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Auf und nieder, immer wieder

DFB-Pokal: SC Paderborn - FC Bayern München

In den letzten zehn Jahren wechselte der SC Paderborn die Spielklassen so munter wie kein anderer Fußballverein in Deutschland. Nun empfängt der Tabellenführer der Dritten Liga den FC Bayern im Pokalviertelfinale - mit ganz klaren sportlichen Präferenzen.

Fans des SC Paderborn 07
Glückliche Fans: Der SC Paderborn steht im Pokal-Viertelfinale. Quelle: epa

Das jugendliche Stimmengewirr um ihn herum ist erst vor wenigen Minuten verebbt, nun genießt Markus Krösche einen kurzen Moment der Ruhe. Der Job des 37-Jährigen beim SC Paderborn bietet viel Abwechslung, gerade hat der Sportchef eine Schulklasse durch das Stadion des Drittligisten geführt. Dort, wo die Ostwestfalen am Dienstag den FC Bayern im Viertelfinale des DFB-Pokals empfangen.

Einmaliges Erlebnis

So weit hat es der Klub seit seiner Gründung vor 111 Jahren, damals noch unter dem Namen Arminia Neuhaus, im nationalen Cup noch nie geschafft. "Ein Freilos", witzelte Krösche, als Anfang Januar der Gegner für die Runde der letzten Acht feststand. Zuvor hatte der SCP die Zweitligisten St. Pauli, Bochum und Ingolstadt aus dem Wettbewerb geworfen.

Nun sagt der Sportdirektor im Gespräch mit zdfsport.de zum prominenten Besuch aus dem Freistaat: "Selbst für jeden Bundesligisten ist es schwer, Bayern München zu schlagen. Wir haben also überhaupt keinen Druck, können einfach frei aufspielen."

Dank an 1860 München

Markus Krösche
Fokus liegt auf der Liga: SCP-Sportdirektor Markus Krösche Quelle: imago

Nach dem Wörtchen "einfach" atmet Krösche tief durch. Denn einfach war es beim SC Paderborn, dem ultimativen Auf-und-nieder-Klub im Land, in den letzten Jahren eigentlich nie. Nach dem sensationellen Lauf von der dritten in die erste Liga innerhalb von fünf Jahren ging es für den Verein nach einem Jahr Bundesliga ab 2015 wieder in die andere Richtung. Mit nochmals erhöhter Geschwindigkeit - und vorübergehend verziert mit der Glamour-und-Skandal-Episode unter Steffen Effenberg, dem im März 2016 nach knapp fünfmonatiger Tätigkeit geschassten Cheftrainer.

Abstieg folgte auf Abstieg, den unrühmlichen Hattrick - Absturz in die Regionalliga - verhinderte im vergangenen Juni nur der Rückzug von 1860 München aus dem Profifußball. Drei Monate zuvor übernahm Krösche mit dem Posten des Geschäftsführers Sport in Paderborn einen echten Knochenjob. "Als ich kam", erinnert er sich, "war der Verein in einer ganz schwierigen Situation. Es drohte der dritte Abstieg hintereinander, dennoch habe ich mich dafür entschieden. Weil ich an das Potenzial geglaubt habe, das dieser Verein hat."

Keine Kontrolle, freie Entfaltung

Mit dem machtbewussten Präsidenten Wilfried Finke traf er bei den Vertragsverhandlungen klare Absprachen über die Zuständigkeiten. "Wir telefonieren täglich. Er ist über jeden Schritt informiert, den wir planen - auch strategisch. Aber ich kann hier ganz frei meine Philosophie und die sportliche Ausrichtung des Vereins verfolgen", sagt Krösche, mit 354 Einsätzen Paderborns Rekordspieler im Profifußball.

Er fühle sich von Finke nicht kontrolliert, betont der gebürtige Hannoveraner - der einen Monat nach seinem Einstieg selbst gezielt den früheren Bundesligastürmer Steffen Baumgart als neuen Chefcoach nach Paderborn holte.

Stürmisch unter Baumgart

Nach dem glücklich umgangenen Sturz in die vierte Liga krempelte das sportliche Führungs-Duo den Kader radikal um: Klares Ziel war der Wechsel hin zu offensivem, mutigem, dominantem Fußball. Das klappte ausgesprochen gut, unter Baumgart thront der mit sechs Millionen Euro verschuldete SCP als angriffsstärkstes Team souverän an der Spitze der Dritten Liga.

Nun gastiert das dauersiegende Pendant aus der Bundesliga für einen Pokal-Abend in der 150000-Einwohner-Stadt. Die Minichance, die Bayern aus dem Cup zu kegeln und im Halbfinale noch mal Kasse zu machen, verliert aber rasch ihren Reiz - im Vergleich zum greifbar nahen Aufstieg. "Unser Fokus liegt klar auf der Liga, keine Frage", sagt Markus Krösche. "Und das bleibt auch so."

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