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Die Baustellen für den neuen DFB-Boss

Fritz Keller findet mit seiner Ernennung zum Präsidenten des Deutschen-Fußball-Bunds reichlich Arbeit vor. Gleichwohl dürfte der Winzer aus dem Breisgau in Frankfurt in weniger Fettnäpfchen treten als seine Vorgänger.

Fritz Keller
Fritz Keller soll am Freitag zum neuen DFB-Präsidenten gewählt werden.
Quelle: dpa

Es waren nur ein paar Schaufeln Dreck, die Direktor Oliver Bierhoff gemeinsam mit den anderen Präsidiumskollegen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) am 3. Mai dieses Jahres auf dem Gelände der ehemaligen Frankfurter Galopprennbahn in die Luft schleuderten. Beim Spatenstich für die neue Heimat des größten deutschen Sportverbandes hatten die Erdarbeiten ja erst begonnen, aber wenn nun sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel das 15 Hektar große Areal  im Stadtteil Niederrad zur Grundsteinlegung der DFB-Akademie besucht, ist die Baugrube ein bisschen größer. Nicht nur ein Mann wie Fritz Keller würde glatt darin versinken.

Der noch amtierende Klubchef des SC Freiburg tritt mit einer Aufgabe an, die ein bisschen an das 150 Millionen Euro teure Leuchtturmprojekt erinnert: Der Winzer und Gastronom aus dem Breisgau soll tiefe Gräben zwischen Amateur- und Profilager schließen und ein tragfähiges Fundament für die Zukunft legen. Der WM-Skandal 2006 und das WM-Desaster 2019 sind ebenso wie die unglückliche Figur Reinhard Grindel Meilensteine der Sinnkrise.

Der Neue will keine One-Man-Show

Dass der 62-Jährige den Kulturwandel nicht alleine bewerkstelligen kann, versteht sich von selbst. Aber Kellers Vorstellung bei den Vertretern der Regional- und Landesverbänden kam vor einem Monat in Berlin  gut an. "Eine One-Man-Show wird es nicht geben. Es geht für den Verband vor allem darum, Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückzugewinnen." In der Gesellschaft. Und gegenüber der Politik.

Der Genussmensch ist gut vernetzt. Das sieht man nicht zuletzt daran, dass Keller als Gastgeber des Kaiserstühler Gesprächskreises renommierte Politiker, darunter vor ihrer erneuten Wiederwahl auch die Kanzlerin, nach Freiburg lockt. Auf den gerne unterschätzten Keller hatte sich bekanntlich kein Männerzirkel bei einer fröhlichen Wirtshausrunde verständigt, sondern ihn hatte die sechsköpfige Findungskommission von DFB und DFL gemeinsam mit einer Personalberatungsagentur auserkoren.

Bei der Nationalmannschaft nichts zu sagen

Die Liga-Vertreter reagierten auf diesen Kandidaten - gemessen am Feedback auf die Beförderung des damaligen Schatzmeister Grindel - beinahe euphorisch. Der weitgehend unbelasteten Persönlichkeit wird zugetraut, den krisengeschüttelten Verband wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen. Die Grundbedingungen dürften es ihm anfangs einfacher machen. Durch die Änderung des Paragrafen 34 wird der oberste Dienstherr die Gesamtverantwortung und Richtlinienkompetenz los.

Statt dessen "leitet er die Verhandlungen des Präsidiums und koordiniert die Arbeit der Mitglieder des Präsidiums". Ein deutlicher Unterschied. Dazu ist der Präsident nicht mehr für die Belange der Nationalmannschaft zuständig. Angenommen,  der Keller gut bekannte Bundestrainer Joachim Löw sollte auch die EM 2020 in der Vorrunde in den Sand setzen, muss Bierhoff als neuer Geschäftsführer Sport der DFB GmbH die Folgen verantworten.

Ämter zwischen DFB, UEFA und FIFA werden getrennt

Der wirtschaftlich unabhängige Keller dürfte gutheißen, dass dieser Institution unter Führung des Generalsekretärs Friedrich Curtius der gesamte Geschäftsbetrieb übertragen werden soll, um bei einem Haushaltsvolumen von 371 Millionen Euro in 2018 die Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden. Und auch die auseinanderdriftenden Interessen zwischen DFB, UEFA und FIFA münden für ihn nicht in unlösbaren Konflikten, weil sich die Ämter künftig nicht mehr in einer Person bündeln; daran waren neben Grindel ja auch Wolfgang Niersbach und in Teilen Theo Zwanziger gescheitert. Es wäre in der Politik schließlich auch unmöglich, drei Parteien von links nach rechts zu dienen. Keller wird nur aufpassen müssen, dass er sich mit dem Vizepräsidenten und Amateurvertreter Rainer Koch gut stellt, der den DFB in absehbarer Zeit bei UEFA und FIFA vertreten soll.

Schwierig könnte es angesichts der Machtbeschneidung werden, dauerhafte Akzente zu setzen. Keller wird am Freitag als Erstes die Lizenzvereine an die Verantwortung für den Frauenfußball erinnern. Der SC Freiburg macht schließlich vor, dass ein ähnlich geartetes Nachwuchskonzept für einen Männer- und Frauen-Bundesligisten sehr wohl funktionieren kann. Am Rande einer Ehrungsveranstaltung für den deutschen Nachwuchs erklärte der designierte DFB-Boss sehr deutlich, dass er vor einer Verpflichtung für die Klubs im Rahmen der Lizenzierung nicht zurückschreckt. Im internen Umgang ist Keller aber gut beraten, sein bisweilen überschäumendes Temperament und seine dann zu schroffe Tonart zu zügeln. Davon haben die mehr als 400 Mitarbeiter nämlich unter seinem Vorgänger genug gelitten.

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