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Medien: Ermittlungen wegen russischem Staatsdoping

Sport - Medien: Ermittlungen wegen russischem Staatsdoping

Nach den Enthüllungen durch die New York Times steht Russland weiter unter Druck. Russische Athleten und Medaillengewinner sollen bei den Winterspielen in Sotschi systematisches Doping betrieben haben

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.05.2017, 13:41

Russland steht wegen des Verdachts von Staatsdoping gut elf Wochen vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro unter erheblichem Druck. Um den Vorwürfen auf den Grund zu gehen, ermitteln die US-Justiz, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA.

Im schlimmsten Fall droht Russland der Ausschluss von Rio. Das hält angesichts der schweren Vorwürfe gegen Russland bei den Winterspielen 2014 in Sotschi selbst IOC-Präsident Thomas Bach für möglich.

US-Justiz ermittelt angeblich

Das US-Justizministerium ermittelt laut "New York Times" die wegen möglicher Verschwörung und Betrugs. Das Blatt berief sich am Dienstag auf zwei namentlich nicht genannte Quellen, die mit dem Fall vertraut seien. Die US-Staatsanwaltschaft für den östlichen Bezirk von New York sei federführend. Die Behörde habe russische Offizielle, Athleten, Trainer sowie Anti-Doping-Verantwortliche im Visier, hieß es.  Auf dpa-Anfrage sagte Nellin N. McIntosh: "Es ist Politik des Justizministeriums, etwaige Ermittlungen nicht zu kommentieren. Ich kann das also weder bestätigen noch dementieren."

Ermittlungen der USA wie diese sind schon bei geringsten vermuteten Verbindungen in die Vereinigten Staaten möglich, oder wenn eventuell Gelder über eine US-Bank geflossen sind. Der ehemalige Leites des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, hatte in der vergangenen Woche der "NYT" gesagt, er habe systematische Manipulationen im russischen Team während der Sotschi-Spiele mitorganisiert.

Ex-Laborchef selbst im Visier?

Rodschenkow, der jetzt in Los Angeles in den USA lebt, behauptet, 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen. Dafür gibt es bisher keine unabhängigen Beweise. Die US-Justiz hat nach den Informationen der Zeitung auch Rodschenkow selbst im Visier.

Das Internationale Olympische Komitee und die Welt-AntiDoping-Agentur WADA schalteten sich ebenfalls ein und brachten Untersuchungen auf den Weg. Die WADA stellte ein Ermittlerteam zusammen, um die Vorwürfe zu untersuchen.

WADA-Ergebnisse im Mittelpunkt

IOC-Präsident Bach schrieb in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwoch): "Die Teilnahme der russischen Athleten an den Olympischen Spielen in Rio 2016 hängt auch stark von den Ergebnissen der WADA-Untersuchung ab."

"Sollte es Hinweise auf ein organisiertes und flächendeckendes Doping-System geben, das weitere Sportarten betrifft, müssten die Internationalen Verbände und das IOC die schwierige Entscheidung zwischen kollektiver Verantwortung und individueller Gerechtigkeit treffen", schrieb der deutsche IOC-Chef weiter.

Und Bach geht in seinen Überlegungen noch weiter: "Es müsste geprüft werden, ob in derart `kontaminierten` Verbänden die Unschuldsvermutung für Athleten aufrecht erhalten oder die Beweislast umgekehrt werden kann. Dies könnte bedeuten, dass betroffene Athleten nachweisen müssen, dass ihre Doping-Tests international und unabhängig vorgenommen worden sind und den Regeln ihres Internationalen Verbandes und des Welt-Anti-Doping-Codes entsprechen, damit Chancengleichheit für alle Sportlerinnen und Sportler sichergestellt werden kann.“

IOC: Null-Toleranz-Haltung

"Wenn die Vorwürfe wahr sind, werden wir unsere Null-Toleranz-Haltung anwenden. Gegen alle, die in unserem Machtbereich sind", sagte Bach bei einer Telefonkonferenz am Mittwoch: "Ich werde aber über die Resultate nicht spekulieren."


Als mögliche Sanktionen brachte Bach unter anderem lebenslange Sperren für alle Beteiligten und finanzielle Sanktionen ins Spiel. Auch ein Ausschluss ganzer Nationen sei im Bereich des Möglichen. Zudem betonte der Tauberbischofsheimer, dass über das weitere Vorgehen nur auf der Grundlage von Fakten entschieden werden könne.

Russland reagiert

Auch nach neuen Doping-Anschuldigungen besteht Russland auf Straffreiheit für nicht überführte Athleten. "Sauberen Sportlern, die Jahre ihres Lebens dafür gegeben und gewissenhaft trainiert sowie alle Regeln eingehalten haben, sollte das Recht zur Teilnahme an Wettbewerben nicht verwehrt werden", teilte das Sportministerium in Moskau am Mittwoch mit.

Russlands Nationales Olympisches Komitee (NOK) sicherte der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA Unterstützung zu, so die Dopingproben der Sotschi-Spiele erneut überprüft werden. Allerdings habe es bisher keinen Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Resultate gegeben. Das Sportministerium versicherte der WADA ebenfalls seine Hilfe. Gedopte Sportler sollten bestraft werden - egal, aus welchem Land sie stammten, teilte das Ministerium in Moskau mit. Russlands Leichtathleten droht akut ein Olympia-Bann. Über deren Teilnahme entscheidet der Weltverband IAAF am 17. Juni im Lichte dokumentierter Dopingfälle.

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