DHB-Team wie im Rausch

Sport - DHB-Team wie im Rausch

Der verletzte Nationalspieler Paul Drux muss das DHB-Team aus der Ferne unterstützen. Er glaubt an die Chance auf die Hauptrunde: "Wir müssen nun den Flow ins Spiel gegen Slowenien mitnehmen."

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3 min
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Video verfügbar bis 18.01.2017, 08:35

Die deutschen Handballprofis schienen bei Halbzeit des zweiten EM-Vorrundenspiels gegen Schweden schon geschlagen. Doch ein taktisches Novum brach den Bann, Verzweiflung verwandelte sich in Entschlossenheit. Gegen Slowenien soll es nun mit dem Hauptrunden-Einzug klappen.

Die Fans schnappten noch nach Luft, die Handballer waren noch vollgepumpt mit Adrenalin nach dem 27:26-Sieg im Krimi gegen Schweden, als Bundestrainer Dagur Sigurdsson lächelnd diese Sätze in die TV-Kameras sagte: "Meine Co-Trainer haben mir in der Halbzeit empfohlen, die Abwehr auf 4:2 umzustellen. Das haben wir gemacht und viele schnelle Ballgewinne gehabt."

Remis reicht für die Hauptrunde

Meine Co-Trainer. Wir. Mit wenigen Worten illustrierte der Isländer, auf welche Weise er die weiteren Aufgaben bei der 12. Europameisterschaft in Polen zu bewältigen gedenkt: Mit Teamgeist. Als Mannschaft, in dem auch die Co-Trainer einen wichtigen Beitrag leisten, wollen sie bei nun 2:2-Punkten im letzten Gruppenspiel gegen Slowenien (Mittwoch, ab 17:05 Uhr, live im ZDF) den Hauptrundeneinzug schaffen. Dafür reicht ein Remis.

Der Co-Trainer, der während dieser rasanten Achterbahnfahrt gegen die Skandinavier auf der Bank saß, heißt übrigens Axel Kromer: Der Mann, der bei den Auszeiten immer eine große Mappe über der Taktiktafel hält, damit die Deckenkameras die Anweisungen nicht auf die Anzeigentafel werfen können.

Teamgeist als Erfolgsrezept

Der Teamgeist war jedenfalls die Kernbotschaft dieser Partie, die viele überraschende Wendungen geboten hatte. In der ersten Halbzeit hatte das Team um Steffen Weinhold seltsam zaghaft agiert, passiv in der Abwehr, zaudernd im Angriff – das Tempospiel, das Sigurdsson immer predigt, fand schlicht nicht statt. Immer wieder konnten sich die Schweden in der Abwehr postieren.

Der negative Höhepunkt war, als Niclas Pieszkowski mit einem gelben Leibchen aufs Feld rannte, obwohl Torwart Andreas Wolff noch auf dem Parkett stand: Eine Zeitstrafe, die richtig schmerzte, weil die Schweden wieder wegzogen. "Wir haben da sehr nervös gespielt", schüttelte Sigurdsson den Kopf. Als Rechtsaußen Tobias Reichmann, der bis dahin beste deutsche Schütze, mit der Halbzeitsirene noch einen Siebenmeter verwarf – wer gab da noch etwas auf die DHB-Auswahl?

Ein Novum lässt das Spiel kippen

Die 4:2-Deckung in der Abwehr, die Manndeckung durch Reichmann und Rune Dahmke gegen den schwedischen Halblinken und Mittelmann, war demnach ein Produkt der puren Verzweiflung – diese taktische Formation hatten die Deutschen noch nie erprobt. Doch damit kippte tatsächlich das Spiel, der Mut kehrte zurück, die Entschlossenheit, die Körpersprache waren plötzlich da. Es war, als stünde da eine völlig andere Mannschaft auf dem Feld. Sie spielten nun wie im Rausch.

Kapitän Weinhold, der bis zur Pause nicht einmal aufs Tor seines Ex-Mannschaftskollegen Mattias Andersson geworfen hatte, stürzte sich nun in die Deckung, als gebe es kein Morgen. Linksaußen Dahmke brach durch die gegnerischen Reihen, Kreisläufer Jannik Kohlbacher griff sich den Ball am Kreis, und vor allem Torwart Andreas Wolff, der schon gegen Spanien sein Form angedeutet hatte, drehte nun auf und vernagelte das Gehäuse. Er kam auf eine Quote von annähernd 50 Prozent: ein Weltklassewert.

Moment der Erkenntnis

Wolff freute sich nach dem Sieg wie Bolle, als er als "Man of the Match" geehrt wurde. Aber wenige Minuten später war er stoisch wie immer. "Wer in so ein Spiel kommt, der muss viel Emotionen zeigen", sagte der Keeper, "aber jetzt ist da eher eine gewisse Erleichterung." Er hatte ja Recht. Die 6.500 Fans und Millionen von Zuschauern haben in der Jahrhunderthalle von Breslau kein Jahrhundertspiel gesehen. Aber den Moment, in dem die deutschen Handballprofis gemerkt haben, wie viel bei diesem Turnier möglich ist.

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