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Die mediale Überflutung der Fans

Noch mehr Fußball durch die "Europa League 2"

Zusätzlich zur Champions League und der Europa League führt die UEFA ab 2021 einen dritten Wettbewerb ein. Durch ihn sollen sich die Klubs kleinerer Fußballnationen auf internationaler Bühne zeigen können und mehr Geld generieren. Für die Kritiker ist die neue Liga nur ein Mittel zum Zweck für die UEFA - und der Fan wird mit Fußball in Zukunft fast überflutet.

Pressekonferenz der UEFA
Die UEFA führt den dritten Europapokal ein - die Europa League 2.
Quelle: dpa

Donnerstagnachmittag 16:30 Uhr – Zeit für europäischen Spitzenfußball. Ab 2021 beginnt für den verrückten Fußballfan noch vor Feierabend ein über sechs Stunden langer Fußballabend. Es wird die Anstoßzeit der neuen "Europa League 2" sein, welche ansonsten parallel zum großen Bruder Europa League ausgetragen werden soll.

Am Sonntagabend in Dublin beschloss das Exekutivkomitee der UEFA den neuen Wettbewerb. Das Format soll mit 32 Teilnehmern jährlich an den Start gehen. Diese sind hauptsächlich die Meister aus den kleinen Nationen des Kontinentalverbandes. Die Anzahl aller Vereine in den Europapokal-Wettbewerben erhöht sich damit von 80 auf 96. Mit der Einführung wird die Anzahl der Europa-League-Teilnehmer von 48 auf 32 sinken.

Noch mehr Fußball

"Es wird mehr Spiele für mehr Vereine geben, wobei in den Gruppenphasen mehr Verbände vertreten sind", betont Präsident Aleksander Čeferin. Andrea Agnelli, Chef der europäischen Vereinigung der Topclubs (ECA), ist ebenfalls positiv angetan von der Entscheidung, welche dem Fußball die Rolle als Sport Nummer eins in der Welt sichere.

Horst Heldt
Horst Heldt, Manager bei Hannover 96, hält nicht viel vom dritten europäischen Wettbewerb.
Quelle: dpa

Kann zu viel Fußball diese Rolle vielleicht auch gefährden? Für den Fan bedeutet die Einführung im Endeffekt noch mehr Fußball auf einem sowieso schon gesättigten Markt. Das Interesse an maximal zweitklassigen Partien dürfte daher eher gering sein. Ein Beispiel: Angenommen es gäbe bereits die Europa League 2 in dieser Saison schon, so wäre Leipzig der deutsche Vertreter. Die Sachsen würden gegen Teams wie den walisischen Rekordmeister New Saints spielen - in einem Dorf namens Llansantffraid-ym-Mechain nahe der englischen Grenze. "Die Leute, die so einen Schwachsinn entscheiden, sind weit entfernt von der Basis. Die haben gar keine Ahnung, was die Leute bewegt", polterte Hannovers Manager Horst Heldt schon im September während der Planungsphase. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.

International könnte die Erweiterung auch nur ein weiterer Schritt in der Aufblähung des Fußballs sein. FIFA-Chef Gianni Infantino plant neben einer größeren Klub-WM auch weiterhin die Erhöhung der WM-Teilnehmerzahl von 32 auf 48 Mannschaften. Immer noch mehr und noch mehr Spiele - viele sehen diese Entwicklung äußerst kritisch.

Der DFB stimmt für den neuen Wettbewerb

Reinhard Grindel
DFB-Präsident Reinhard Grindel stimmte für die Einführung der Europa League 2.
Quelle: dpa

DFB-Chef Reinhard Grindel ist grundsätzlich kein Freund der sich immer schneller drehenden Spirale der Kommerzialisierung des Fußballs. Dennoch stimmte auch er für eine Einführung des dritten Wettbewerbs, hauptsächlich aus politischen Gründen. Die Folgen für den deutschen Fußball bleiben überschaubar. Nur ein Teilnehmer aus der Bundesliga muss durch die Kleinstädte Europas tingeln. Daher konnten Grindel und seine Amtskollegen aus den großen Fußballnationen Europas problemlos zustimmen und dies als Zeichen der Solidarität mit den eher kleineren Verbänden verkaufen.

Ob diese allerdings nachhaltig von diesem Wettbewerb profitieren werden, darf hinterfragt werden. Insgeheim plant die UEFA offenbar mit dem neuen Pokal eine Stärkung der schwächelnden Europa League. Durch einen dritten Wettbewerb steigt die Wertigkeit der zweithöchsten europäischen Spielklasse. Den Teilnehmern dort sollen ab 2021 zudem höhere Gelder winken. Ob dies auf Kosten der kleineren Klubs geschehen wird, bleibt abzuwarten.

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