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Die Torhüter-Ampel

Fußball - WM-Qualifikation, Gruppe C: DFB-Team

Die Abwesenheit von Manuel Neuer ist fast zum Normalfall bei der deutschen Nationalmannschaft geworden. Als erster Herausforderer hat sich Marc-André ter Stegen durchgesetzt, der auch im vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Belfast gegen Nordirland (Donnerstag, 20:45 Uhr) das deutsche Heiligtum hütet.

Andreas Köpke und Marc Andre ter Stegen (r.) im Training
Andreas Köpke und Marc Andre ter Stegen (r.) im Training Quelle: imago/Eibner

Große Unterscheidungsmerkmale bietet die Arbeitskleidung der deutschen Torhüter auf den ersten Blick nicht. Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Kevin Trapp tragen bei den Übungseinheiten der Nationalmannschaft alle denselben schwarzen Trainingsanzug, der sich eng an die athletischen Körper anschmiegt.

Grünes Licht für den gebürtigen Gladbacher

Und doch lässt sich jeder einzelne aus dem Torwarttrio irgendwann leicht identifizieren: Der beim FC Barcelona angestellte ter Stegen trägt knallgrüne Schuhe und Handschuhe, der von Bayer Leverkusen entsandte Leno hat diese Kombination in gelb-orange gewählt und der bei Paris St. Germain meist auf der Bank sitzende Trapp hat diese Utensilien in feuerrot übergestülpt. Irgendwie ein gutes Sinnbild.

Denn seitdem Manuel Neuer, imaginär mit dem Titel „bester Torwart der Welt“ versehen, nunmehr schon seit einem Jahr bei der DFB-Auswahl fehlt, ist die Ampel allein für ter Stegen auf Grün gesprungen. Der 25-Jährige ist erster Herausforderer des Stammtorwarts und wird auch im vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Belfast gegen Nordirland (Donnerstag, 20:45 Uhr) das deutsche Heiligtum hüten. Die anderen müssen warten. Wie bei gelbem oder rotem Warnlicht.

Zunächst war die Torwart-Frage offen

Als das Trio sich in dieser Konstellation Anfang Juni für ein Freundschaftsspiel in Dänemark, ein WM-Qualifikationsspiel gegen San Marino und den anstehenden Confed-Cup versammelte, galt die Rangfolge unter den drei Kronprinzen noch als völlig offen. Dann wurde Trapp (27) in seinem ersten und bislang einzigen Länderspiel zwar in Kopenhagen, aber eben nicht in Sotschi, Kasan oder St. Petersburg eingesetzt.

Und als Leno (25) beim Confed-Cup-Auftakt gegen Australien patzte, bekam ter Stegen das Vertrauen, das er vor allem beim Finalsieg gegen Chile zurückzahlte. Folgerichtig stand der Keeper, der mit dem FC Barcelona in sieben Liga-Spielen erst zweimal hinter sich greifen musste, auch bei den WM-Qualifikationsspielen im September in Tschechien (2:1) und gegen Norwegen (6:0) zwischen den Pfosten.

Köpke hält viel von Ter Stegen

„Marc verkörpert genau das offensive Torwartspiel, das wir bei der Nationalmannschaft brauchen“, erklärte Köpke, „und dass er in Barcelona inzwischen die unangefochtene Nummer eins ist, gibt ihm zusätzliches Selbstvertrauen.“ Der Ex-Nationaltorwart gilt als erklärter Förderer des gebürtigen Gladbachers und sah über die teils grotesk anmutende Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei Premieren-Einsätzen im Trikot mit dem Bundesadler hinweg.

Heute versichert Köpke: „Ich bin sehr froh, dass Marc nach seinem wackligen Start in der Nationalmannschaft angekommen ist.“ Gelingt dem blonden Ballfänger nun auch im stimmungsvollen Windsor Park in seinem 17. Länderspiel eine fehlerlose Darbietung, wäre das die beste Eigenwerbung. Vielleicht sogar im Hinblick auf die WM 2018.

Löw in weiser Voraussicht

Ist wirklich sicher, dass Neuer bis dahin wieder fit ist? Erst vor einem Monat hatte der Bayern-Torhüter nach dem Bundesligaspiel in Bremen eine Beschwerde vorgetragen, warum er denn nicht direkt nach seinem Bundesliga-Comeback bei der DFB-Auswahl sein dürfe, um die dringend nötige Spielpraxis zu sammeln.

Rückblickend war die Vorsicht des Bundestrainers sehr weise. Hätte der 31-Jährige sich die dritte Fußverletzung nicht im Abschlusstraining vor dem Bundesligaspiel beim FC Schalke 04 geholt, sondern bei der Nationalmannschaft zugezogen, wäre der Aufschrei der Bayern-Bosse wohl gewaltig gewesen.

Neuerliche Operation ein Alarmsignal

Neuer fehlt noch wochenlang und wird auch die Testspiele im November gegen Frankreich oder die Niederlande und voraussichtlich in England versäumen. Ob im linken Mittelfuß eine latente Schwachstelle vorliegt, weiß niemand. Doch dass kürzlich erneut eine Operation erforderlich war, als alles ausgeheilt schien, muss wie ein Alarmsignal wirken.

Neuer sei „zum Glück der Typ, der nicht so viel Spielpraxis braucht, er findet nach einer Pause schnell wieder Anschluss“, versichert Köpke. Vor der WM 2014 sind die Bilder ja unvergessen, wie der aus dem DFB-Pokalfinale mit einer eingerissenen Kapsel an der Schulter lädierte Tormann der Nation nur einfachste Übungen absolvierte, die nicht vermuten ließ, so einer könne zum WM-Helden werden. Aber Neuer schaffte es.

Auch Neuer hatte zu Beginn von Ausfällen profitiert

2010 lief die Geschichte anders herum – da hatte der damalige Schalker von den Turbulenzen im deutschen Tor profitiert. Erst beging Robert Enke Selbstmord, dann brach sich René Adler die Rippen. Das junge Talent Neuer, zuvor U21-Europameister geworden, nutzte die Chance sofort. Auch 2006 bot die T-Frage viel Gesprächsstoff: Dass sich Jürgen Klinsmann damals für Jens Lehmann entschied, Oliver Kahn aber beim Spiel um Platz drei doch noch würdevoll verabschiedet wurde, war das heimliche Rührstück des Sommermärchens. Spannend, welche Torwartgeschichte nun mit der WM 2018 verknüpft wird.

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