Sie sind hier:

Ethikkommission ermittelt gegen WM-OK

Sport - Ethikkommission ermittelt gegen WM-OK

Nun prüft auch die Ethik-Kommission des Fußball-Weltverbandes FIFA, ob es bei der Vergabe der WM mit unlauteren Mitteln zugegangen ist.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.03.2017, 12:00

Die Ethikkommission der FIFA hat wegen des Skandals um die WM-Vergabe 2006 ein formelles Verfahren eingeleitet. Die Untersuchungen richten gegen den ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach und den Ex-Generalsekretär Helmut Sandrock.

Zudem ermitteln die FIFA-Ethiker um ihrem Chef Cornel Borbely gegen OK-Chef Franz Beckenbauer, Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, den früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt  und den einstigen stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans.

"Selbstverständlich werde ich in diesem Verfahren in jeder Hinsicht kooperieren und die Untersuchungen der Ethik-Kommission, in deren Arbeit ich uneingeschränktes Vertrauen habe, unterstützen", sagte Niersbach: "Es geht, was meine Person betrifft, ausschließlich um einen möglichen Verstoß aus dem Jahr 2015 gegen die Meldepflicht."

Unschuldsvermutung gilt

Borbely, so teilt die FIFA mit, werde "sämtlichen Hinweisen" auf verdächtige Handlungen nachgehen und zu gegebener Zeit seine Erkenntnisse der rechtsprechenden Kammer übermitteln. Bis zur Verkündung eines endgültigen Urteils gelte die Unschuldsvermutung.

Nach eingehender Begutachtung des Freshfields-Reports, der am 4. März veröffentlicht worden war, werfen die Ermittler Niersbach und Sandrock vor, der FIFA mögliche Verstöße gegen den Ethikcode des Verbands nicht gemeldet zu haben.

Die ominösen 6,7 Millionen Euro

Niersbach hatte dies im Sommer 2015 versäumt, als er laut eigener Aussage erstmals von den Unregelmäßigkeiten rund um die 6,7 Millionen Euro erfahren hatte.

Fakt ist: Im Endeffekt bezahlte der DFB diesen Betrag im Jahr 2005 an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, weil exakt diese Summe über den Umweg der Vorleistungen des WM-Chefs Franz Beckenbauer und Louis-Dreyfus im Jahr 2002 nach Katar überwiesen wurde.

Die möglichen Gründe

Auf die Frage nach dem Grund für den Geldfluss wird derzeit über drei mögliche Antworten spekuliert:

1. Das Geld wurde zum Kauf einer oder mehrerer Stimmen aus Asien benutzt, damit Deutschland den Zuschlag für die WM-Endrunde erhält. Der oder die Empfänger hätten dann allerdings lange auf ihre Gegenleistung warten müssen, da über das Austragungsland schon zwei Jahre zuvor im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA (12:11 gegen Südafrika) abgestimmt wurde.

2. Mit den Millionen wurde der Wahlkampf des damaligen FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter finanziert. Doch auch das wäre rückwirkend gewesen, da Blatter schon kurz vor der Überweisung im Jahr 2002 wiedergewählt wurde.

3. Das Geld war eine Art Provision für den früheren FIFA-Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam, der mittlerweile lebenslang gesperrt ist. Damit sollte sichergestellt werden, dass das damalige Mitglied der FIFA-Finanzkommission für eine Aufstockung des WM-Zuschusses auf die am Ende gezahlten 170 Euro Millionen sorgt.

Weitere Verstöße?

Den weiteren Beschuldigten werden "unzulässige Zahlungen" zur Last gelegt, durch die es im Bewerberprozess zu möglichen Vorteilen gekommen sein könnte. Die FIFA teilte zudem mit, dass durchaus weitere Verstöße hinzukommen können, sobald neue Informationen zu Tage treten sollten.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet