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Leon Draisaitl: Der Mister Effizienz

Deutsche im US-Sport | NHL

Keiner brauchte in der vergangenen NHL-Saison so wenig Chancen für so viele Tore wie Leon Draisaitl. Der Kölner ist im Trikot der Edmonton Oilers in Sphären vorgedrungen, die für einen Deutschen bislang völlig utopisch waren.

Leon Draisaitl
Leon Draisaitl
Quelle: dpa

Leon Draisaitls letztes Tor der NHL-Saison 2018/19 hatte keinerlei Auswirkungen mehr auf das Abschneiden der Edmonton Oilers. Der Verein hatte das angestrebte Ziel, Playoffs, mal wieder deutlich verpasst. Und dieser 3:1-Auswärtserfolg am 6. April bei den Calgary Flames war allenfalls ein versöhnlicher Schlussakt einer katastrophalen Saison. Mehr nicht.

Historischer Treffer

Wie cool der Leon in seinem Alter schon an der Scheibe ist - das sieht man selten
Marco Sturm, ehemaliger Bundestrainer

Draisaitl hatte trotzdem allen Grund zum Jubeln. Sein Tor zum 1:0 war ein ganz Besonderes. Ein Historisches. Zum 50. Mal hatte er in dieser Saison getroffen. 50 Tore. Fünfzig! Der letzte Oiler, dem das gelang, war 1986/87 ein gewisser Wayne Gretzky gewesen. Und war dieser Leon Draisaitl aus Köln plötzlich in Sphären vorgestoßen, in denen sich normalerweise nur Kanadier, Russen und ab und an mal ein Schwede, Amerikaner oder Finne bewegen - die aber für einen Deutschen unvorstellbar, ja sogar utopisch waren.

Der bisherige deutsche NHL-Bestwert waren 29 Treffer. Draisaitl hatte ihn sich mit Marco Sturm geteilt. Im Vergleich zu den 50 Toren wirkt der alte Rekord geradezu lächerlich. Oder umgekehrt: die neue Bestmarke fast schon absurd. "Er ist einfach ein überragender Eishockeyspieler und ein cooler Typ", sagt Sturm. "Wie cool der Leon in seinem Alter schon an der Scheibe ist - das sieht man selten", so der ehemalige Bundestrainer weiter.

Durchbruch nach ganz oben

In der NHL-Torschützenliste bedeutete Draisaitls Marke Rang zwei, hinter dem Russen Alexander Owetschkin, der ein Tor mehr hatte. Neben seinen 50 Toren hatte Draisaitl auch noch 55 Treffer vorbereitet - war somit viertbester Scorer der Liga. Seit der Saison 2011/12 hatte es in der NHL keinen Spieler mehr gegeben, der 50 mal getroffen und noch mindestens 50 Mal aufgelegt hatte. Keine Frage, für Draisaitl war die Saison 2018/19 der Durchbruch nach ganz oben. Er gehörte zwar schon seit seinem Debüt 2014 zu den viel versprechenden Talenten und wurde in jenem Jahr unter allen Nachwuchsspielern bereits an dritter Stelle von den Oilers ausgewählt.

Doch als Edmonton ihn im Sommer 2017 mit einem Acht-Jahres-Vertrag und für eine Summe von 68 Millionen Dollar langfristig band, da schüttelten einige schon die Köpfe und fragten sich, ob der Stürmer sein durchschnittliches Jahresgehalt von 8,5 Millionen Dollar tatsächlich wert sei? Mit der vergangenen Saison hat Draisaitl nun gezeigt, dass er einer der besten Offensivspieler der Liga ist. Die Tageszeitung "Montreal Gazette" bezeichnete ihn als "Scoring Chance Machine".

Kongenialer Partner

Draisaitl hatte bei 231 Schüssen eine Trefferquote von 21,6 Prozent. Kein NHL-Profi, der mindestens 100 Mal aufs Tor schoss, war so effizient.

Natürlich hilft es Draisaitl, dass er oft mit Connor McDavid zusammen auf dem Eis steht. Der Oilers-Kapitän ist einer der besten Torvorbereiter der Liga und legt seinem deutschen Sturmpartner den Puck oft so auf, dass dieser nur noch vollenden muss.

Doch Draisaitl hat vergangene Saison auch bewiesen, dass er ohne McDavid treffen kann. Dass er im Stande ist, eigene Chancen zu kreieren und für seine Mitspieler aufzulegen. Der ehemalige Bundestrainer und langjährige NHL-Profi, Uwe Krupp, bezeichnete Draisaitl schon vor Jahren als "besten Eishockeyspieler, den Deutschland je hatte."

Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bunds, ist stolz "einen Spieler wie den Leon zu haben, der unseren Sport repräsentiert."

In Deutschland kann sich Draisaitl trotzdem noch ziemlich oft ziemlich unerkannt bewegen. In Edmonton, betont er, sei das ganz anders. "Das ist halt Kanada, da hat Eishockey einen ganz anderen Stellenwert", sagt er. Von den Medien wird der 23-Jährige schon mal als "Nowitzki des Eishockeys" bezeichnet. Ihn stört der Vergleich nicht. Draisaitl hat immer hervorgehoben, dass er gerne Steigbügelhalter für seinen Sport sein würde und dem Eishockey in Deutschland zu mehr Popularität verhelfen möchte.

Star zum Anfassen

Dafür sind seine Tore in Nordamerika nur bedingt von Nutzen. Denn wenn er in der NHL mitunter gegnerische Abwehrreihen lächerlich aussehen lässt, schlafen seine Landsleute. Der Zeitunterschied von Edmonton nach Deutschland beträgt acht Stunden. Umso wichtiger sind Draisaitls Darbietungen im Nationaltrikot. Seit 2016 war er bei allen Weltmeisterschaften dabei, ist längst der Posterboy der Nationalmannschaft - und trotzdem immer noch ein Star zum Anfassen, ohne jegliche Allüren. "Es ist schön, zu sehen, wie bodenständig er geblieben ist", sagt Reindl.

Deutsche Spieler in der NHL

Der erste Deutsche, der sich in der NHL etablierte, war Uwe Krupp. Er gewann auch als erster Profi aus good old Germany den Stanley Cup - 1996 mit Colorado.

Weitere bekannte Namen waren unter anderem Olaf Kölzig, Jochen Hecht, Marco Sturm, Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff, Marcel Goc. Ehrhoff war in der Saison 2011/12 bei den Buffalo Sabres mit einem Jahresgehalt von zehn Millionen Dollar der bestbezahlte NHL-Verteidiger. Neben Krupp gewannen auch Seidenberg (2011 mit Boston), Tom Kühnhackl (2016, 2017 mit Pittsburgh) und Philipp Grubauer (2018 mit Washington) den Stanley Cup. Deutscher Rekordspieler ist Marco Sturm mit 1006 NHL-Partien.

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