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Pechstein scheitert vor Europäischem Gerichtshof

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein ist mit einer Beschwerde vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gescheitert. Sie war dort gegen den Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen dessen angeblich fehlender Unabhängigkeit vorgegangen.

Claudia Pechstein erwartet die Urteilsverkündung des Bundesgerichtshofs.
Die fünfmalige Olympiasiegerin Claudia Pechstein führt seit Jahren einen Rechtsstreit gegen den CAS. Quelle: ap

In einem Urteil attestierte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte dem CAS am Dienstag keinen Mangel an Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit (Beschwerdenummer 67474/10).

8.000 Euro Entschädigung

Damit hat Pechstein in ihrem jahrelangen Rechtsstreit gegen das Sport-Schiedsgericht eine Niederlage erfahren. Einen kleinen moralischen Sieg verbuchte die 46-Jährige, weil das Gericht anerkannte, dass ihr in dem Verfahren eine öffentliche Anhörung zugestanden hätte. Diese hatte der CAS ihr nicht eingeräumt. Pechstein wurde dafür eine Entschädigung von 8.000 Euro zugesprochen.

Pechsteins Anwalt Simon Bergmann wertete den Richterspruch als Erfolg. "Es ist eine Menschenrechtsverletzung festgestellt worden", sagte Bergmann der Deutschen Presse-Agentur. Das Urteil des CAS wäre seinen Worten zufolge möglicherweise anders ausgefallen, wenn die Öffentlichkeit beteiligt gewesen wäre. Das Straßburger Urteil könnte demnach auch Einfluss auf Pechsteins Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht haben.

Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin geht seit Jahren juristisch gegen die zweijährige Sperre vor, die die Internationale Eislauf-Union ISU im Jahr 2009 aus Pechsteins Sicht zu Unrecht anhand von Indizien und ohne Dopingnachweis wegen zu hoher Blutwerte verhängt hatte. Die 46-Jährige führte die Blutwerte stets auf eine von ihrem Vater vererbte Anomalie zurück und wurde in dieser Einschätzung von führenden Hämatologen bestätigt. Pechstein hatte sich 2009 vor dem CAS gegen die Sperre beschwert. Das höchste Sportgericht mit Sitz in der Schweiz bestätigte diese aber.

Pechstein: CAS nicht unabhängig

Pechstein hatte nun vor dem EGMR gegen den Internationalen Sportgerichtshof CAS Beschwerde eingelegt. Sie machte in Straßburg geltend, dass der Sportgerichtshof CAS weder unabhängig noch unparteiisch sei. Den Vorwurf begründete die 46-Jährige unter anderem mit der Art und Weise, wie die Richter des CAS ernannt werden.

Das Sport-Schiedsgericht sieht nun den Status der Unabhängigkeit durch das Urteil bestätigt. "Der EMRK hat alle Ansprüche, mit einer Ausnahme zum Recht auf öffentliche Anhörung, abgewiesen", hieß es in einer Stellungnahme des CAS.

Verbände übten Einfluss auf Auswahl der CAS-Schiedsrichter

Die Straßburger Richter argumentieren in ihrem Urteil, über Pechsteins Fall hätten drei Schiedsrichter entschieden, die aus einer Liste mit fast 300 Kandidaten ausgewählt worden seien. Die Sportlerin habe keine Argumente vorgebracht, die grundsätzliche Zweifel an der Unabhängigkeit und Unvoreingenommenheit der Richter auf dieser Liste hätten rechtfertigen können, urteilte das Menschenrechtsgericht. Von den drei Richtern in ihrem Verfahren habe Pechstein darüber hinaus nur Zweifel an einem einzigen geäußert, dem Vorsitzenden - ohne ihre Vorwürfe jedoch ausreichend zu belegen.

Die Straßburger Richter räumen ein, dass Sportorganisationen - also zum Beispiel Verbände - einen deutlichen Einfluss auf das Auswahlverfahren der CAS-Schiedsrichter ausgeübt hätten. Aber aus dieser Tatsache allein könne nicht abgeleitet werden, dass die Richter automatisch abhängig von diesen Organisationen sein müssten.

Auch Mutu scheitert

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte urteilte am Dienstag auch im Fall des ehemaligen rumänischen Fußball-Nationalspielers Adrian Mutu, der ebenfalls die Rechtmäßigkeit des CAS anzweifelt. Doch auch seine Zweifel an der Unvoreingenommenheit von dessen Richtern teilte das Straßburger Gericht nicht.

Mutu war 2003 für die damals außergewöhnlich hohe Ablösesumme von 26 Millionen Euro vom italienischen Club AC Parma zum FC Chelsea gewechselt. Der Rumäne war zuvor positiv auf Kokain getestet und dann für sieben Monate gesperrt worden, Chelsea entließ den Torjäger daraufhin. Im Zuge dieses Vorgangs war Mutu vom Weltverband FIFA zu einer Strafe von 17,2 Millionen Euro verurteilt worden. Dagegen hatte Mutu erfolglos Berufung beim CAS eingelegt.

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