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Kovac: "Haben nie an die 2. Liga gedacht"

Sport - Kovac: "Haben nie an die 2. Liga gedacht"

Trainer Niko Kovac spricht im aktuellen sportstudio über seine Arbeit bei Eintracht Frankfurt. Er und sein Bruder hätten mit dem Team einen Plan, den alle befolgen würden - Abstieg wäre kein Thema.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 07.05.2017, 20:17

Niko Kovac hat im Trainergespann mit Bruder Robert beim Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt wieder den Kampfmodus geweckt. Als Gast im aktuellen sportstudio spricht er von seiner Arbeit bei dem Bundesligisten. An die 2. Liga habe er nie einen Gedanken verschwendet, "man brauche die Energie für die Bundesliga". Er und sein Bruder würden mit dem Team einen Plan vorgeben, und daran müssten sich alle halten.

Kampfgeist an der Seitenlinie

von Frank Hellmann

Niko Kovac ist einer, dem auch die Details des Fußballs ziemlich wichtig sind - was zum Beispiel vor einer Woche im Hessenderby beim SV Darmstadt 98 zu beobachten war: Weil es dem Trainer von Eintracht Frankfurt zu lange dauerte, bis die Balljungen für die Gäste ein Spielgerät rausrückten, klemmte sich Kovac einen Ball unter den Schuh. Um bei Bedarf am Böllenfalltor selbst das runde Leder zu liefern.

Kovacs Einsatz an der Seitenlinie stand symbolisch für den neu erwachten Kampfgeist bei den Hessen. Mit Siegen nach jeweiligen Rückständen in den Nachbarschaftsduellen gegen Mainz und Darmstadt schöpfen die Hessen wieder Hoffnung, obwohl die Aufgabe gegen Borussia Dortmund am Samstag (15.30 Uhr) schwer genug ist.

"Die bringen eine Ladung Energie nach vorn", sagt der Eintracht-Trainer über den nächsten Gegner: "Wir müssen viel laufen, mehr laufen, richtig laufen und nicht von Pontius zu Pilatus." Derart plakative Ansagen kommen bei Kovac spontan; der 44-Jährige ist keiner, der fortwährend nur geschliffene Einheitsrhetorik vorbringt. Das Wichtigste ist, dass der Kroate mit seinen Ansprachen die Spieler erreicht – und unbestritten hat es der frühere Vorzeigekämpfer geschafft, die Lebensgeister bei der Eintracht zu wecken. Kovac hat Frankfurts Berufsfußballern wieder eine Fighter-Mentalität verpasst.

Der Bolzplatz als Lebensschule

Kovac kommt aus Berlin-Wedding, die Jugendzeit dort mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder Robert diente gleichzeitig als eine Art (Fußball)-Schule fürs Leben. "Wir waren auf den Bolzplätzen mit den verschiedensten Nationalitäten zusammen, und in diesem Schmelztiegel musste man sich behaupten", erinnert er sich.

Sein Vertrauen in den schwer erziehbaren Änis Ben-Hatira, der unter der Kovac-Regie wichtige Tore gegen Hannover und Mainz erzielte oder einleitete, ist etwa auch darin begründet, "dass er einer wie ich aus dem Wedding ist." Auch die Begrifflichkeit vom "Balkan-Gen" hat er mal verwendet, um sein Vertrauen in den bosnischstämmigen Schweizer Stürmer Haris Seferovic zu erläutern.

Daum hat ihn am meisten geprägt

Das in sie gesteckte Vertrauen sollen Kovacs Spieler vor allem mit Willensstärke zurückzahlen. "Siegermentalität gibt es nicht im Supermarkt zu kaufen", sagt Kovac.  Er, der 241 Bundesligaspiele und 83 Länderspiele für Kroatien bestritt, hat vor allem beim FC Bayern die Erfahrung gemacht, wie wichtig mentale Stärke ist. "Ich konnte kein Trainingsspiel verlieren. Und noch heute lasse ich nicht mal meine Tochter beim Mensch ärgere dich nicht freiwillig gewinnen."

Als Spieler hat ihn diese unbeugsame Haltung weit gebracht - mit dem FC Bayern wurde Kovac sogar Weltpokalsieger 2001. Am meisten geprägt hat ihn laut eigener Aussage Christoph Daum, unter dem der defensive Mittelfeldspieler Kovac von 1996 bis 1999 bei Bayer Leverkusen spielte. Die gegenseitige Wertschätzung ist bis heute groß. Und: Kovac versucht zu schaffen, was Daum vor fünf Jahren nicht gelang: Die Eintracht vor dem Absturz in die zweite Liga zu bewahren.

Die Eintracht läuft und sprintet

Anders als Daum wurde Kovac in der Mainmetropole nicht wie ein Messias empfangen, sondern er stellte sich als Arbeiter vor, "der von allen absolute Professionalität, Disziplin und Leidenschaft verlangt." Ziemlich schnell erkannte der mit seiner Jugendliebe Kristina verheiratete Trainer, woran es unter Vorgänger Armin Veh haperte: Der vertraute nur einem Kreis von 13, 14 Profis und sah keine Veranlassung, die großen Lücken zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen oder die schwachen Laufleistungen zu beheben.

Kovac hebelte die Stammplatzgarantien aus: Bastian Oczipka, Carlos Zambrano oder Marc Stendera fanden und finden sich auch auf der Ersatzbank wieder. Andere Fortschritte sind aus der Statistik abzulesen. Unter Kovac läuft die Eintracht-Elf pro Spiel jetzt 114,1 Kilometer (unter Veh 111,8), leistet 240 Sprints pro Spiel (193). Auch die Zweikampfwerte und Passquote haben sich verbessert. Zuletzt sind zudem vier Tore nach Standards gelungen. Gleichwohl: Spielerisch ist immer noch Luft nach oben.

"Aufgeben nicht vorgesehen"

Gerade jüngst in Darmstadt sah Kovac "die schwächste Halbzeit meiner Amtszeit." Seine Ansage in der Halbzeitpause half, weil er auch vor personellen Konsequenzen nicht  zurückscheute. Den überforderten Mijat Gacinovic nahm er raus, Stefan Aigner brachte er rein, der das Vertrauen prompt mit dem Siegtor dankte. Zuletzt hat das Brüdergespann - Assistent Robert ist der wichtigste Ansprechpartner - vieles richtig und wenig falsch gemacht. Beide sind gute Beobachter.

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