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"Wir sind D/A" und hoffen auf ein Wunder

SV Drochtersen/Assel empfängt im DFB-Pokal den FC Bayern

Das ewige Duell David gegen Goliath bekommt im DFB-Pokalspiel des FC Bayern beim Viertligisten SV Drochtersen/Assel eine besonders reizvolle Neuauflage. Das Pokalfieber an der Elbe hat selbst die Kirche erwischt. Cool bleibt ausgerechnet der Gastwirt.

SV Drochtersen/Assel - Plakat
Das Plakat zum Pokal hängt an der Kirche. Quelle: dpa

Am 8. Juni war die Welt für DFB-Präsident Reinhard Grindel noch in Ordnung. Kein frühes WM-Aus, keine Özil-Debatte rüttelten an seinem Stuhl. Stattdessen löste er in einer 11.000-Seelen-Gemeinde an der Elbe einen kollektiven Jubelsturm aus. Die Bilder gingen durch die Republik, wie im Vereinsheim der Spielvereinigung Drochtersen/Assel alle Hemmungen fielen, als Grindel dem Regionalligisten für die erste Runde des DFB-Pokals den FC Bayern München (Anstoß: 15:30 Uhr) zuloste und die Stadionwurst in Drochtersen lobte.

Fußball, Kirche, Wirtschaft

"Seitdem wächst die Vorfreude auf das Spiel", sagt Drochtersens Bürgermeister Mike Eckhoff gegenüber zdfsport.de. "Ob auf dem Schützenfest oder beim Gespräch überm Gartenzaun, das Thema ist immer präsent." Selbst die Kirche bleibt von der Euphorie nicht verschont. "Wir glauben an Wunder, wir vertrauen auf Gott", steht da auf einem großen Transparent. "Wir sind D/A - wir grüßen die Gäste von Nah und Fern."

Neben den Logos der Kirche und des Vereines prangt dort auch das Emblem eines örtlichen Versicherungskontors. Fußball, Kirche und Wirtschaft gehen in Drochtersen eine innige Verbindung ein. Den Slogan "Wir sind D/A" findet man auch im Postladen wieder - auf den Shirts, Tassen und Badelatschen, die der Fan-Shop hier verkauft. Pünktlich zum Spiel ist am Mittwoch der neue Schal eingetroffen und wurde schon in der ersten Stunde sechzehnmal verkauft.

Training SV Drochtersen/Assel
Im Blickpunkt: die Mannschaft des SV Drochtersen/Assel beim Training Quelle: dpa

Jagd nach Eintrittskarten

 "Die Leute sind wie im Rausch", sagt Drochtersens Abwehrspieler Meikel Klee. "Sie sind teilweise heißer als wir Spieler selbst." Ein andere Institution hält sich aus dem ganzen Wirbel allerdings raus. "Mich interessiert das nicht, ich war noch nie im Stadion", sagt Klaus Schröder, der Wirt vom Gasthaus Schröder im Ortsteil Assel. Schröder hat es mehr mit der Feuerwehr, die er 20 Jahre geleitet hat, aber am Thema Fußball kommt auch er nicht vorbei.

"Es wird ja über nichts anders mehr geredet", sagt er. "Ich werde fast täglich nach Karten gefragt, obwohl ich da gar nichts mit zu tun habe. Einige sind schon etwas verschnupft, weil die keine Karten bekommen, aber das das ist ja logisch, dass nicht alle ins Stadion passen."

Kein Umzug nach Hamburg

Trotz Errichtung von zwei Zusatztribünen im Kehdinger Stadion werden nur 7800 Zuschauer Platz finden. In den freien Verkauf kamen nur noch wenige Karten, nachdem Mitglieder, Dauerkartenbesitzer, der FC Bayern München, VIPS und Sponsoren bedient worden waren.  Der Klub hätte auch das sechzig Kilometer entfernte Millerntor-Stadion des FC St. Pauli voll bekommen, entschied sich ab er für die heimische Lösung.

"Wir wollen für die Menschen und die Region ein Spiel bieten, was in Erinnerung bleibt", sagt Vereinspräsident und Manager Rigo Gooßen, den man auch schon als "Uli Hoeneß von Drochtersen" bezeichnet hat. Für den hohen Organisationsaufwand, der auf Verein und Gemeinde zukommt, werden die Erfahrungen aus dem Pokal-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach vor zwei Jahren (0:1) genutzt. Allerdings möchten die Bayern diesmal dreihundert Sitzplätze haben.

"Bayerns Angstgegner"

Für die Gemeinde Drochtersen, zu der auch die touristisch geprägte Elbinsel Krautsand gehört, ist der Fußball schon im Normalbetrieb ein bedeutender Imagefaktor. Jetzt kommen noch Bilder in der Sportschau und auf Sky hinzu. "Das kann man mit Geld gar nicht messen", sagt Bürgermeister Eckhoff. "Aber das wichtigste ist, dass wir wieder ein Volksfest erleben wie gegen Borussia Mönchengladbach."

Im Gasthaus Schröder werden noch viel ältere Erinnerungen aufgefrischt. Am 8. März 1987 besiegte im fünfzehn Kilometer entfernten Freiburg/Elbe eine Regionalauswahl mit starker Beteiligung von Drochtersen/Assel in einem Testspiel den FC Bayern München mit 5:3. Die Bayern traten in Bestbesetzung mit Lothar Matthäus, Andreas Brehme und Dieter Hoeneß an. Kein Wunder, dass im Dorfkrug das Wort "Angstgegner" die Runde macht. "Weil die Bayern noch nie gegen Drochtersen gewonnen haben." Das hat selbst Fußballmuffel Schröder mitgekriegt.

17. - 20. August: 1. Runde im DFB-Pokal

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