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IOC: Kein Komplett-Ausschluss von Russland

Sport - IOC: Kein Komplett-Ausschluss von Russland

Russlands Sportler sind erleichtert, dass das IOC keinen generellen Bann für Rio verhängt hat. "Große Euphorie ist aber nicht zu erwarten", sagt ZDF-Korrespondent Bernhard Lichte in Moskau.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.07.2017, 14:24

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf eine Sperre aller russischen Sportler bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) verzichtet. Das gab das IOC im Anschluss an eine Telefonkonferenz des 15-köpfigen Exekutiv-Komitees unter der Leitung des deutschen Präsidenten Thomas Bach bekannt.

Sportler, die gegenüber ihren jeweiligen Weltverbänden den Nachweis erbringen können, nicht in das russische Staatsdopingsystem involviert gewesen zu sein, dürfen in Rio starten. Laut Bach liegt es nun vor allem an den einzelnen internationalen Sommersportverbänden in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Sportgerichtshof CAS, darüber zu befinden, ob einzelne russische Athleten in den jeweiligen Sportarten antreten dürften oder nicht.

Entscheidung sollte ausgewogen sein

"Die IOC-Exekutive stand vor einer sehr schwierigen Entscheidung. Wir mussten die Konsequenzen aus dem McLaren-Report ziehen. Wir mussten dabei die Balance finden zwischen der Gesamtverantwortung und dem Recht des Einzelnen, um jedem Athleten gerecht zu werden", sagte Bach nach der Verkündung der Entscheidung in einer Telefonkonferenz: "Jeder muss die Chance haben, auf die Anschuldigungen zu reagieren, es gilt die Unschuldsvermutung. Deswegen haben wir strenge Kriterien entworfen, die jeder russische Sportler erfüllen muss, wenn er an den Olympischen Spielen teilnehmen will."

"Die Entscheidung wird sicher nicht jedem gefallen, aber es geht um Gerechtigkeit. Die Entscheidung respektiert das Recht eines jeden sauberen Athleten auf der ganzen Welt", begründete Bach den Beschluss kurz nach der Verkündung auf einer Telefonkonferenz. und fügte hinzu: "Die Botschaft ist eindeutig. Es wird eine Gesamtverantwortung angenommen angesichts der üblen Anschuldigungen, aber es soll auch eine Ermutigung für alle sauberen Athleten sein. Man kann im russischen Sport ein Vorbild sein, wenn man sauber ist."

Reaktion auf CAS-Beschluss

Das IOC reagierte mit seinem Beschluss auf die Ergebnisse des McLaren-Reports, der am vergangenen Montag enthüllt hatte, dass es in Russland "mindestens von Ende 2011 bis August 2015" ein staatlich organisiertes und überwachtes Doping-System gegeben habe.

Russland zeigte sich zufrieden. "Das ist eine rechtmäßige Lösung", sagte der Chef des Sportausschusses im russischen Parlament, Dmitri Swischtschjow. "Aber solche Entscheidungen sollten nicht nur in Bezug auf russische Athleten, sondern auf Sportler in der ganzen Welt getroffen werden." Dann wäre das Problem Doping endgültig ausgerottet, sagte er der Agentur Tass zufolge in Moskau.

Putin mit ersten Maßnahmen

Demonstrativ hatte Kremlchef Wladimir Putin zuletzt die Gründung einer neuen Anti-Doping-Kommission in Russland angekündigt - womöglich auch, um einem Komplett-Bann zu entgehen. Die Leitung der Kommission soll vermutlich der 81-jährige Witali Smirnow übernehmen, der seit 45 Jahren IOC-Mitglied ist. "Er hat einen absolut tadellosen Ruf und genießt das Vertrauen der olympischen Familie", sagte Putin der Agentur Interfax zufolge.

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