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"Die Regeln sind bekannt, werden aber oft nicht gelebt"

FairPlayLiga im Kinderfußball

Seit zehn Jahren breitet sich die FairPlayLiga unaufhaltsam im Kinderfußball aus. Eltern halten Abstand, Trainer kooperieren, Schiedsrichter müssen draußen bleiben - so die Regeln. Doch viele Eltern sind zu wenig informiert, viele Trainer zu wenig qualifiziert. Das will der Fußballkreis Essen nun am Samstag mit einem Fachtag im Stadion ändern.

Jugendfußball
Jugendfußball Quelle: imago

„An den beiden letzten Spieltagen hat es nun in Essen 4 (!) Spielabbrüche gegeben. Wieder waren es einzelne Spieler und auch Mannschaftsteile, die Entscheidungen nicht akzeptieren wollten und mit physischer und psychischer Gewalt gegen Schiedsrichter und Gegenspieler vorgegangen sind.“

Ausschreitungen und Spielabbrüche

Das schrieb Thorsten Flügel, der Vorsitzende des Fußballkreises Essen, Mitte November in einem dramatischen Appell an die Vereine. Von Ausschreitungen und Spielabbrüchen ist beileibe nicht nur Essen betroffen – doch dort beschreitet man nun neue Wege bei der Gewaltprävention: mit dem bundesweit 1. Fachtag FairPlayLiga.

„Ich verbinde mit der FairPlayLiga die Hoffnung, dass Kreativität, Spielfreude und Selbstvertrauen der Kinder so gefördert werden, damit sie später eigenverantwortlich und emotional ausgeglichener mit Schiedsrichtern, sowie allen anderen Beteiligten umgehen können“, sagt Klaus Koglin, der stellvertretende Vorsitzende des Jugendausschusses im Fußballverbandes Niederrein sowie Mitglied des Jugendbeirates des DFB, gegenüber heute.de.

Anbrüllen statt klären

Die Regeln der FairPlayLiga (siehe Kasten) werden mittlerweile bundesweit in 40-50 Prozent aller Spiele der F-Jugend (8-10 Jahre) angewendet. Nach dem Willen des DFB soll die Verbreitung bis zur Saison 2017/2018 in dieser Altersklasse flächendeckend sein.

„Im Fußballkreis Essen spielen wir seit vier Jahren die FairPlayLiga, die zwischenzeitlich auch für die E-Jugend eingeführt wurde“, sagt Koglin. „Die Regeln sind bekannt, werden aber oft nicht gelebt. Es gibt immer noch so genannte Trainer, die keine guten Vorbilder sind.“

So komme es vor, dass sie die Kinder zu regelwidrigem Verhalten anhalten. „Oder sie streiten sich laut mit dem Trainer der anderen Mannschaften, statt die Unstimmigkeiten ruhig und auf sachlicher Basis gemeinsam in der Coaching Zone zu regeln.“

Mängel bei der Trainerqualifikation

Auch ein Studienprojekt an der Universität Duisburg-Essen hat „einen engen Zusammenhang zwischen der richtigen Umsetzung der Trainerregel und dem reibungslosen Ablauf des Spielbetriebs“, festgestellt.

„Außerdem scheint die Qualifikation der Trainer ein weiterer entscheidender Punkt in Hinblick auf eine zielführende Umsetzung der FairPlay-Liga zu sein“, schreibt der Student Mario Kraushaar, der als Schiedsrichter eigene Erfahrung mit Aggressionen auf dem Fußballplatz gemacht hat, in seiner Arbeit weiter.

„Das System der FairPlayLiga ist als Vorlage gut, aber nun müssen wir die Schnittstellen optimieren, also Trainer qualifizieren, Eltern informieren und Akzeptanz herstellen“, sagt der „Vater“ der FairPlayLiga, Ralf Klohr, der die Regeln vor zehn Jahren in Eigeninitiative entwickelt hat. „Wenn engagierte Leute im jeweiligen Fußballkreis das in die Hand nehmen, wie jetzt in Essen, geht es schneller.“

Uni, Fußball und Stadt tun sich zusammen

In Essen haben sich neben dem Verband Niederrhein und der Projektgruppe der Universität Duisburg-Essen um den Sportwissenschaftler Ulf Gebken auch die Stadt und die Essener Chancen zusammengetan, um Vorschläge für eine größere Nachhaltigkeit der FairPlayLiga zu entwickeln. Die Teilnahme am Fachtag ist für die Vereine des Kreises verpflichtend.

Klaus Koglin hat schon Vorstellungen, in welche Richtung es weitergehen könnten: „Meine Absicht ist, zu Saisonbeginn alle neuen Leute zu einer Schulung zusammenholen und sie anzuhalten, sich für diese Aufgabe zu qualifizieren. Dabei soll ihnen auch die Philosophie des Kindertrainings vermittelt werden. Außerdem halte ich ein Rückmeldesystem für sinnvoll für die Fälle wo etwas aus dem Ruder läuft.“ Koglin hofft, dass diese Aktion Schule macht und mit Unterstützung des DFB weitere Landesverbände diese oder vergleichbare Veranstaltungen durchführen.

Erfinder: Vom DFB enttäuscht

Von der bisherigen Unterstützung des DFB für die von ihm erfundene FairPlayLiga ist Ralf Klohr enttäuscht. „Der DFB hat die FairPlayLiga in seinen Masterplan integriert und auf die Landes- und Kreisverbände runterdelegiert“, sagt er. „Selbst unternimmt der DFB nichts, außer den Verbänden Flyer-Entwürfe zur Verfügung zu stellen. Es gibt noch nicht einmal ein einheitliches Qualifikations-Modul für die Spielform und die Hintergründe der FairPlayLiga.“

Beim DFB kümmere man sich um den leistungsorientierten Jugendfußball, die Basis im Kinderfußball sei auf sich allein gestellt, so Klohr. „Und das obwohl die Hälfte der Fußballspieler beim größten Sportverband der Welt Kinder sind.“

FairPlayLiga im Kinderfußball

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