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Dopingsperren - alle Klarheiten beseitigt

Nach den lebenslangen Olympia-Sperren für russische Wintersportler sind sich die Fachverbände uneins, wie sie damit umgehen. Die entscheidende Frage lautet: Was genau steht in der Urteilsbegründung des IOC?

Maxim Wylegschanin
Maxim Wylegschanin Quelle: Imago

Das internationale Olympische Komitee (IOC) macht es spannend. Knapp drei Jahre nach den Berichten über das russische Dopingsystem hat das IOC zuletzt lebenslange Olympiasperren gegen russische Wintersportler ausgesprochen. Betroffen sind bislang sechs Langläufer und vier Skeleton-Piloten.

Für Klarheit ist damit aber längst nicht gesorgt, im Gegenteil. Die betroffenen Fachverbände haben völlig unterschiedlich auf die IOC-Sanktionen reagiert.

Weitere lebenslange Sperren

Langläufer dürfen, Skeletonis nicht

Während der Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF die betroffenen Athleten vorläufig sperrte, verzichtet der Ski-Weltverband FIS auf eine Sperre der sechs russischen Langläufer. So durften Maxim Wylegschanin und Jewgeni Below am Freitagmorgen im finnischen Kuusamo ihr Weltcup-Comeback geben, schieden beim Klassiksprint allerdings jeweils in der Qualifikation aus.

Die IBSF sicherte den suspendierten Skeletonis ein Recht auf eine Anhörung zu. Die FIS dagegen verzichtete auf eine weitere Sperre der russischen Skilangläufer, weil man zunächst warten müsse, "bis die mit Begründungen versehene Entscheidung der IOC-Disziplinarkommission vorliegt".

Begründung noch unter Verschluss

Die Athleten waren bis zum 31. Oktober suspendiert - eine Sperre, die der Internationale Sportgerichtshof (CAS) auf Grund der laufenden Disziplinarverfahren akzeptiert hatte. Darüber hinaus könnten die Sperren jedoch nur dann aufrechterhalten werden, wenn klare Beweise für Vergehen vorlägen, urteilten die Richter im vergangenen Jahr. Das IOC jedoch hält die Begründung für seine Entscheidung noch unter Verschluss.

Am Freitag hieß es, dass die Urteilsbegründung für den ersten Fall am Montag veröffentlich werden soll. Die betroffenen Verbände, so ein IOC-Sprecher, hätten jedoch "bereits alle Beweise erhalten. Und sie hatten die Möglichkeit, an den Anhörungen teilzunehmen."

Alles rechtssicher?

Dennoch scheint die rechtliche Lage weiterhin so unklar, dass unterschiedliche Verbände zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Die Frage ist ja: Wurden doch noch verbotene Substanzen in den Proben der Betroffenen gefunden? Oder, was wahrscheinlicher ist, wurde "rechtssicher" eine Manipulation der Proben bei den Winterspielen 2014 in Sotschi nachgewiesen?

Rechtssicherheit ist dem IOC besonders wichtig in dieser Sache. Ohne Rechtssicherheit keine Strafen, hatte es lange geheißen. Das hatte an den Nerven vieler Athleten aus anderen Ländern gezehrt. Denn der Betrug im Kontrolllabor von Sotschi hat ja offenbar stattgefunden. Das Loch in der Wand. Die Kratzspuren an den Urinbehältern. All das ist bekannt, auch wenn Russland sich noch immer gegen die Vorwürfe wehrt.

Russland wird sich wehren

Schon jetzt steht fest, dass Russland die Sperren des IOC vor dem CAS anfechten wird. Und weder beim IOC noch bei den Fachverbänden ist man sich offenbar sicher, wie das ausgehen wird.

Zumindest scheint das IOC Beweise für schwerwiegenden Betrug gefunden zu haben, ein lebenslanger Olympia-Bann ist immerhin die härtest mögliche Strafe. Ob daraus auch resultiert, dass die gesamte russische Mannschaft von den Olympischen Winterspielen 2018 ausgeschlossen wird, ist ebenfalls weiterhin unklar.

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