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Durchmarsch à la Paderborn

Fußball - 2. Bundesliga, 34. Spieltag

Der SC Paderborn wird seinem Ruf gerecht und wechselt auch in diesem Jahr wieder die Spielklasse. Diesmal geht es für die Ostwestfalen auf direktem Weg hinauf in die Bundesliga, zum zweiten Mal nach 2014. Daran hat auch das abschließende 1:3 in Dresden nichts geändert.

Die Spieler vom SC Paderborn feiern auf dem Spielfeld in Dresden
Der SC Paderborn feiert - trotz Niederlage in Dresden
Quelle: Imago

Bei ihrem ersten Coup vor fünf Jahren hatten die Paderborner ihr Glück noch selbst auf den Füßen, diesmal aber wanderten ihre bangen Blicke im Stadion von Dynamo Dresden nach Bochum. Dort hatte Konkurrent Union Berlin aus einem 0:2 kurz vor Schluss binnen drei Minuten ein 2:2 gemacht. Ein weiterer Treffer hätte die Köpenicker direkt ins Fußball-Oberhaus katapultiert. Doch der gelang ihnen nicht – deshalb müssen sie in der Relegation nun gegen den Bundesliga-16. Stuttgart antreten.

Zwei Minuten Nägel kauen

Ich hasse Niederlagen, aber die heute ist mir egal.
Steffen Baumgart

Den Kickern aus Paderborn, die nach ihrer 1:3-Niederlage in Sachsen noch zwei Minuten auf den Nägel kauen mussten, ehe auch in Bochum Schluss war, bleibt diese Psycho-Tour erspart. Stattdessen wurden in Dresden flugs die Aufstiegsshirts hervorgeholt. Angreifer Sven Michel stammelte selig: „Dass ich mit 29 Jahren noch mal in die Bundesliga komme, ist unglaublich. Da brauche ich ein paar Tage, um das zu verstehen.“ Und Trainer Steffen Baumgart gab einen Stoßseufzer von sich: „Ich hasse Niederlagen, aber die heute ist mir egal.“

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass aufgeregte Paderborner Fans vor dem Rathaus der Stadt demonstrierten. „Lasst den SCP nicht untergehen!“ lautete damals die Botschaft auf ihrem Transparent. An diesem Montag wird es an derselben Stelle ab 19 Uhr wieder einen Menschenauflauf geben – in Ermangelung eines Rathausbalkons steigt die Party dann auf einer Bühne.

Zwei blaue Augen und Kieferbruch

Zwei Bundesliga-Aufstiege in fünf Jahren – das klingt nicht ungewöhnlich. Außergewöhnlich ist allerdings, was in dieser Zeit geschah. Von ganz oben – im September 2014 reiste Paderborn mal als Bundesliga-Spitzenreiter zu den Bayern – bis sehr weit unten war in diesen Jahren alles dabei. Und der bittere Gang in die Regionalliga blieb dem sportlich abgestiegenen Klub im Mai 2017 nur erspart, weil 1860 München keine Lizenz für die dritte Liga erhielt.

„Wir hatten damals ein doppelt blaues Auge mit Kieferbruch“, zeichnet Markus Krösche ein sehr anschauliches Bild vom damaligen Zustand des SCP. Als der Klub am 11. Mai 2014 mit dem 2:1 gegen den VfR Aalen vor eigenem Publikum erstmals die nationale Beletage enterte, war dies für den gebürtigen Hannoveraner zugleich das letzte Spiel in seiner aktiven Laufbahn gewesen.

Radikaler Umbau

Zwischenzeitlich Co-Trainer von Roger Schmidt in Leverkusen, kehrte er im März 2017 als Geschäftsführer Sport nach Paderborn zurück. Einen Monat später engagierte er Baumgart („Aufsteigen – das ist so geil“) als Chefcoach. Und dank des Glücksfalls mit 1860 nahm die ostwestfälische Achterbahn mit diesem Führungs-Duo wieder Kurs nach oben.

Krösche und Baumgart verband die Vorstellung von einem mutigen, dominanten Offensivfußball. Entsprechend bauten sie den Kader radikal um, holten 15 neue Profis und drei Junioren. Ein Projekt mit durchschlagendem Erfolg: Durch die dritte Liga rauschten die Paderborner mit 90 Treffern ein Stockwerk weiter nach oben, ihren direkten Durchmarsch in die Bundesliga befeuerten sie nun mit 76 Toren.

Stolzer Krösche

„Wir wollten unseren Fußball, mit dem wir in der dritten Liga Erfolg hatten, auch eine Klasse höher durchsetzen“, betont Baumgart – nun, da die wilde Fahrt des Vereins durch Deutschlands Spielklassen eine nahtlose Fortsetzung gefunden hat.

Auf und nieder, immer wieder – dieses Motto gilt nicht zuletzt für Markus Krösche, der in Dresden strahlte: „Unser Weg ist Wahnsinn, ich bin unglaublich stolz.“ Der stolze 38-Jährige, 2007 in Paderborns Jahrhundertelf gewählt, macht demnächst womöglich noch ein Stück weiter oben weiter – als neuer Sportkoordinator von Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig.

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