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Fall 1860 München: Wege aus der Abhängigkeit

50 plus 1-Regel kein Allheilmittel im Kampf um Sebstbestimmtheit

In Deutschland soll die 50 plus 1-Regel verhindern, dass Investoren Klubs beherrschen – im Fall von 1860 München vergeblich. „Die Strukturen, die für Stabilität sorgen, müssen andere sein“, sagt Henning Vöpel vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut.

Ismaik (1860 München)

Sechzehn Tore (5:0/2:9) fielen in der allerersten Bundesligasaison 1963/64 zwischen dem HSV und 1860 München. Auf weitere Torfestivals zwischen diesen beiden Traditionsvereinen wird man lange warten müssen - vier Klassen trennen sie ab der kommenden Spielzeit. Und dennoch lag ihr Schicksal vor einigen Wochen noch sehr eng beisammen.

HSV-Lizenz nur mit Kühne-Geld

Wenn sich HSV-Investor Klaus-Michael Kühne wie sein Münchner Pendant Hasan Ismaik geweigert hätte, die für die Erteilung der Bundesliga-Lizenz fehlenden Mittel bereitzustellen, würden sich jetzt auch die Hamburger möglicherweise im freien Fall befinden. Was die beiden Fälle neben anderem unterscheidet: der HSV konnte Kühne als Gegenleistung weitere Anteile an der Fußball AG abtreten, was in München nicht möglich war. Dort besitzt Ismaiks Firma bereits 60 Prozent der Anteile an der Kommanditgesellschaft auf Aktien. Laut der im deutschen Fußball geltenden 50 plus 1 Regel sind eigentlich sogar nur 49 Prozent erlaubt – die darüber hinaus gehenden Ismaik-Anteile firmieren als Vorzugsaktien und sind nicht mit einem Stimmrecht verbunden.

Abhängig trotz 50 plus 1 -Regel

Bei allen Unterschieden eint die beiden Fälle in Hamburg und München, dass die 50 plus 1 Regel, mit der die Klubs vor zu großem Einfluss von Investoren geschützt werden sollen, nicht verhindert hat, dass sie sich trotzdem abhängig gemacht haben. „Diese Abhängigkeit resultiert aus der finanziellen Notlage, in der sich der Verein bei seinem Einstieg befand, deshalb lässt sich das Beispiel 1860 München nicht zwangsläufig als Argument gegen 50 plus 1 verwenden“, sagt Matthias Lehleiter, Leiter des Team Sportler im Londoner Büro der Berenberg Bank.

„Die 50 plus 1 - Regel hat im Fußball ihren Sinn, da es bei den derzeitigen Rahmenbedingungen beim Einstieg von Investoren nicht um Renditen gehen kann, sondern um den PR- und Werbewert – wie zum Beispiel bei Bayern München“, sagt Lehleiter. Wer Gewinn machen wolle, sei von vornherein der falsche Investor – davor versuche die Regel zu schützen. Langfristig sei sie allerdings nicht zu halten, da im europäischen Wettbewerb der Druck wachse, sich Investoren zu öffnen.

Wettbewerbsdruck steigt

Studien der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zeigten, dass unter den Top 20 Klubs der umsatzstärksten Klubs diejenigen dominieren, die starke Investoren haben, wie Paris St. Germain oder Manchester City. “Man muss die Weichen in diese Richtung stellen - je früher, desto besser“, sagt der Analyst. „Die 50 plus 1 - Regel wird fallen“, glaubt auch Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). „Es gibt ja bereits jetzt Ausnahmen.

Die Strukturen, die für Stabilität sorgen, müssen andere sein. In erster Linie sind die Klubs gefragt, sich Government-Strukturen zu geben, die verhindern, dass sie aus einer Notlage heraus ihre Nachhaltigkeit mit verkaufen. Die Verträge mit Investoren oder Sponsoren müssten Mindestbindungsfristen enthalten und die Mitsprache im sportlichen Bereich ausschließen.“

Mindestlaufzeiten und Ausstiegsszenarien

Im Normalfall hält Vöpel die Lizensierungsbestimmungen der deutschen Fußballliga (DFL) als Regulierungsrahmen für ausreichend. Falls man allerdings zu dem Schluss käme, dass der kurzfristige Wettbewerbsdruck, in dem sich die Bundesliga-Klubs befinden, Teil des Systems sei, müsste man Schutzmechanismen einrichten, die verhindern, dass Vereine sich einem Investor ausliefern.

„Zu solchen Schutzmechanismen gehören Mindestlaufzeiten des Engagements“, sagt Vöpel. „Der Ausstieg sollte so definiert sein, dass die Anteile nicht an Drittinvestoren, sondern an den Verein fallen. Und es sollten Fälle definiert werden, in denen dem Investor gekündigt werden kann.“ Solche Nachregulierungen könnten helfen, gute von schlechten Investoren zu trennen.

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