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Grubauers langer Weg zur Nummer eins

Deutsche im US-Sport | NHL

Mit den Washington Capitals wurde Philipp Grubauer 2018 NHL-Champion. Doch der Bayer war nur der Ersatztorwart. So wechselte er aus der Hauptstadt in die Rocky Mountains - und ist nun oben auf.

Eishockey, NHL, 28. April 2019: Colorado Avalanche-Torwart Philipp Grubauer
Trumpft bei Colorado Avalanche groß auf: Torwart Philipp Grubauer
Quelle: imago images / ZUMA Press

Es gibt Eishockeyspieler, die sind bekannt für ihre Rückennummern. Wayne Gretzky zum Beispiel ist für immer mit der 99 verbunden - und Jaromir Jagr die bekannteste 68 der Eishockey-Geschichte. Es gibt aber auch Spieler, die sind schlichtweg an der Reaktion der Fans zu erkennen. Philipp Grubauer ist so einer.

Kultschrei "Gruuuuuuuuu!!!"

Wenn der Torwart der Colorado Avalanche mit seiner linken Fanghand einen wuchtig geschossenen Puck aus dem oberen Toreck fischt oder reaktionsschnell seine Schoner ausfährt, geht bei den Heimspielen ein "Gruuuuuuuuu!!!" durch die Halle. Dieser Schrei ist eine Mischung aus Begeisterung und Bewunderung zugleich.

"Als Team versuchen wir, nicht von unseren Torhütern abhängig zu sein. Aber wenn wir Grubi brauchen, macht er die großartigen Paraden, die wir von ihm benötigen. Und im Unterzahlspiel ist er einfach unglaublich", sagt Jared Bednar, Colorados Trainer.

Bednar hat sogar zwei starke Torhüter im Kader. Neben Grubauer hat auch der Tscheche Pavel Francouz gezeigt, dass auf ihn Verlass ist. Und das wiederum ist ein gutes Zeichen für das Saisonziel, das sie in Colorado haben. Denn in Denver, wo der Verein seine Heimat hat, sprechen sie so laut vom Gewinn des Stanley Cups wie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Arbeitsteilung bevorzugt

Im Eishockey bildet ein zuverlässiger Torhüter die Basis für Titelträume. Und damit ein Schlussmann in der mental und körperlich härtesten Saisonphase, den Mitte April beginnenden Playoffs, die Leistungen bringen kann, bevorzugen viele Trainer in der Vorrunde eine Arbeitsteilung ihrer Goalies. Denn niemand könnte alle 82 Vorrundenspiele bestreiten, egal, wie gut er ist.

Grubauer kennt das schon aus seiner Zeit bei den Washington Capitals. Dort hatte der Bayer in der Meistersaison 2017/18 35 Partien absolviert. Seine Fangquote (92,3 Prozent) und sein Gegentorschnitt von 2,35 Treffern pro Partie waren sogar deutlich besser als die von Braden Holtby (90,7 Prozent, 2,99). Dennoch galt Grubauers kanadischer Kontrahent als Nummer eins.

Grubauer stand zwar zum Playoff-Auftakt in zwei Spielen im Tor, doch als beide Partien gegen die Columbus Blue Jackets verloren wurden und somit ein frühes Aus drohte, musste Trainer Barry Trotz reagieren. Er stellte Holtby ins Tor und Grubauer verfolgte den Rest der Playoffs von der Bank aus.

Wechsel zu Colorado Avalanche

Obwohl Washington im Juni 2018 dann erstmals Meister wurde und Grubauer somit seinen größten Erfolg feierte, wusste er, dass er die US-Hauptstadt verlassen muss, um Stammtorhüter zu werden.

Eishockey, NHL, 21. November 2019: Colorado Avalanche-Torwart Philipp Grubauer
Colorado Avalanche-Torwart Philipp Grubauer
Quelle: ap photo/Jim Mone

Diese Rolle fand er in der Höhenluft der Rocky Mountains, in Colorado - allerdings nicht sofort.

Denn in der vergangenen Saison war zunächst noch nicht ganz klar, ob Philipp Grubauer oder Semyon Varlamow die Nummer eins im Avalanche-Tor ist. Die Statistiken sprachen eher für den Russen, der bereits seit 2011 im Klub war und in 49 Vorrunden-Begegnungen das Vertrauen von Trainer Jared Bednar bekam, während Grubauer die anderen 33 Partien von Beginn an spielte.

Durchbruch im Frühjahr

Als Colorado jedoch Mitte März bei noch elf zu absolvierenden Partien fünf Punkte hinter einem Playoff-Platz rangierte, wurde klar, dass Grubauer der Bessere ist. Mit ihm gewann die Avalanche neun dieser Spiele, holte so 16 Punkte und erreichte die Ko-Runde. Es war der Anfang von "Gruuuuuuuuu".

Dass Colorado dann in der ersten Playoff-Runde mit den Calgary Flames das beste Vorrundenteam der Western Conference in nur fünf Spielen elimierte, war ebenfalls ein starker Verdienst des Rosenheimers. Für ihn waren diese Wochen im Frühjahr 2019 der Durchbruch und zugleich das Ende von Varlamow, der im Sommer zu den New York Islanders wechselte.

Nummer 1 - immer nur auf Zeit

In dieser Saison ist Grubauer nun erstmals Stammtorwart. Zufrieden ist der 28-Jährige deshalb nicht - und so richtig mag er diese Bezeichnung, die so etwas von Endgültigkeit hat, auch nicht.

"Bloß, weil ich jetzt ein paar Mal gespielt habe, heißt das nicht, dass ich die Nummer eins bis. Das Business ist so schnelllebig, wenn du da ein, zwei Wochen deine Leistung nicht bringst, dann bist du sofort wieder weg", sagt er im Gespräch mit zdfsport.de.

Diese Einschätzung ist zum einen eine Erkenntnis aus mittlerweile acht NHL-Jahren. Andererseits war Grubauer noch nie ein Sprücheklopfer oder jemand, der sich als etwas Besonderes sieht. Doch für Avalanche-Trainer Bednar ist klar: "Wir haben viel Vertrauen in unsere Torhüter. Und Grubi als unser Starter ist fantastisch."

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