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Ein Schlag gegen den Anti-Dopingkampf

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Sport - Ein Schlag gegen den Anti-Dopingkampf

Das IOC will Russland trotz Staatsdopings zu Olympia zulassen. Die Verbände sollen darüber befinden, ob die Athleten als "sauber" zugelassen werden oder nicht. Eine höchst problematische Entscheidung.

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Mit der Entscheidung, Russland nicht von den Olympischen Spielen auszuschließen, schadete das IOC nicht nur den Olympischen Spielen. Mit dem Ausschluss von Julia Stepanowa warf es den Anti-Dopingkampf um Jahre zurück.

Die Nachricht war noch gar nicht offiziell, doch russische Medien machten aus ihrer Freude keinen Hehl. Gut eine Stunde, bevor das IOC seine Entscheidung offiziell verkündete, nicht die gesamte russische Mannschaft von den in zwei Wochen beginnenden Spielen in Rio auszuschließen, veröffentlichten diese ihre ersten Meldungen.

Diese vorzeitigen Erfolgsmeldungen offenbaren, mit welch großer Spannung man in Russland auf die Entscheidung des IOC-Präsidiums gewartet hat. Spätestens als der Internationale Sportgerichtshof (CAS) am vergangenen Donnerstag die Klage von 68 russischen Leichtathleten abgewiesen hat, trotz der Suspendierung durch den Leichtathletik-Weltverband IAAF in Rio starten zu dürfen, wurde in Russland die Sorge größer, dass nicht nur die Leichtathleten wegen systematischen Dopings von den diesjährigen Spielen ausgeschlossen werden, sondern auch der Rest der russischen Olympiamannschaft. Eine Sorge, die nicht ganz unbegründet war.

Erleichterung in Russland

Doch trotz des Urteils des CAS - zu einem Olympia-Bann des gesamten russischen Teams konnte sich das IOC nicht durchringen. Stattdessen beschloss man, die einzelnen internationalen Sportverbände über die Starterlaubnis für russische Athleten in Rio entscheiden zu lassen. Das IOC-Exekutivkomitee gab lediglich einige Kriterien vor, welche die Sportler erfüllen müssen. Demnach müssen die Athleten ihren jeweiligen Verbänden nachweisen, nicht in das russische Dopingsystem involviert gewesen zu sein, und niemals zu einer Dopingsperre verurteilt worden sein.

Dementsprechend erleichtert sind in Russland die Reaktionen auf die Entscheidung des IOC ausgefallen. "Ich bin glücklich über diese Entscheidung", erklärte beispielsweise Aleksandr Lesun, zweifacher Weltmeister im Modernen Fünfkampf. "Ich bin dem Internationalen Olympischen Komitee für die getroffene Entscheidung dankbar", verkündete wiederum der russische Sportminister Witali Mutko, ohne jedoch den in den letzten Monaten vom Russland so gepflegten Opfermythos zu vergessen. "Wir werden für einen sauberen Sport kämpfen. Nur uns zu kritisieren, scheint mir nicht ganz korrekt." Dass auch sein Sportministerium in das Dopingsystem tief involviert war, wie der am Montag vergangener Woche veröffentlichte McLaren-Bericht bewies, erwähnte Mutko jedoch nicht.



Strafe für die Whistleblowerin

Leichtathletik: Julia Stepanowa
Leichtathletik: Julia Stepanowa Quelle: dpa

Kritik an der Entscheidung des IOC gab es dagegen von anderen Verbänden und Anti-Doping-Agenturen. "Ich halte die Entscheidung für problematisch, hier entsteht leicht der Eindruck, dass politische Rücksichtnahmen höher gewichtet worden sind als die Frage der Glaubwürdigkeit des Sports", erklärte beispielsweise Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Wenig Verständnis zeigte auch die hiesige NADA. "Die Entscheidung lässt leider viele Fragen offen und schwächt dadurch das Anti-Doping-System", heißt es in einer Stellungnahme der deutschen Anti-Doping-Agentur, die sich schon vor einer Woche zusammen mit anderen nationalen Anti-Doping-Agenturen und Sportlerverbänden für einen Gesamtausschluss Russlands aussprach.

Dass das Urteil des IOC tatsächlich als ein Schlag gegen den Anti-Dopingkampf interpretiert werden kann, zeigt die Entscheidung bezüglich Julia Stepanowa. Die Leichtathletin, die mit ihren Aussagen und Beweisen den Dopingskandal ins Rollen brachte, wurde von der Ethikkommission des IOC für ihre Bemühungen zwar gelobt, doch der Olympia-Start unter neutraler Flagge wurde ihr von diesem trotzdem verweigert. "Da sie selbst Teil des Dopingsystems war, welches sie anprangert", heißt es in der Erklärung. Eine Entscheidung, die in Russland, wo Stepanowa als Verräterin angesehen wird, mit Genugtuung aufgenommen wird, und für die nahe Zukunft wahrscheinlich alle anderen möglichen Whistleblower zum Schweigen bringt.



Möglicher Start einer Doperin

Stattdessen könnte man in Rio die Schwimmerin Julia Jefimowa sehen. "Wissen Sie, wenn sie einen Führerschein haben, fahren sie irgendwann auch mal zu schnell, dann bekommen sie ein Ticket", erklärte die mehrfache Welt- und Europameisterin vor einem Jahr lapidar einem ZDF-Reporter, als dieser sie auf ihre 16-monatige Dopingsperre von 2014 ansprach. Dass die Schwimmerin trotzdem in Rio an den Start geht, davon ist man in Russland nicht nur deshalb überzeugt, weil Jefimowa in Los Angeles lebt. "Nach vielen gemeinsamen Projekten ist der Weltschwimmverband Fina unser Partner. Und seine Führung ist unser guter Freund", sagte der dreifache Schwimm-Olympiasieger Dimitri Wolkow selbstbewusst den russischen Medien.

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