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FC Bayern: Mit Spannungen in den Konvent

Jahreshauptversammlung des Fußball-Bundesligisten

Sportlich läuft's schlecht, in der Führungsriege herrscht Unruhe und der Kader steht in der Kritik: viel Zündstoff für die Jahreshauptversammlung des FC Bayern München.

Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß (2.v.l.) im Stadion
Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß (2.v.l.)
Quelle: ap

Jahreshauptversammlungen des FC Bayern kamen in der Vergangenheit, wenn wie diesmal keine Präsidiumswahlen anstanden, oft so nüchtern daher wie ein Wirtschaftsseminar. Rekordzahlen wurden präsentiert, und auch heute kann der Konzern für das Geschäftsjahr 2017/18 einen Rekord bei den Gesamteinnahmen in Höhe von 657,4 Millionen Euro vorweisen (Vorjahr: 640,5).

Besonders emotionslos verliefen die Konvente der Jahre 2014 und 2015, in denen der für seine Folklore-Reden bekannte Uli Hoeneß aufgrund seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung nicht zugegen sein konnte. Seit 2016 ist der heute 66-Jährige wieder Präsident, erst im kommenden Jahr muss die Frage beantwortet werden, ob er sich tatsächlich noch einmal im Amt bestätigen lässt.

Viele Fragen harren ihrer Beantwortung

Doch die Mitglieder dürften sich schon von der diesjährigen Zusammenkunft Antworten erhoffen, wie es insgesamt weitergehen soll beim FC Bayern. Nicht nur auf der Führungsebene, sondern auch beim ebenfalls angestrebten Kaderumbruch.

Hinzu kommen: Die Debatten um die unbefriedigende Lage in der Bundesliga vor dem Spiel am Samstag bei Werder Bremen mit Platz fünf und neun Punkten Rückstand auf Tabellenführer Borussia Dortmund. Die anhaltende Unruhe in der Mannschaft des zuletzt von Hoeneß angezählten Trainers Niko Kovac. Und die auch von vielen Mitgliedern als peinlich empfundene Pressekonferenz vor gut einem Monat, in der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf die Unantastbarkeit der Würde des Menschen verwies, ehe Hoeneß nur Minuten später gegen den im Sommer verkauften Außenverteidiger Juan Bernat nachtrat ("Scheißdreck gespielt").

Breitner verbannt

Weil der Ehrenspielführer Paul Breitner seinen früheren Freund Hoeneß dafür öffentlich kritisierte, ließ ihm dieser dünnhäutig ausrichten, er sei auf der Ehrentribüne unerwünscht, woraufhin Breitner seine beiden Karten auf Lebenszeit zurückschicken wollte.

Auch diese Posse nährte das Bild eines nervösen Klubs, der seinen Anspruch, zur Weltspitze zu zählen, wegen der neureichen Konkurrenten vor allem aus England und Frankreich zunehmend gefährdet sieht und sich schwer tut, ein Zukunftskonzept zu entwickeln. Kurzum: Viele Spannungen, langweilig dürfte die Jahreshauptversammlung trotz der eher unspektakulären Tagesordnung also nicht werden.

Wie soll es an der Spitze weitergehen?

Über allem steht die Frage, wie und wann sich der FC Bayern auf der Führungsebene neu aufstellt. Rummenigge, 63, hatte jüngst erklärt, dass er vom Aufsichtsratsvorsitzenden Hoeneß und weiteren Mitgliedern des Gremiums gebeten worden sei, seinen am 31. Dezember 2019 auslaufenden Vertrag als Vorstandsvorsitzender noch einmal zu verlängern. Rummenigges Zusage gilt als sehr wahrscheinlich.

Zuletzt war zudem bekannt geworden, dass die Münchner über die mittelfristige Einbindung ihres langjährigen Torwarts Oliver Kahn, 49, nachdenken. Laut der Zeitschrift "kicker" könnte der aktuelle ZDF-Experte und Geschäftsmann ab Sommer 2019 oder Anfang 2020 ein Traineeprogramm bei den Bayern absolvieren und Ende 2021 Rummenigges Aufgaben komplett übernehmen.

Salihamidzics Vertrag läuft aus

Mitte 2020 läuft zudem der Vertrag des profillosen Sportdirektors Hasan Salihamidzic aus, Max Eberl von Borussia Mönchengladbach wurde für diesen Posten zuletzt erneut ins Gespräch gebracht.

Wie es mit Hoeneß weitergeht und wer ihn wann beerben könnte, ist noch unklarer. "Irgendwann ist Ende. Je eher, desto besser", sagte Hoeneß zwar jüngst, ließ aber anklingen, dass er sich vorerst für ziemlich unersetzlich hält und sprach von einem Zeithorizont von "zwei, drei Jahren".

Eine "eierlegende Wollmilchsau" müsste sein Nachfolger schon sein, und er konkretisierte auf den Vereinskanälen: "Diese Kombination - soziales Verhalten, Menschen zu mögen, Hochleistungssport betrieben zu haben und wirtschaftliche Zusammenhänge zusammenfügen zu können - ist das Anforderungsprofil für so einen Job." Seinen "Scheißdreck"-Spruch bezeichnete Hoeneß nebenbei als "nicht so schlimm", Kritik daran hätten "Moralapostel" geübt.

"Land in Sicht, wir sterben nicht"

Hoeneß spürt aber durchaus, dass sein Auftreten zunehmend breitflächig hinterfragt wird. Seine Art, den Job zu machen und gerne mal einen Spruch wie am Stammtisch rauszuhauen, sei schwieriger geworden, erkannte er.

Auf Gegenwind muss sich Hoeneß nun womöglich auch bei den Wortmeldungen der Mitglieder ganz am Ende der Jahreshauptversammlung einstellen. Die Bayern-Fans sangen beim überraschend souveränen 5:1 gegen Benfica Lissabon am Dienstag in der Champions League wegen der Chaos- und Krisenwochen schon mal mit feiner Ironie einen Jürgen-Drews-Song: "Wieder alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff. Keine Panik auf der Titanic, Land in Sicht, wir sterben nicht."

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