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Letzter Akt im fantastischen Theaterstück

Sport - Letzter Akt im fantastischen Theaterstück

Vor dem Handball-Finale gegen Spanien sind alle deutschen Nationalspieler fit, erklärt Teammanager Oliver Roggisch. "Richtung Finale gehen die Spieler 110 Prozent aus sich heraus", so Roggisch weiter.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 29.01.2017, 23:00

Wieder Spanien. Im Auftaktspiel verloren die deutschen Handballer noch deutlich. Im Finale um die 12. Europameisterschaft heute (17.30 Uhr/ARD) gegen den gleichen Gegner geht es für die Sensationsmannschaft darum, noch einmal alles auszublenden.

Es ist jetzt zwei Wochen her, dass Spanien, einer der Turnierfavoriten, im Auftaktspiel bei dieser EM die deutschen Handballer recht souverän mit 32:29-Toren besiegte. Damals war Arpad Sterbik, der große Torhüter der Iberer, voller Respekt vor der Leistung der jungen Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Das ist die Mannschaft für die Medaillen in den nächsten Jahren“, sagte der 36-Jährige in Breslau.

Nun sind sie immer doch da, diese blutjungen Deutschen. „Das ist eine Überraschung, für alle“, findet Joan Canellas, der spanische Rückraumstar des THW Kiel, am Tag vor dem Finale in der riesigen Tauron Arena in Krakau (Sonntag, 17.30 Uhr/ÀRD). „Wir haben viel Erfahrung, die Zukunft liegt noch vor Deutschland, sie sollen noch ein bisschen auf einen Titel warten.“

Unbekümmert ins Spiel

Fans bejubeln die deutsche Handball-Nationalmannschaft
Fans feiern ihre Mannschaft Quelle: imago

Aber diese jungen Deutschen, sie wollen nicht warten. „Am Sonntag baumelt eine Goldmedaille um meinen Hals“, das hat Torwart Andreas Wolff (HSG Wetzlar), dessen großes Idol übrigens dieser Sterbik ist, nach dem dramatischen 34:33-Sieg im Halbfinale gegen Norwegen schon mal mitgeteilt. „Jetzt wollen wir das Ding auch reißen“, sagt Hendrik Pekeler, der Kreisläufer der Rhein-Neckar-Löwen. „Die Spanier sind sehr erfahren. Aber sie haben sicher mehr Probleme als wir“, sagte der 24-jährige mit einem Lächeln. „Wir gehen völlig unbekümmert in das Spiel.“
 
Pekeler ist wohl bewusst, was da gerade in der Heimat passiert. In Glückstadt an der Elbe, wo er aufgewachsen ist, „sitzt inzwischen die ganze Stadt vor dem Fernseher, es ist ein Wahnsinn“. Die Zugriffe auf seinen Facebook-Account sind während des Turniers um mehr als das Dreifache gewachsen. Und natürlich geht an den Spieler nicht vorbei, dass die Bundeskanzlerin am Samstag den Bundestrainer Dagur Sigurdsson anrief, um zum beherzten Auftritt zu gratulieren.

Schmaler Grat zwischen Elan und Übermut

Tobias Reichmann (09), Jannik Kohlbacher (48), Kai Häfner (25) und Martin Strobel (19)
Finale! Jubel nach dem Sieg gegen Norwegen Quelle: imago

„Am besten wäre es, wenn diese Mannschaft gar nicht mitkriegt, was hier passiert“, sagt Teammanager Oliver Roggisch. Die Frage ist, ob Greenhorns wie Kai Häfner (Hannover) oder Finn Lemke (Magdeburg) noch einmal über 60 Minuten alles Nebensächliche ausblenden können. „Wir müssen einen klaren Kopf bewahren, das ist das Wichtigste“, sagt Bundestrainer Dagur Sigurdsson, der Vater dieses handballerischen Rausches in Polen.
 
Wie schmal der Grat zwischen Leidenschaft, Elan und Übermut im Leistungshandball ist, das haben die verheerenden zehn Minuten im Auftaktspiel demonstriert, als die Spanier einen 9:11-Rückstand in eine 18:11-Führung verwandelten und damit schon vor der Pause die Partie entscheiden.. „Wir dürfen nicht überpacen“, sagte Sigurdsson. Bei allem Sturm und Drang, den die jüngste Mannschaft des Turniers verkörpert – ohne Abgeklärtheit und Coolness lässt sich ein solches Finale nicht gewinnen.

EM als surreales Theaterstück

Es wäre eine der größten Sensationen in der Handballgeschichte, sollte diese Truppe, die zahllose Verletzte kompensiert hat, auch noch diese abgezockten Spanier schlagen. Torwart

Carsten Lichtlein (Gummersbach), der erfahrenste deutsche Profi, der 209 Länderspiele lang auf diese Chance gewartet hat, sagt: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn wir dieses Spiel auch noch gewinnen sollten. Ich glaube, dann breche ich nach dem Abpfiff zusammen.“
 
Aber andererseits hat man sich auch schon viele andere Dinge, die bei der EM passiert, nicht vorstellen können. Vorhang auf zum letzten Akt in diesem Theaterstück, das man vor dieser EM als surreal bezeichnet hätte.

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