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Die Spiele werden zur Farce

Eine Olympia- und eine Russland-Flagge

Sport - Die Spiele werden zur Farce

Das IOC will Russland trotz Staatsdopings zu Olympia zulassen. Die Verbände sollen darüber befinden, ob die Athleten als "sauber" zugelassen werden oder nicht. Eine höchst problematische Entscheidung.

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Das IOC hat entschieden, nicht zu entscheiden. Und wird dadurch Doping zum Dauerthema für die Olympischen Spiele machen. Die ersten Verbände haben bereits verlautbart, Russlands Athleten seien willkommen in Rio. So wie der Präsident des Judo-Weltverbandes.

Wo ist da noch die Rede von der Bringschuld der Athleten, dem selbst geführten Nachweis, nicht dem staatlichen Dopingsystem angehört zu haben? Und: was wäre jetzt ein aktueller Dopingtest ohne positiven Befund überhaupt wert, durchgeführt von einer unabhängigen Instanz? Gar nichts!  Die meisten Vertreter der internationalen Spitzenverbände werden versuchen, zur Tagesordnung überzugehen. Wenn sie sich da mal nicht verkalkulieren!

Peter Leissl
Peter Leissl Quelle: ZDF

Trübe Statistiken

Kollektiv-Bestrafung solle vermieden werden, der Schutz des sauberen Athleten stehe über allem. Vordergründig sind das hehre Motive. Doch IOC-Präsident Thomas Bach und seine Spitzenfunktionäre aus dem Exekutivkomitee werden nun Tag für Tag gemessen werden an diesen Aussagen. Jeder russische Starter bei den Spielen wird von Medien und Mitstreitern mit  trüben Statistiken konfrontiert werden. Zwischen 2012 und 2015 sind 643 positive Proben aus 30 Sportarten verschwunden und damit negativ geworden, meldet der McLaren Report.  Vom groß angelegten Betrug im Dopinglabor während der Winterspiele von Sotschi ganz zu schweigen.

Historische Zerreißprobe

Wo kann da noch befreit gejubelt werden, wenn in  12 Tagen die ersten Medaillen verteilt werden? Wir Fernsehreporter stecken in der größten Klemme: der TV-Zuschauer erwartet von uns mitreißende Reportagen. Wie soll das noch gehen?


Die Zeit bis dahin wird geprägt sein von weiteren desillusionierenden Meldungen. Die Öffentlichkeit wartet mit Recht auf die Namen der 45 durch Nachtests nachgewiesenen positiven Proben von Peking 2008 und London 2012. Das Ergebnis der B-Proben steht noch aus.  Bislang freute es die Oberen des IOC noch immer, dass sich der Fokus mit Beginn der Spiele auf begeisternde Wettkämpfe verschob.  In Rio wird das erstmals anders sein. Die olympische Bewegung steht vor ihrer historisch größten Zerreißprobe. Und die Spiele drohen zu einer Farce zu werden.

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