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Überlebenskampf eines Traditionsvereins

Der 1. FC Kaiserslautern ist nur noch drittklassig

Nach einem 2:3 (1:0) bei Arminia Bielefeld am 32. Spieltag steht es fest: 20 Jahre nach der Meisterschaft ist der FCK in die dritte Liga abgestiegen. Um in Zukunft eine Überlebenschance zu haben, müssen die Pfälzer schnell wieder aufsteigen. Vor dem Traditionsverein liegen schwere Monate und eine Rettungsmission, die heikler erscheint als alle zuvor.

Fans aus Kaiserslautern - Choreographie für Fritz Walter
Einmalige Stimmung auf dem Betzenberg in Kaiserslautern. Quelle: imago

Wer Tradition im Fußball beschreiben will und nicht viel Zeit hat, kommt mit ein paar Worten und Namen blendend aus. "Wunder von Bern", "Fritz und Ottmar Walter" und "König Otto 1998". Kein Klub steht mehr für den "Geist", der die deutsche Nationalmannschaft 1954 zum "Wunder von Bern" führte als der 1. FC Kaiserslautern. Die Pfälzer Idole waren das Rückgrat der Elf, die den Favoriten Ungarn im Finale 3:2 bezwang.

Der Mythos "Betzenberg" gehört dazu, der berühmteste Fußballberg des Landes, wo am 2. Mai 1998 zum ersten und einzigen Mal ein Bundesliga-Aufsteiger Deutscher Meister wurde - mit Otto Rehhagel als Trainer.

Zur kleinen Nummer geschrumpft

Wenn sich am 8. September ein Benefizspiel unter dem Motto "Heimkehr der Helden" stattfindet, sind vom Ruhm vergangener Tage nur süße Erinnerungen übrig. Die "Roten Teufel" sind zu einem Klub geschrumpft, der als kleine Nummer ums nackte Überleben kämpft. Die einzige Chance sagt Sportvorstand Martin Bader besteht in einer Ausgliederung der Lizenzspieler-Abteilung, die "Türen für externes Kapital öffnet".

Das heißt, der FCK muss Sponsoren und Investoren finden, die das Risiko nicht scheuen. Bader ist Optimist und Realist wie er sagt - und sicher ein mutiger Mensch. All das Positive, was diesen Klub ausmacht, ist noch nicht ganz verschleudert, glaubt er. Der FCK hat eine Chance zum Wiederaufbau. Der FCK hat immer noch einen (klangvollen) Namen.

Millionengrab WM-Stadion

Wer die Umstände des Niedergangs beschreibt und die Schuldigen zu benennen versucht, braucht etwas mehr Zeit. So viel Tradition eine Rolle spielte, so viel Drama und Chaos fügte man später in einem Landstrich hinzu, in dem Fußball und der FCK als unerschütterliches Glaubensbekenntnis gelten (oder galten). Über die Verhältnisse habe man seit dem Titel 1998 gelebt, sagen manche. Andere erinnern an den Steuerskandal und allerlei Vertragstricksereien - und das überdimensionierte 2006er WM-Stadion, das zum Millionengrab wurde und den Verein in die Tiefe zog.

Staatsanwälte und Kriminalpolizei fuhren den Berg hinauf. Die Stadt Kaiserslautern, Banken und der Steuerzahler mussten aushelfen. Mit vielen Millionen. Der umtriebige ehemalige Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Kurz Beck wurde im November 2002 eingeflogen, um Aufstände bei einer Mitglieder-Versammlung zu verhindern. Die Landespolitik und deren enge Bindung zum Klub sorgten jahrelang für kontroverse Debatten.

Hoffen auf die treuen Fans

Jetzt wird gestrichen. Die Miete fürs Fritz-Walter-Stadion sinkt von einst mehreren Millionen auf 425.000 Euro, weil die Stadt wieder hilft, obwohl die Kommune jeden Euro selbst dringend braucht. Anfang des Jahres regte der Bund der Steuerzahler kurzzeitig einen Abriss der subventionierten Arena an. Nun sinkt der Saison-Etat auf fünf Millionen. Dazu blüht die Hoffnung, die treuen Anhänger gehen den schweren Weg mit.

Man träumt wieder in der West-Pfalz. Von einer schlagkräftigen Mannschaft, die die dritte Liga beherrscht, und von 20.000 bis 25.000 Fans, die das Team in Heimspielen nach vorne peitschen. Das klingt (noch) mehr nach Verzweiflung als nach Neuanfang. Die wirklich letzte Chance dürfte es allemal sein.

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