gestattet. Dagegen bleiben Julian Brandt (fand nicht ins Spiel) und Max Meyer (schoss nach Götze-Vorarbeit das 1:0, 54.) im Mannschaftshotel im Düsseldorfer Medienhafen.

Denn eines will Löw unter allen Umständen vermeiden: einen Fehlstart für den Ernstfall. Der 56-Jährige weiß, dass in Norwegens Hauptstadt kein Selbstgänger auf den Weltmeister wartet. „Norwegen ist gefährlich. Sie verteidigen traditionell gut. Sie spielen unglaublich eng, gehen dann nach vorne.“ Und er weiß, dass seine Elf nur bedingt im Rhythmus ist: „Wir spielen so ein bisschen aus der kalten Hose heraus, weil die meisten erst einen Wettkampf haben, einen Bundesliga-Spieltag. Da ist es nicht immer ganz so einfach.“ Nur der Gruppenerste löst das Ticket für die Titelkämpfe 2018 in Russland.

Wer wird Kapitän?

Die Sinne für die geschonten Stammkräfte zu schärfen, sieht der Trainer als wichtigste Aufgabe bis zum Wochenende an. Die nicht oder nur kurz eingesetzten Leistungsträger wie Mats Hummels, Sami Khedira oder Toni Kroos, Thomas Müller und Mesut Özil (erzielte das 2:0, 77.) würden am Donnerstag eine weitere Einheit absolvieren, kündigte der Bundestrainer an. Und dann ist sich Löw sicher: „Ein Spiel reicht für sie, damit wir einen guten Start erleben.“ Da will einer den Schalter nun wirklich schnell umlegen.

Manuel Neuer lacht bei einer Pressekonferenz in Leipzig
Manuel Neuer Quelle: dpa

Vorab wollte Löw alleine für Schweinsteiger freihalten, der mit seinem Weinkrampf vor und nach der Dankesrede von DFB-Präsident Reinhard Grindel für Rührung bis unters Stadiondach sorgte. Aus „Respekt vor Basti“ hatte der 56-Jährige  teamintern auch noch nicht ein Wort über den neuen Kapitän verloren: „Bis 24 Uhr sollte Basti  der Kapitän bleiben.“

Erst am Donnerstag werde er darüber „mal mit der Mannschaft reden“, seine Entscheidung sei allerdings gefallen. Allenthalben wird erwartet, dass Torwart Manuel Neuer künftig die schwarz-rot-goldene Binde trägt. Schweinsteiger hatte diese zunächst spontan an Thomas Müller überreicht, die der Bayernstar aber sofort zurückgab. Löw findet ohnehin, das Stück Stoff werde überbewertet. „Für mich persönlich ist das nicht das Allerwichtigste. Wir haben eine Mannschaft mit mehreren Kapitänen.“

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