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Bremen - Bayern, Duell der Ex-Lieblingsfeinde

DFB-Pokal | Die Geschichte einer Realität

Augenthalers Foul an Völler, Klose-Klau und Klassenkampf zwischen Willi und Uli - lange war Bayern München neben dem HSV das Lieblingsfeindbild der Werder-Anhänger. Im Pokalhalbfinale am Mittwoch, 20.45 Uhr (ARD), haben sie nach langer Zeit wieder richtig gute Chancen auf einen Sieg.

Lothar Matthäus (FC Bayern München) gegen Jonny Otten (SV Werder Bremen)
April 1987: Lothar Matthäus (FC Bayern/r.) gegen Jonny Otten (Bremen).
Quelle: imago/Fred Joch

Am Mittwochabend wird im Bremer Weser-Stadion Geschichte lebendig. Flutlicht - Pokal - Halbfinale. Dieser Dreiklang steht für die Art von prickelnden Fußball-Erlebnissen, die jahrzehntelang die ganze Stadt elektrisiert haben - und die die Bremer jetzt schon jahrelang vermissen. Am Mittwoch kommt noch eine vierte Zutat hinzu, die dieses Spiel zu etwas ganz Besonderem macht: Bayern München.

Duelle auf schiefer Ebene

Auch wenn die beiden Klubs schon längt keine engen Zweikämpfe um die Meisterschaft mehr liefern, wirkt die besondere Rivalität noch nach, die sich ab Mitte der 1980er Jahre zwischen ihnen entwickelt hat, und die die Bayern für Werder-Fans zum zweitliebsten "Feind" nach dem HSV machten.

Der SV Werder Bremen ist Deutscher Meister, v.re.: Torwart Borel, Wehlage, Daun, Ismael, Micoud und Ailton
8. Mai 2004: Werder Bremen feiert die Deutsche Meisterschaft - mit einem Sieg in München.
Quelle: imago/Contrast

In den vergangenen Jahren allerdings wurde diese Rivalität auf einer schiefen Ebene ausgetragen: zu deutlich war die Dominanz der Münchner.

Aber nicht erst seit der knappen 0:1-Niederlage am Samstag, die sie zudem in Unterzahl kassiert haben, trauen sich die wiedererstarkten Bremer auch wieder Siege gegen den nicht mehr ganz so übermächtigen FC Bayern München zu. Am Mittwoch kann der SV Werder mit dem Einzug ins Pokal-Finale seit langem wieder etwas anders feiern als den Nichtabstieg – und vor allem kann man den alten Rivalen mal wieder richtig ärgern.

Lange nicht ins Gehege gekommen

Dabei sind sich die beiden Klubs in den ersten zwanzig Bundesliga-Jahren wenig ins Gehege gekommen.

Die Bremer feierten ihre erste Meisterschaft 1965 (im Aufstiegsjahr der Münchner) und mutierten anschließend bis zum Abstieg 1980 mit Plätzen zwischen 10 und 15 zur grauen Maus der Liga. Parallel dazu lieferten sich die Bayern sich erst mit Borussia Mönchengladbach und später mit dem HSV packende Titelkämpfe.

Doch schon bald nach dem Wiederaufstieg der Bremer 1981 wurde Werder in der Ära von Trainer Otto Rehhagel und Manager Willi Lemke zum gefährlichsten Herausforderer der Münchner.

Geburtsstunde der Rivalität

Die Geburtsstunde der besonderen Bayern-Allergie in Bremen lässt sich klar bestimmen:

Klaus Augenthaler (Bayern, li.) foult Rudi Völler (Bremen), der eine fünfmonatige Verletzungspause danach einlegen musste, re. Frank Hartmann (Bayern)
Klaus Augenthaler foult Rudi Völler, der danach eine fünfmonatige Verletzungspause einlegen musste.
Quelle: imago/WEREK

Am 23. November 1985 stoppte Klaus Augenthaler den davon stürmenden Rudi Völler mit einem brutalen Foul und sah nur die Gelbe Karte, während der Bremer Mittelstürmer zwei Operationen und eine monatelange Spielpause vor sich hatte.

Die Bremer Niederlage war zudem mitentscheidend für den hauchdünnen Vorsprung am Ende der Saison, der den Bayern die Meisterschale brachte. Die Reaktion der Münchner trugen nicht zur Beruhigung der Emotionen bei. "Wir spielen ja nicht Schach", sagte Trainer Udo Lattek.

Klassenkampf auf grünem Rasen

Gift kam aber in der Folge von mehreren Seiten in die Beziehung. Aus heutiger Sicht war es das marketingtechnische Glanzstück des damaligen Managers Willi Lemke, Werder in den politisch bewegten 1980er Jahren bundesweit zum Antipoden des Branchen-Primus aufzubauen.

Michael Kutzop (SV Werder Bremen) schießt den Elfmeter, der die Meisterschaft 1985 1986 vorzeitig entschieden hätte, gegen den chancenlosen Torwart Jean Marie Pfaff (FC Bayern München) in der 89. Minute an den Pfosten.
Legendärer Fehlschuss: Michael Kutzop (Bremen) setzt 1986 gegen Jean Marie Pfaff in der 89. Minute seinen Elfmeter an den Pfosten. Die Meisterschaft war damit für Werder dahin.
Quelle: imago/Schumann

Willi der Sozi, Uli der Kapitalist - dieses klassenkämpferische Kasperle-Theater führten die Talkshows jahrelang mit Vergnügen auf - und es funktionierte umso besser, da Werder über einen langen Zeitraum auch noch den schöneren Fußball spielte.

Die Münchner taten alles, um mit "Mia san mia"-Arroganz ihrem bösen Ruf gerecht zu werden. Jahr um Jahr kauften sie Werder die besten Spieler weg und hinterließen traurig-wütende Fanherzen.

In der Reihenfolge des Abtretens: Andreas Herzog, Mario Basler, Claudio Pizarro, Valerien Ismael, Miroslav Klose, Serge Gnabry. 1995 warben sie sogar die Trainerlegende Otto Rehhagel ab - und feuerten ihn vor dem UEFA-Pokalfinale 1996, in das er die Mannschaft geführt hatte.

Erstaunliche Gemeinsamkeiten

Vergessen wurde in den Jahren der sich hochschaukelnden Rivalität, dass beide Klubs erstaunliche Verbindungslinien haben. So waren die Bremer in den 1970er Jahren die Hauptzielscheibe der damaligen Kommerzialisierungskritiker.

Mit Hilfe der Wirtschaft und der Bremer Landesregierung kaufte sich Werder damals eine Legionärs-Mannschaft zusammen, die in rot-weiß auflief, den Farben der Bremer Speckflagge, und bundesweit als "Millionenelf" bekannt wurde. Ein Experiment, das kläglich scheiterte.

Bremer gründete den FC Bayern München mit

Was aber von beiden Klubs wenig bis gar nicht an die Öffentlichkeit gebracht wird: Die Gründungsurkunde des FC Bayern München ziert der Name eines Sprösslings der Hansestadt.

Der Bremer Kunststudent Wilhelm Focke gehörte zu den Spielern, die sich für den Vereinsaustritt der Fußballer des MTV München und für die 1900 erfolgte Gründung des FC Bayern München einsetzte. Das hört man weder an Weser noch Isar besonders gerne.

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