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Özil erklärt Rücktritt aus der Nationalmannschaft

Fußball - DFB-Team

Mesut Özil tritt aus der Nationalmannschaft zurück. Der Weltmeister zog in einer Erklärung via Twitter die Konsequenzen aus der öffentlichen Kritik an seinen Fotos mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor der WM.

Mesut Özil
Mesut Özil Quelle: dpa

Zuvor hatte Özil den Deutschen Fußball-Bund und vor allem dessen Präsidenten Reinhard Grindel, deutsche Medien und Sponsoren für ihren Umgang mit ihm kritisiert. "Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre", schrieb Özil.

Über Wochen geschwiegen

Auslöser des Wirbels waren Bilder mit Erdogan bei einer Veranstaltung im Mai in London. In der Debatte, die vor und während der Weltmeisterschaft immer schärfer wurde, ging es bald auch um die Integration von Migranten und ihrer Nachkommen und um Fremdenhass. Während sich Nationalspieler Ilkay Gündogan, der sich ebenfalls mit Erdogan fotografieren ließ, kurz darauf äußerte, hatte Özil über Wochen geschwiegen. Die Diskussion hatte die WM-Vorbereitung der Nationalmannschaft überschattet und war auch während des Turniers in Russland ein Störfaktor.

Nach dem erstmaligen Aus der Nationalmannschaft in einer WM-Vorrunde hatten Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Grindel zuletzt gefordert, Özil solle sich öffentlich erklären. Beiden wurde daraufhin vorgeworfen, sie würden den 29-Jährigen zum Sündenbock für das Scheitern machen. Unter Joachim Löw galt Özil bis zur WM 2018 als einer der Lieblingsspieler des Bundestrainers.

Rücktritt nach 92 Länderspielen

Insgesamt bestritt Özil 92 A-Länderspiele für den DFB und wurde mit dem Team 2014 in Brasilien Weltmeister. Fünf Jahre zuvor hatte er mit der deutschen U21 den EM-Titel gefeiert. Bei der WM in Russland wurde Özil nach dem 0:1 gegen Mexiko zum Auftakt heftig kritisiert. Im zweiten Gruppenspiel beim 2:1 gegen Schweden ließ Löw ihn erstmals bei einem Turnier auf der Ersatzbank. Gegen Südkorea gehörte Özil dann wieder zur Startelf, konnte trotz einer guten Leistung das 0:2 und das WM-Aus aber nicht verhindern.

Dem Rücktritt vorausgegangen waren zwei erste Erklärungen Özils, die ebenfalls über dessen sozialen Medien verbreitet wurden. Er hätte unabhängig von Wahlen in der Türkei "das Bild trotzdem gemacht", schrieb Özil. Er habe sich zu dem Foto mit Erdogan aus Respekt vor dessen Präsidenten-Amt bereit erklärt - unabhängig von der Person. Eine politische Intention wies er zurück. Stattdessen verwies Özil auf seine Wurzeln. "Ich habe zwei Herzen, das eine ist deutsch, das andere türkisch", schrieb er. Hätte er sich geweigert, Erdogan zu treffen, hätte er diese Wurzeln verleugnet.

Scharfe Kritik an Reinhard Grindel

In einem zweiten Beitrag attackierte Özil den DFB und die Medien. Der Verband habe nichts dagegen unternommen, dass einer seiner Sponsoren ihn im Zuge der Erdogan-Affäre aus seiner WM-Kampagne genommen habe. Während DFB-Präsident Reinhard Grindel, den Özil namentlich zunächst nicht nannte, von ihm eine öffentliche Erklärung für das Foto gefordert habe, habe sich der Sponsor für Verfehlungen in der Abgas-Affäre nicht entschuldigen müssen. "Warum?", fragte Özil, "was hat der DFB zu all dem zu sagen?"

Im dritten Beitrag griff Özil dann Grindel direkt und scharf an. "Ich äußere mich jetzt nicht wegen Grindel, sondern weil ich es will. Ich werde nicht länger der Sündenbock für seine Inkompetenz sein", teilte Özil mit: "Ich weiß, dass er mich nach dem Bild aus dem Team haben wollte. Reinhard Grindel, ich bin sehr enttäuscht, aber nicht überrascht von ihrem Handeln."

Chronolgie der Erdogan-Affäre

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