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Zum Meisterstück gekämpft

Fußball-Bundesliga - Saison 2018/19

Mit dem siebten Ligatitel des FC Bayern in Serie hat Trainer Niko Kovac das wichtigste Saisonziel in seinem wechselhaften und schwierigen ersten Amtsjahr erreicht. Seine Zukunft aber scheint offen. Ein vorläufiges Saisonresümee vor dem Pokalfinale.

Niko Kovac küsst die Meisterschale
Niko Kovac küsst die Meisterschale
Quelle: dpa

Nachdem Niko Kovac später im Pressesaal mit Applaus empfangen worden war, genügten ihm wenige Sätze, um die Höhen und Tiefen der Saison aus seiner Sicht zusammenzufassen. „Wir haben Großes geleistet. Ich weiß nicht, ob es so eine Aufholjagd schon einmal gegeben hat. Ich bin total happy, ich bin total ausgelaugt“, sagte der Trainer des FC Bayern. Der Titelgewinn in der Bundesliga kam vor allem für ihn einem Happy End gleich, jedenfalls in der Meisterschaft, aber auch für die beiden Torschützen Franck Ribéry und Arjen Robben nach dem letzten Münchner Heimspiel ihrer Karrieren.

Kraftraubende Saison für Kovac

Wie anstrengend sein erstes Amtsjahr gewesen war, wie viel Kraft es ihn gekostet hat, das brachte Kovac mehrfach zum Ausdruck. Wie schon am Donnerstag, als er die fehlende Menschlichkeit im Umgang mit ihm beklagt hatte. Und weil die Fans ihn nach viel interner Kritik am eher defensiven Spielstil und an mangelnder Kreativität sowie nach dem teils ausbleibenden Rückhalt von der Klubführung schon während des letzten Ligaspiels mit Sprechchören gefeiert hatten, war es Kovac ein Anliegen, sich für diese Unterstützung zu bedanken. Das sei einfach schön, sagte er, „wenn man Anerkennung bekommt, vielleicht auch Trost“.

Zumindest in der Liga hat die Saison für ihn und die Bayern ein gutes Ende genommen, durch das 5:1 gegen Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag und durch die zwei Punkte Vorsprung auf Borussia Dortmund. Es ist der siebte Gewinn der Schale in Serie für die Münchner und der 29. insgesamt. Für Kovac ist es der erste als Trainer. Als Spieler war er 2003 deutscher Meister geworden, ebenfalls beim FC Bayern. In beiden Rollen hatte das dort zuvor nur Franz Beckenbauer geschafft, der Kaiser, die Lichtgestalt. Kovac aber strahlt nicht so hell wie einst Beckenbauer. Auch jetzt nicht, nach seinem Meisterstück, wenngleich er die Zuversicht äußerte, auch in der kommenden Saison als Trainer in München arbeiten zu dürfen.

Meisterschaft mal nicht selbstverständlich

Der Schatten auf Kovac hat auch damit zu tun, dass der Ligatitel zur Normalität geworden ist für die erfolgsverwöhnten Münchner seit 2013, als sie sogar das Triple gewannen. Unter Jupp Heynckes, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti und erneut Heynckes waren sie in der Liga stets mit einem zweistelligen Vorsprung eingelaufen, mit 25, 19, 10, 10, 15 und 21 Punkten. Oft war es gefühlt noch Winter, als sie feierten. Diesmal sind sie nicht zum Titel geflogen. Sie haben sich diesen erkämpft.

Dabei hatte es sich sehr gut angelassen, als Kovac nach seinem Pokalsieg mit Frankfurt gegen die Bayern im Vorsommer von Heynckes übernahm. Trotz der Hypotheken, der missratenen WM und des in die Jahre gekommenen Kaders. Gleich im ersten Pflichtspiel, im Supercup bei der Eintracht, gelang eine 5:0-Machtdemonstration. Es folgten sechs Siege im Pokal und in der Liga – und anschließend die Herbstkrise mit dem 3:3 gegen Düsseldorf als Tiefpunkt, flankiert von durchgesteckten Interna sowie ganz öffentlich vorgetragener Spieler-Kritik am Trainer.

Leistungsprinzip bringt den Erfolg

Kovac hätte das fast den Job gekostet. Er stellte auf Anraten von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß seine Rotation ein und das Leistungsprinzip in den Vordergrund. Es folgte eine Erfolgsserie, die nach neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Dortmund im Titel mündete.

Experten und Beobachter finden, dass Kovac für diese Leistung viel mehr Anerkennung verdient hätte, auch vom Verein. Diesen wurmt besonders das klare Aus im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Liverpool (0:0, 1:3), erstmals so früh seit 2011. Rummenigge wies auf das zu mutlose Vorgehen im Rückspiel hin und betonte mehrfach kühl, dass ein Bayern-Trainer zu Erfolgen verpflichtet sei. „Es fehlte oft der letzte Punch“, bilanzierte Rechtsverteidiger Joshua Kimmich jüngst.

Trotz Meisterschaft ist Zukunft offen

Hoeneß, der Kovac als Trainer platziert hatte, positionierte sich als Gegengewicht und stellte die Saisonnote „eins minus“ für den Fall des Double-Gewinns in Aussicht. Den „ehrlichsten“ Titel, wie Rummenigge über die Meisterschale zu sagen pflegt, hat Kovac gewonnen. Doch seine Zukunft scheint noch offen, vor dem Pokalfinale gegen Leipzig am 25. Mai in seiner Heimatstadt Berlin.

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