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Hrubesch und die Dreckigen Achtzehn

Die Bender Brüder Sven (l.) und Lars (r.)

Sport - Hrubesch und die Dreckigen Achtzehn

Neun Arenen direkt nebeneinander - so kompakt war Olympia noch nie.

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Schon vor der Nominierung des 18er-Kaders des U23-Teams für die Olympischen Spiele kursierten Ausdrücke wie Resterampe und Rumpftruppe. Die Wünsche der Bundesliga-Klubs setzten den Kaderplanern Horst Hrubesch und Hansi Flick enge Grenzen. Die nun benannten Spieler haben dennoch das Potenzial für einen Überraschungscoup.

Horst Hrubesch ist schon vieles gewesen: Kopfballungeheuer, Pferdezüchter und Europameistertrainer. Überredungskünstler, Lückenstopfer und Schönredner war er bislang noch nicht. Wie Bittsteller telefonierten er und DFB-Sportdirektor Hansi Flick in den letzten Wochen durch halb Europa, um einen schlagkräftigen 18-Mann-Kader für das Olympische Fußballturnier in Brasilien zusammenzubekommen.

Ursprüngliches Überangebot

Früh machten Begriffe wie Rumpftruppe und Resterampe die Runde, am Ende wurde auch noch der Nominierungstermin um einen Tag nach hinten geschoben -  etwas peinlich für einen Verband, der sich zu Recht einer äußerst erfolgreichen Nachwuchsarbeit rühmt. Dabei schien zunächst sogar ein Überangebot zu bestehen.

Der vorläufige Kader von 40 Spielern bestand aus „aktuellen U 21-Nationalspielern und denjenigen, die die Teilnahme an den Olympischen Spielen möglich gemacht haben“, wie Hrubesch gegenüber ZDFsport.de sagte. Dazu gab es die Möglichkeit, drei Spieler zu nominieren, die die Altersgrenze von 23 Jahren schon überschritten haben.

Vom Kaderplaner zum Lückenstopfer

Schon in den ersten Verhandlungen mit den Klubs, für die es keine Abstellungsverpflichtungen gibt, mussten die DFB-Unterhändler so viele Kröten schlucken, dass das Angebot an Spielern schneller schrumpfte als das von Markenartikeln im Schlussverkauf. Keine EM-Fahrer, keine Zweitligisten, keine Vereinswechsler, keine Spieler von Champions- und Europa-League-Qualifikanten und von jedem Klub sowieso nur zwei – die Kaderplaner wurden zu Lückenstopfern.

Da auch die aus dem Nationalteam abgetretenen Miroslav Klose, Per Mertesacker und Philipp Lahm olympischen Plänen früh eine Absage erteilten, fehlen im nun nominierten Kader die Stars. Mit den Bender-Zwillingen auf den Oldie-Tickets sind immerhin zwei gestandene Nationalspieler dabei. Weitere klingende Namen mit Nationalelf-Erfahrung sind  Timo Horn, Matthias Ginter, Julian Brandt, Max Meyer, Leon Goretzka, Nils Petersen und Davie Selke.

Nur das Finale in Rio

Dennoch musste Hrubesch in die ungewohnte Rolle des Schönredners schlüpfen, als er den Kader der Öffentlichkeit präsentierte. „Das wird für uns ein einmaliges Erlebnis, von dem die Spieler noch ihren Enkeln erzählen werden“, sagte er. „Ich bin sicher, dass mit diesen Jungs vieles möglich ist.“ Falls dieses viele doch nicht möglich sein sollte, wird wohl auch das Erlebnis nicht so einmalig ausfallen. Nur ein Halbfinale und das Finale finden in Rio und damit im Herzen Olympias statt.

Einen besonders motivierten Spieler hat Hrubesch trotzdem nur als Nachrücker nominiert."Meine ganze Familie dreht durch. Die haben schon gebucht“, hatte Leonardo Bittencourt, dessen Eltern aus Brasilien stammen, unmittelbar nach der von ihm bei mit erreichten Qualifikation für das Turnier gesagt.

Ohne Messi und Ronaldo - mit Neymar

Aber Hrubesch wäre nicht Hrubesch, wenn er nicht aus dem Resterampen-Image der Mannschaft Funken schlagen und eine verschworenen Haufen aus ihnen machen würde. Schon jeder für sich allein hat einen guten Grund, es der Welt mal richtig zu zeigen. Die Benders, weil sie im DFB-Team immer nur Notnagel waren, Brandt und Ginter, weil sie nicht mit zur EM durften und Nils Petersen, weil er in Bremen einst für einen gewissen Davie Selke in die zweite Liga abgeschoben wurde.

Die anderen großen Nationen lassen zwar auch ihre Stars wie Messi (Argentinien), Ronaldo (Portugal) und  James Rodriguez (Kolumbien) zu Hause. Aber Gastgeber Brasilien tritt mit einer starken Mannschaft inklusive Neymar an,  Portugal verfügt auch ohne EM-Fahrer über eine Riesen-Nachwuchspotenzial und Nationen wie Südkorea und Südafrika werden alles in die Waagschale werfen, um bei diesem Turnier ins Rampenlicht zu treten. Genug würdige Gegner also für Hrubeschs „Dreckige Achtzehn“, um sich am Underdog-Image ins Olympische Finale hochzuziehen.


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