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Der Kurs stimmt

DFB-Team löst WM-Ticket

Souverän hat die Nationalelf die WM-Qualifikation geschafft. Dabei hat der Weltmeister nicht nur seinen Erfolgshunger wiedergefunden, er verfügt auch über Variationsmöglichkeiten in allen Mannschaftsteilen. Das 3:1 in Nordirland war eine Demonstration der Stärke.

Die deutschen Nationalspieler freuen sich über den 3:1-Sieg in Nordirland
Die deutschen Nationalspieler freuen sich über den 3:1-Sieg in Nordirland Quelle: dpa

Es ist nicht davon auszugehen, dass Joachim Löw im schmucken Windsor Park sofort die Bilder identifiziert hat, die im putzigen Presseraum hängen. Da gibt es auf der einen Seite ja Gerry Armstrong, der nordirische Nationalheld der 80er Jahre, wie er bei der WM 1982 gegen Gastgeber Spanien das Siegtor schießt. Auf der anderen jubelt der Rekordtorschütze David Healy, der in der WM-Qualifikation 2006 gegen den Erzrivalen England trifft.

In einer eigenen Liga

Fast lebensgroße Reminiszenzen an historische Kapitel der nordirischen Fußball-Geschichte, und dem Bundestrainer war es ein besonderes Anliegen, nach dem souveränen 3:1-Erfolg in Belfast mit der nunmehr perfekten WM-Qualifikation auch die Verdienste des Verlierers herauszustellen. Kleines Land, große Leistung: So würdigte er sinngemäß den Gastgeber, der als Gruppenzweiter in die Playoffs zur WM 2018 geht. Löw: "In zwei Spielen können sie jedem Gegner weh tun."


Aber eben nicht seiner Mannschaft. Der Weltmeister hat den ärgsten Widersacher zweimal souverän in Schach gehalten. Jeweils von Anfang bis Ende, auch wenn der Ehrentreffer durch Josh Magennis (90. +3) noch einmal ohrenbetäubenden Lärm nicht nur auf dem West Stand auslöste, weil damit der Stolz der fröhlichen "Green and White Army“ hergestellt war. Aber ansonsten waren sich alle Augenzeugen an einem regnerischen Abend einig: Die DFB-Auswahl spielte in dieser Qualifikation in ihrer eigenen Liga. Oder wie Klassensprecher Mats Hummels mit Blickrichtung Russland herausstellte: "Wenn wir mit der Mannschaft, die wir haben, topfit in die WM gehen, dann werden wir auf jeden Fall einer der Favoriten sein.“

WM 2018: Qualifizierte Teams
WM 2018: Qualifizierte Teams Quelle: ZDF


Nicht mal ein Glas Rotwein

Auch Löw machte seinen Vertrauten ein Kompliment: "Die Bilanz fällt sehr positiv aus. Die Zielsetzung war, dass wir die Gruppe dominieren wollen, dass wir das kompromisslos durchziehen, dass wir keine Punkte abgeben. Das ist uns gelungen.“ Allerdings nur ausgesprochen kurz bedankten sich seine Spieler beim mitgereisten Anhang auf der grünen Insel, obgleich ja Peinlichkeiten von Pöbel-Publikum wie in Prag ausgeblieben waren.

Aber für die Protagonisten schmeckte der neunte Sieg im neunten Spiel, dem in Kaiserslautern gegen Aserbaidschan (Sonntag 20:45 Uhr) noch das i-Tüpfelchen aufgesetzt werden soll, eben allzu sehr nach Pflichterfüllung. Und auch der oberste Fußballlehrer des Landes, der stets das große Ganze im Blick hat, war nicht danach zumute, im Teamhotel unweit des berühmten Stormont Castle die Gläser klirren zu lassen. Auf die Frage, ob sich der badische Genussmensch gleich ein Glas Rotwein gönne, reagierte der 57-Jährige beinahe verstört. No, no, no. "Das wäre nicht professionell. Wir haben am Sonntag ein Spiel vor 30.000 Fans. Da wollen wir mit einem Sieg nachlegen.“

Chance für die Nachrücker

Selbst wenn also ausschweifende Feierlichkeiten ausblieben, wird im Fritz-Walter-Stadion die Elf ein ganz anderes Gesicht bekommen. "Es wird auf jeden Fall Wechsel geben", kündigte Löw an. Denn ab sofort ist Testcharakter angesagt, der Konkurrenzkampf, der im Sommer beim gewonnenen Confed-Cup so vorbildhaft funktioniert hat, soll ruhig weitergehen.

Im Detail hatte Löw vor dem Rückflug am Freitagnachmittag nach Frankfurt und der Weiterreise nach Mainz noch keine Änderungen im Kopf, doch dass nun Nachrücker wie Niklas Süle, Antonio Rüdiger oder Emre Can, Leroy Sane, Julian Brandt oder Lars Stindl eine Chance bekommen, gilt als sicher. Ähnlich experimentierfreudig wird der Weltmeistercoach sein, wenn seine Mannschaft in einem Monat im Wembleystadion gegen England (10. November) und vier Tage darauf in Köln voraussichtlich gegen Frankreich zu Testzwecken antritt.


Steigerungsbedarf gibt es noch

Was ein verbreiterte Personaltableau wert ist, war in Belfast bestens zu besichtigen. Marc-André ter Stegen im Tor oder Marvin Plattenhardt als Linksverteidiger taten einfach so, als gehörten sie schon immer dazu. Den stärksten Eindruck hinterließen indes zwei Torschützen: Sebastian Rudy mit einem krachenden Weitschuss (2.) und Sandro Wagner mit einem feinen Linksschuss (21.) stellten nicht nur früh die Weichen auf Sieg (Joshua Kimmich ließ später das 3:0 folgen), sondern waren auch die auffälligsten Akteure. Einen ehemaligen und aktuellen Hoffenheimer als Hoffnungsträger für die WM 2018 zu bezeichnen – darauf wäre vor einigen Jahren auch keiner gekommen.

Löw kann sich also wirklich mal selbst auf die Schulter klopfen, wie vielfältig und flexibel in jeder Hinsicht er das deutsche Aushängeschild gestaltet. Eigenlob gehört jedoch nicht unbedingt zu seinen Wesenszügen. Lieber stellte er am Ende seiner Ausführungen noch klar: "Wir müssen uns Richtung WM weiter verbessern. Da kommen andere Gegner auf uns zu. Es war absolut in Ordnung heute. Aber es gibt Spiele, da findet ein höheres Tempo und eine höhere Intensität statt.“ Niemand von den nordirischen Pressevertretern verstand das als Herabwürdigung der Qualitäten ihres Nationalteams. Deren Erfolge sind im Verhältnis fast genauso beachtlich. Und vielleicht kommt von der WM 2018 ja auch noch ein historisches Bildchen dazu.

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